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Fünftklässler - alleingelassen am Grünberger Bahnhof

Artikel vom 27.08.2009 - 20.36 Uhr

Fünftklässler - alleingelassen am Grünberger Bahnhof

Grünberg (tb). Der Versuch des Verkehrsträgers VGO ging schief: Um eine Entlastung der Busse auf der Linie 110 Grünberg-Gießen zu erreichen, sollten zum neuen Schuljahr die Pennäler aus Göbelnrod, Saasen und Reiskirchen von der TKS zum Bahnhof Grünberg gebracht werden, sollten dort auf die Bahn umsteigen, um so sicher nach Hause zu gelangen. Soweit die Theorie.
Die Praxis sah anders aus: Als gestern Mittag der Zubringerbus mit einigen Minuten Verspätung endlich den Bahnhof erreichte, sahen die Kinder zwar noch den Zug am Gleis stehen, doch mit Einsteigen war nix, der Zugführer gab Gas. Die rund 80 Gesamtschüler, darunter nicht wenige Fünftklässler - gerade mal zehn Jahre alt, gerade am zweiten Tag in der für sie neuen großen Schule - standen alleingelassen am Bahnsteig. »Der Zugführer hat sie gesehen und ist trotzdem losgefahren. Das gibt’s doch nicht. Einige Kinder sind allein nach Göbelnrod gelaufen! Was, wenn etwas passiert wäre«, berichtete ein verärgerter Vater aus dem Grünberger Stadtteil. Mit gleichem Tenor äußerte sich ein Elternteil aus Reiskirchen, der sich nicht minder um die Sicherheit der Kinder sorgt. Mit den Beschwerden auch durch die »Allgemeine Zeitung« konfrontiert, sicherte die VGO am Nachmittag eine Lösung zu. Fürs erste, von heute an, heißt dies: »zurück zur alten Regelung«. Der Bus fährt also wieder die »abgehängten« Dörfer an, fürs erste wird auch ein zweiter eingesetzt.

Für die Eltern liegt der Fehler schon in der - gelinde gesagt - wenig vorausschauenden Fahrplan-Änderung durch die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO). Von den nur fünf Minuten zwischen Schulschluss und Busabfahrt (13 Uhr) einmal abgesehen: Den Planern müsse doch der fast tägliche Stau an der Einmündung der von der TKS kommenden Struppiusstraße auf die L 3166 nach Weickartshain bekannt sein (dass der Stau auch durch Eltern mitverursacht wird, die unnötigerweise ihr Kind mit dem Pkw abholen, ward eingeräumt, die Red.). Ob dieses Nadelöhrs, so ein Vater, sei es klar, dass der Bus oft nicht in elf Minuten das Ziel erreiche (ab Bahnhof 13.11 Uhr). Weiter: Während in Grünberg der Anschluss »viel zu eng« sei, stehe der Zug in Großen-Buseck bald zehn Minuten ...

Dass letztgenannte Lösung, also eine »Umverteilung« der Standzeit, im Vorfeld eingehend besprochen, aber als »nicht durchführbar verworfen« worden sei, schickte VGO-Pressesprecherin Birgit Gralla voraus.

Was nun die Probleme mit der Neuordnung des Schülertransports angeht, erinnert die VGO zunächst an die »Vorgeschichte«: Auf der Linie 110 bestand danach vor den Ferien eine Direktverbindung ab 13 Uhr von der TKS über Göbelnrod, Saasen nach Reiskirchen.

Aufgrund der heuer deutlich gestiegenen Schüler-Zahlen aus der Großgemeinde Reiskirchen habe man eine Lösung gesucht, um die Beförderungssituation in den Griff zu bekommen. Da zum einen die Kapazitäten an Bussen zur Mittagsspitze nur begrenzt vorhanden seien, zum anderen die Vogelsbergbahn eine schnelle und sichere Beförderung von Grünberg nach Reiskirchen biete - daher der Beschluss, den Bus der Linie 110 als Zubringer zum Bahnhof Grünberg zu nutzen, um dort den Umstieg in die Bahn zu ermöglichen.

Die VGO weiter wörtlich: »Um den Umstieg problemlos (so dachten wir) zu ermöglichen, wurde beim für die Vogelsbergbahn zuständigen RMV um Verlegung der Abfahrtzeit in Grünberg von 13.09 Uhr auf 13.13 Uhr nachgesucht. Leider war aus betrieblichen Gründen nur eine Verschiebung auf 13.11 Uhr möglich. Aber auch bei einer Abfahrtszeit der Linie 110 von 13 Uhr an der TKS und einer Fahrzeit von circa fünf bis acht Minuten zum Bahnhof sollte der Anschluss funktionieren - eigentlich.« Leider habe es nicht geklappt, räumt die VGO ein. Und: »Die Eltern sind zu Recht erbost darüber.«

VGO: »Versuchen, auch längerfristig Verstärkerbus nach Saasen einzusetzen«



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Artikel vom 27.08.2009 - 20.36 Uhr
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