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Bitteres Ende einer Grünberger Traditionsfirma

Artikel vom 03.11.2009 - 23.55 Uhr

Bitteres Ende einer Grünberger Traditionsfirma

Grünberg (tb). Auffällig viele Firmenwagen mit Anhänger auf dem Parkplatz, Pritschen diverser Handwerksbetriebe, der Neun-Sitzer mit dem Aufkleber eines Busunternehmens an der Tür - alles untrügliche Zeichen dafür, dass am Dienstag zur Mittagszeit das Ende eines Grünberger Traditionsunternehmens eingeläutet wurde: Versteigerung!
Vor der Versteigerung des Vermögens des insolventen Grünberger Busunternehmens Eise in der Gallushalle: Interessenten besichtige
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Vor der Versteigerung des Vermögens des insolventen Grünberger Busunternehmens Eise in der Gallushalle: Interessenten besichtigen das Angebot auf dem Betriebsgelände. (Foto: sc)
Grünberg (tb). Auffällig viele Firmenwagen mit Anhänger auf dem Parkplatz, Pritschen diverser Handwerksbetriebe, der Neun-Sitzer mit dem Aufkleber eines Busunternehmens an der Tür - alles untrügliche Zeichen dafür, dass am Dienstag zur Mittagszeit das Ende eines Grünberger Traditionsunternehmens eingeläutet wird: In der Gallushalle kam das gesamte Betriebsvermögen der insolventen »Eise Omnibusverkehr GmbH« unter den Hammer. Nicht nur für acht Busse, zwei Pkw und ein Motorrad, sondern für die komplette Werkstatt- und Büroeinrichtung wurden in den folgenden zwei Stunden Interessenten gesucht. Ferner im Angebot diverse Ersatzteile, Reifen, Industriesauger, zudem eine Tischkreissäge und Kühlschränke. Weiter ein Esstisch, oval, inklusive sechs Besucherstühle in Holz, Stoffbezug beigefarben. Wie für andere Versteigerungen von »Firmennachlässen« galt auch hier: hohe Zeit für »Schnäppchenjäger«. Zumindest in Teilen, manchmal wohl auch nur gefühlt, gibt’s doch bei Versteigerungen keinerlei Gewährleistung. Wenn etwa der Fahrscheindrucker nach einer Woche den Geist aufgeben sollte: Pech gehabt!

Wie von der »Allgemeinen Zeitung« am 5. Oktober berichtet, resultierte die Zahlungsunfähigkeit vor allem daraus, dass Eise im August 2008 die Ausschreibung des »Linienbündels Grünberg« verloren hatte, der Zuschlag an einen öffentlich subventionierten Mitbewerber (»HLB«) gegangen war. So sah es nicht nur Geschäftsführer Jung, sondern auch Insolvenzverwalter Dr. Jörg Dauernheim.

Das bittere Ende einer über 50-jährigen Firmengeschichte manifestierte sich nun auf zwei eng bedruckten Seiten des Auktionskataloges. Über 180 Positionen umfasste das Angebot, reichte vom etwas betagen Tintenstrahldrucker »HP Deskjet 840 C« - wohl ein »Gerät der ersten Generation«, wie Auktionator Michael Rink vermutete - bis zum gerade acht Jahre alten Omnibus »Setra-S315 NV« mit allerdings 723 725 Kilometern auf dem Tacho. Dem Niederflurbus kam bei einem Ausrufpreis von 35 000 Euro das Prädikat »hochpreisigstes Objekt« zu. Der 48-Sitzer ging - zur Freude des Auktionators, der Carus Deutschland GmbH, wie wohl auch der Banken - für 37 000 Euro an einen neuen Besitzer. Anders der »Deskjet«: Obgleich er nur einen Euro kosten sollte, reckte sich für ihn keine einzige Bieterhand. Klar, die teuersten Objekte waren das fahrbare Inventar des Unternehmens, das in den 1950er Jahren an seinem Stammsitz in der Neustadt begonnen hatte und für das mit der Zeit vor allem der Stadt- und der Schulbusverkehr in Grünberg das Standbein werden sollte. Auf rund 70 Prozent hatte Jung den Umsatzrückgang beziffert, der 2008 mit dem Verlust der »Linienbündels« an die »HLB« einhergegangen war.

Anders als der hochpreisige »Setra-S315«, stießen die anderen Omnibusse gestern auf weniger Interesse: Etwa die beiden Überlandbusse aus dem Hause »MAN«. Obwohl der Ausrufpreis nur 1000 und 2200 Euro betrug, wartete Auktionator Rink vergebens auf Gebote der gut 50 Männer und zwei Frauen im Kleinen Saal der Gallushalle. »Sie mögen wohl keine MAN-Busse«, scherzte der Mann mit dem Hammer.

Das war’s wohl weniger. Vielmehr dürften das Alter von jeweils 22 Jahren und andere technische Grunddaten eine Rolle gespielt haben. Die räumte Rink ein: »Getriebeschaden - okay, aber braucht man bei einem Bus überhaupt ein Getriebe? Dafür sind die Reifen fast neu.« Überzeugend ist anders. Kein einziges Gebot, die MAN-Busse bleiben folglich vorerst auf dem Betriebshof im Industriegebiet. Für drei Busse musste der Auktionator eine Einschränkung vorwegschicken: »Den Zuschlag können wir nur unter Vorbehalt erteilen. Da gibt es noch etwas Gezerre mit der Bank.«



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Artikel vom 03.11.2009 - 23.55 Uhr
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