Grünberg (sha). Waranaku, ein Indianer vom Stamme der Awetí in Brasilien, war zu Gast in der Theo-Koch-Dauerausstellung im Grünberger Spitalmuseum.
Dr. Drude links (hinten) und Waranaku (2. von links vorne) mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern Helga Reuhl (links), Margot Schäfer (rechts) und Günther Siek (2. von rechts) in der Theo-Koch-Ausstellung im Spitalmuseum. (Foto: sha)
»Optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass infolge des Anpassungsdrucks durch die Globalisierung von derzeit weltweit 6000 Sprachen zum Ende des Jahrhunderts noch 800 existieren werden«, sagte Dr. Sebastian Drude, Sprachforscher an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der am Mittwoch mit Waranaku, einem Indianer vom Stamm der Awetí in Brasilien, die Dauerausstellung zu Ehren Theodor Kochs besuchte.
Der in Grünberg geborene Anthropologe Koch hatte Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Expeditionen nach Südamerika unternommen, unter anderem auch in das Quellgebiet des Xingu-Flusses am Südrand des Amazonas, wo der Stamm der Awetí beheimatet ist. Waranaku, von einer Nichtregierungsorganisation in Brasilien zum Dorflehrer ausgebildet, bringt den Kindern in seinem Dorf das Lesen und Schreiben in Portugiesisch sowie das Rechnen bei. Die Muttersprache der Kinder sei aber das Awetí, betonte Waranaku. Portugiesisch lernten sie erst in der Schule. Dem Stamm der Awetí gehören rund 180 Mitglieder an, die in zwei Dörfern leben, schilderte Waranaku.
Drude, befasst mit der Dokumentation des Awetí, erläuterte, dass diese indigene Sprache nicht zwischen Vor- und Nachnamen unterscheide, Awetí diene daher als Familienname. In Europa werden Drude und Waranaku unter anderem das Dokumentationszentrum für bedrohte Sprachen (DOBES) in Nijmegen besuchen.