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25.08.2010 - 21.04 Uhr
Auf Grünbergs Friedhof bald »Memoriam-Garten«?
Grünberg (gro). Um eine weitere Variante der bestehenden Bestattungskultur aufzuzeigen, hatte der Sozial- und Kulturausschuss die Grünberger Friedhofsgärtnerin Iris Wolf eingeladen. Ihr zur Seite standen auf der Sitzung am Dienstag Oliver Müller (»Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thüringen«) sowie der Vorsitzende des Bundes deutscher Friedhofsgärtner, Lüder Nockmann.
In seinem Vortrag stellte Müller diverse Gestaltungsformen von Gemeinschaftsgrabanlagen, -grabfeldern und »Memoriam-Gärten« vor; allesamt nach einheitlichen Grundsätzen gestaltete Anlagen. Dauergrabpflege sei nicht nur ein Alternativangebot für die Bürger, sondern etwa auch für Friedhofsverwaltungen oder -Gärtner zu den aktuell diskutierten Rasengräbern, gerade wenn Hinterbliebene fehlen, die die Grabpflege übernehmen, so Bürgermeister Frank Ide.
Aus Müllers Erfahrung treffe man mit der Gestaltung herkömmlicher Grabstellen für Feuer- und Urnenbestattung nicht mehr »den Geschmack der Leute«. In den neuen Grabfeldern sieht er eine Attraktivitätssteigerung des Friedhofs, die keine Satzungsänderung erfordere und bei kleinen Anlagen einfach umsetzbar seien. Traditionelle Gräber würden zurückgedrängt. Die Anlagen würden individuell gestaltet und den Gegebenheiten des jeweiligen Geländes angepasst. Mit einer fertig gestalteten Anlage träte die Treuhandstelle mit Gärtnern und Steinmetzen in Vorleistung. Wer sich für einen Platz in einer solchen Anlage entscheidet, schließt mit der Treuhandstelle einen Vertrag ab und erhält laut Oliver Müller dafür »ein gepflegtes Grab zu günstigen Konditionen und einen festen Ort der Trauer«.
»Wie ein letzter Garten«
Und die Kosten? Die richten sich nach der Laufzeit des Vertrags und dem gewünschten Leistungsumfang, wie etwa städtischen Gebühren, Kosten für Kremation, Grabmal, Grabpflege und Abräumen. So habe der Kunde die Möglichkeit schon zu Lebzeiten Vereinbarungen zu treffen und erhalte damit Sicherheit für die gesamte Ruhefrist. Bei der einheitlichen Gestaltung und Pflege könnten eigene Wünsche jedoch nur bedingt berücksichtigt werden, so Müller.
Mit den Gemeinschaftsanlagen werde auch das Problem von ungepflegten Grabstätten oder Freiflächen gelöst, die durch Rückgabe an die Stadt entstünden, ergänzte Friedhofsgärtner Lüder Nockmann. Auch sei die Integration mehrerer Bestattungsarten möglich. Man sollte die Gemeinschaftsanlagen wie einen »letzten Garten« wahrnehmen, in dem die Gräber nicht voneinander abgegrenzt seien. Nockmann verwies darauf, dass, anders als bei »Ruheforsten«, Sozialbestattungen möglich seien. Wie Friedhofsgärtnerin Wolf feststellte, habe man schon nach einem geeigneten Gelände Ausschau gehalten, die Fläche auf dem neuen Friedhof, vor der Kapelle, böte sich an. Die meisten Ausschussmitglieder hatten Gestaltungsbeispiele von Gemeinschaftsanlagen auf der Landesgartenschau gesehen und lobten die Alternative zu herkömmlichen Bestattungen als »Erweiterung der Vielfalt« (Ewert, Grüne) oder »sinnvoll« (Helga Nerlich, CDU). Claudia Wolf (SPD) wies auch auf die Vorteile für die Kommune hin, die geringere Flächen zu pflegen hätten.
Die auf der letzten Sitzung des Finanzausschusses beantragte Änderung in Sachen Rasengräber wurde vom Sozialausschuss zur Kenntnis genommen und zur Entscheidung wieder an den HFA verwiesen. Danach sollen die in den Boden eingelassenen Granitplatten, die über der Öffnung der Urnengräber (30 cm Durchmesser) verlegt werden, eine Größe von 50 mal 40 cm und die Bronzeplatte mit Namen und Daten des Verstorbenen die Maße 20 mal 15 cm haben.
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