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Abneigung gegen jegliche Form von Langeweile

Artikel vom 27.07.2008 - 20.40 Uhr

Abneigung gegen jegliche Form von Langeweile

Grünberg (gbp). Hochbegabte Kinder konnten eine Woche lang bei der "Experimenta" in Grünberg ausgiebig forschen.
Mit Hilfe des Mikroskops sollten die Kinder einen Kriminalfall lösen.
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Mit Hilfe des Mikroskops sollten die Kinder einen Kriminalfall lösen.
Wie geht man auf zwei vier, sechs oder gar acht Beinen? Wie fliegen Vögel, wie Insekten? Wie schwimmen Fische? Wie krabbeln Insekten? Kann die Technik hieraus lernen? Diesen und ähnlichen Fragen gingen vergangene Woche 30 hochbegabte Jungen und Mädchen im Alter von neun bis 13 Jahren in einer Ferienakademie des Landes Hessen in Grünberg nach. »Zu Lande, zu Wasser und in der Luft - das große Krabbeln« war Thema der »Experimenta«, die von der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Kultusministerium veranstaltet und von der Karg-Stiftung unterstützt wurde.

Die DGhK bietet die »Experimenta« seit mehreren Jahren an, erstmals wurden die Kinder neben vier Betreuern und Betreuerinnen zusätzlich von zwei Lehramtsreferendarinnen des Studienseminars Friedberg begleitet, wo ein Modul zum Thema Hochbegabung angeboten wird. Fünf Tage lang beschäftigten sich die Kinder nicht nur intensiv mit Biologie, sondern gingen auch Fragen nach wie »Auf welche Weise arbeiten Gruppen?«, »Welche Mutprobe stehe ich durch?« und »Wieso ist Teamwork eine Supererfahrung?«.

Ziel der Ferienakademie ist die Verbindung von Förderung sozialen Lernens und kognitiven Inhalten in einer Situation, in der sich die hochbegabten Kinder, die in ihrem bisherigen Umfeld zuweilen als schwierig gelten, nicht als Ausnahme erleben. »Die Teamerfahrung bedeutet für einige Kinder eine neue Erfahrung, da sie bisher eher Einzelgänger waren« , heißt es in der Projektbeschreibung der DGhK, in deren Satzungspräambel steht: »Von hoch begabten Kindern wird im allgemeinen erwartet, dass sie sich ihren Anlagen gemäß ohne besondere erzieherische Maßnahmen entfalten. Eine solche Erwartung ist indessen in der Regel nicht gerechtfertigt (...) Die Förderung von hoch begabten Kindern soll bewirken, diese unabhängig von ihrer Herkunft und ihren eigenen Zielen in ihrer Individualität zu stärken und sie als psychisch stabile Individuen in die Gesellschaft zu integrieren, um sich deren Aufgaben und Verantwortungen verpflichtet zu fühlen...«

In kleinen Gruppen hatten die 20 Jungen und zehn Mädchen Präsentationen der verschiedenen Projekte erarbeitet und stellten so ihre Erlebnisse und Erfahrungen am Samstag Vormittag im Garten des Grünberger Seminarhotels »Jacobsberg« vor ihren Eltern vor. Überaus erfrischend war der ausgeprägte Sinn für Humor, Situationskomik und Ironie der Kinder und ihre offensichtliche Abneigung gegen jegliche Langeweile. So hatte die Gruppe, die das Waldprogramm präsentierte, Blätter mit richtigen und falschen Aussagen für ein Quiz vorbereitet und tat schon mal Sätze wie »Man muss leise sein« oder »Man darf keinen Müll wegwerfen« schlichtweg als »langweilig« ab. Mehr Spaß bereiteten ihre erfunden Falschaussagen wie »Man soll den Wald abholzen und Möbel draus bauen« oder »Möglichst viel mit dem Auto rumfahren damit sich das Co2 besser verteilt«. Und sie reagierten auf - zuweilen provokante - Fragen ihrer Eltern mit Schlagfertigkeit: Auf die Bemerkung »Ich dachte, man darf im Wald keine Pflanzen ausreißen«, entgegnete der achtjährige Jasper knapp und selbstbewusst: »Doch, wir schon«. Nicht nur den Wald, auch den Lebensraum Wiese hatten die Kinder untersucht, Pflanzen bestimmt und gezeichnet. Mit dem Mikroskop galt es einen Kriminalfall anhand von Haaranalysen zu lösen, viele Aufgaben waren in Team- und Bewegungsspiele verpackt wie das »Osterorkspiel« und die Olympiade. Großen Eindruck hatte offenbar der Besuch des Hochseilgartens gemacht, der Auftaktveranstaltung der Woche war, die Kinder mit ihrer Angst und ihrem Mut konfrontierte und dem gegenseitigen Vertrauen, Kennenlernen und der Teambildung diente. Nach der Präsentation gab es ein Zertifikat und eine CD mit Erinnerungsfotos für alle. Begeistert von der Woche waren auch die beiden Referendarinnen Corina Stieler und Inka Dämges, die die Kinder durch die gesamte Woche begleitet hatten. »Wir waren überrascht, wie diszipliniert die Kinder waren und wie harmonisch und sozial sie miteinander umgingen.« Auch der Wissensdurst hatte die Referendarinnen beeindruckt. »Die haben am Montag schon gefragt, wann endlich das Bioprogramm losgeht.«

»Das hat ganz viel Spaß gemacht!« Darüber sind sich der achtjährige Jasper, der zum ersten Mal mit dabei war, der zehnjährige Paul, der elfjährige Marc und Corinna, die in der »Experimenta«-Woche ihren elften Geburtstag feierte, einig. »Nur das Frühstück war ein bisschen früh.« Was ihnen denn am besten gefallen habe? »Am besten war alles!«, sagt Corinna. »Nee«, sagt Paul. »Am besten war die Disco.« Und die vier stimmen lauthals und begeistert das Lied vom roten Pferd an.

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Artikel vom 27.07.2008 - 20.40 Uhr
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