Zeitzeugenbericht zum Zarenbesuch: »...einmal kam der Moment des Schreckens«
Der heiße trockene Sommer dieses Jahres hatte etwas für die Vermehrung der Mäuse getan... Wir waren alle auf der Wiese und jagten Mäuse, fingen sie, zum Vergnügen unserer herrschaftlichen Gäste. Die zwei hessischen Prinzen waren ganz wild beim Spiel der Jagd. Die Mäuse ... quietschten vor Angst, die Prinzen schrien vor Freude, und nach und nach wurde unser kleiner Zarewitsch - ängstlich wie er war - von der Aufregung angesteckt und bat seinen Seemann, ihn herunterzulassen. Er mochte gewünscht haben, eine Maus zu fangen oder vielleicht zu halten und sie ein wenig zu streicheln.
Aber kaum hatten seine Füße den Boden berührt, als seine zwei Cousins wie auf Kommando nach ihm griffen und jeder von ihnen eine sich windende Maus in seinen Kragen und in die Taschen seiner Jacken steckte. Er gab einen unheimlichen Schreckensschrei von sich, erschüttert durch die Berührung der zappelnden Wesen, und schreiend versuchte er, auf seinen Seemann zu klettern. Ich sah den Matrosen ihn von seinen Quälgeistern wegnehmen und hochheben auf die sicheren Schultern, außerhalb ihrer Reichweite. Und die ganze Zeit heulten und tanzten die Prinzen um ihn herum vor Freude...«
*
Aus: Hans-Helmut Hoos (Herausgeber) »Scherben der Erinnerung Memoiren des Wetterauer Juden Heinrich Buxbaum«, Friedberg/H. 1994 S. 201-206, Auszüge.