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Von Bombenanschlägen und WZ-Geschichte

Artikel vom 25.01.2012 - 16.04 Uhr

Von Bombenanschlägen und WZ-Geschichte

Friedberg (sda). Das Friedberger Rathaus ist zur Zielscheibe eines Bombenattentats geworden – so ähnlich jedenfalls hat es der Oberhessische Anzeiger im Jahr 1910 gemeldet. Im neuen Band der Wetterauer Geschichtsblätter beschreibt Lutz Schneider eindrücklich die Hintergründe des über 100 Jahre zurückliegenden Anschlags.

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Schaulustige vorm Rathaus nach dem Anschlag im Jahr 1910. Die Aufnahme stammt aus dem Bestand des Friedberger Stadtarchivs.
Zur Vorstellung des 59. Bandes kamen am Montag vier der Autoren zusammen und präsentierten ihre Beiträge und erläuterten ihr Zustandekommen.

Die Themenauswahl ist umfangreich: Die Geschichte der WZ, die Umzüge der Bad Nauheimer Stadtverordnetenversammlung, aber auch dunkle Kapitel der Friedberger Stadtgeschichte sind in dem Band enthalten. Auf 280 Seiten werden die Ereignisse geschildert und mit historischen Illustrationen veranschaulicht. Zwar erhebe der Verein den Anspruch, wissenschaftlich genau zu dokumentieren, dennoch seien die Texte spannend und lebhaft verfasst, sagte der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Lothar Kreuzer. Und genau das zeichnet den Band aus: Die Beiträge gehen über allgemeine historische Schilderungen hinaus.

Das zeigt sich schon im ersten Beitrag von Lutz Schneider, dem Schriftführer des Vereins, zum Friedberger »Bombenbankraub«: Hintergründe zu den beiden Tätern, die Reaktion der Bürger und der Umgang in der Presse mit dem Thema werden lebensnah geschildert. So erfährt man, dass sich die beiden Täter im Gefängnis kennengelernt hatten und sogar der Sultan von Sansibar zu den Schaulustigen gehörte, die mit dem Auto am zerbombten Rathaus vorbeifuhren.

Einen Beitrag zur Bad Nauheimer Stadtgeschichte liefert Stadtverordnetenvorsteher Prof. Dr. Friedrich-Karl Feyerabend: Er nimmt die Tagungsorte des Stadtparlaments ab 1903 in den Blick. Auf zehn Seiten erfährt der Leser, wie die ersten 15 Stadtverordneten im Alten Rathaus tagten und wieso das Sportheim nicht der ideale Ort war, um politische Entscheidungen zu treffen.

Der umfangreichste Beitrag stammt von WZ-Redakteur Jürgen Wagner. In seinem Aufsatz »Vom Intelligenzblatt zur Wetterauer Zeitung« widmet er sich der Geschichte seines Arbeitsplatzes. Anlässlich des 175-jährigen Bestehens der Zeitung hatte Wagner bereits 49 Folgen in der WZ veröffentlicht. Eine überarbeitete Version ist nun zusammengefasst in dem neuen Band zu lesen. Wagner zeigt anhand anschaulicher Beispiele, wie sich die Zeitung in all den Jahren gewandelt hat. Aber nicht nur historische Ereignisse stehen im Fokus: Auch die Veränderung der journalistischen Darstellungsweise belegt der Autor durch zahlreiche Quellen. Von der Entstehung über die Revolution 1848 bis hin zu den Bad Nauheimer Weihnachtsrandalen im Jahre 2006 nimmt er die Berichterstattung unter die Lupe. Dabei scheut er nicht davor zurück, auch die dunklen Kapitel des Blatts ans Licht zu bringen, wie die Zuwendung zum Naziregime. »Bei der Recherche bin ich auf Dinge gestoßen, die heute unvorstellbar sind«, sagt Wagner. So seien die Gäste eines Empfangs beim Kreisrat über mehrere Seiten aufgezählt worden. »Aber die Zeitung hat sich in den letzten 40 Jahren enorm gewandelt«, weiß der Redakteur.



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