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»Sensationelle Funde« in Buchform präsentiert

Artikel vom 07.09.2010 - 22.30 Uhr

»Sensationelle Funde« in Buchform präsentiert

Friedberg (gk). »Der Wert dieser Funde ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.« So bewertet Andreas Lehnardt, Professor für Judaistik an der Universität Mainz, die von ihm und seiner Mitarbeiterin Margaretha Boockmann von der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg seit September 2006 zutage geförderten 130 hebräischen Handschriftenfragmente im Stadtarchiv Friedberg.
Prof. Andreas Lenhardt bei seinen Ausführung im Stadtarchiv.
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Prof. Andreas Lenhardt bei seinen Ausführung im Stadtarchiv.
Die ältesten dieser Texte reichen bis in die Zeit der ersten Friedberger Judengemeinde vor 1300 zurück - das sei »sensationell«. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag im Stadtarchiv anlässlich des Erscheinens von Band 58 der »Wetterauer Geschichtsblätter gab Lehnardt einen spannenden Einblick in seine jahrelangen Recherchen.

In einem über 200-seitigen Aufsatz des neuen Bandes hat er die meisten Funde dokumentiert, übersetzt und kommentiert. Es war zwar bereits seit 1965 bekannt, dass Fragmente hebräischer Schriften als Makulatur für Buchdeckel und Akteneinbände benutzt wurden - und dies fast überall dort, wo es jüdische Gemeinden gab. Aber erst die mehrjährige mühevolle Kleinarbeit der beiden Wissenschaftler hat den großen Umfang dieser »zweckentfremdeten« jüdischen Texte meist religiösen Inhalts (Teile von Gebetbüchern, Torarollen etc.) gerade in Friedberg nachgewiesen. »Das Stadtarchiv besitzt einen der größten Bestände hebräischer Einbandfragmente in Deutschland«, sagte Lehnardt.

Aber wie kam der Rat der Stadt Friedberg (vor allem während des Dreißigjährigen Krieges) in den Besitz dieser jüdischen Handschriften, um nichts Besseres damit anzustellen, als Aktendeckel einzubinden? Dies könne - zumindest teilweise - nur durch Anwendung von Zwang oder Gewalt gegen ihre Besitzer geschehen sein. Eine jüdische Gemeinde würde, so Lehnardt, beispielsweise eine Tora-Handschrift nie freiwillig verkaufen oder verschenken. Die Tora (Fünf Bücher Mose) gilt dem Judentum als heiliger Text. Es sei nur zu ahnen, mit wie viel Leid dieser unfreiwillige »Texttransfer« von jüdischer in christliche Hand verbunden gewesen sein muss. Für ihn als Forscher seien diese Entdeckungen freilich ein Glücksfall - ließen sie doch wertvolle Rückschlüsse auf die Handschriftenbestände des deutschen Judentums vor allem in der Zeit zwischen 1300 und 1600 zu.

Auch im Archiv der Grafen von Solms-Laubach sowie im Hauptstaatsarchiv Darmstadt ist Lehnardt auf ähnliche Funde, wenn auch in erheblich geringerer Zahl, gestoßen. Seine Recherchen im Wetterauer Raum werde er fortsetzen, sagte der Wissenschaftler am Ende seiner Ausführungen.

Der neue Band der Wetterauer Geschichtsblätter im Umfang von 370 Seiten (Preis: 29,80 Euro) ist dem langjährigen Vorsitzenden und jetzigen Ehrenvorsitzenden des Friedberger Geschichtsvereins, Hans Wolf, gewidmet. Über den langen Zeitraum von 27 Jahren hinweg habe er den Verein durch Exkursionen, wissenschaftliche Beiträge, Ausstellungen und nicht zuletzt durch die Herausgeberschaft der Geschichtsblätter vorbildlich geleitet, sagte der jetzige Vorsitzende Lothar Kreuzer. Zum aktuellen Band hat Hans Wolf einen 50-seitigen Aufsatz »200 Jahre Burgkirche« beigesteuert. Archivleiter Lutz Schneider dankte allen Autoren für ihre Beiträge und Lothar Kreuzer für die Redaktion des Bandes.

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Artikel vom 07.09.2010 - 22.30 Uhr
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