Friedberg (caj). Sie lauern hinter hohen Hecken oder Mauern, über ihre Bilder freuen sich die Wenigsten, und ihre Arbeit birgt einige Unannehmlichkeiten: Ralf Köhl und Jürgen Götz sind Ordnungspolizeibeamte. Ihr tägliches Ziel: Temposündern auf die Schliche zu kommen, um die Straßen Friedbergs ein Stück weit sicherer zu machen.
Der silberne Mercedes-Van durchquert Fauerbach und biegt in den Friedhofseingang ab. Gemütlich laden die beiden Verkehrswächter die rund 60 000 Euro teure Blitzanlage aus. Anstelle von Rücksitzen bietet das Bus-Innere ein voll ausgestattetes Büro mit Schreibtisch, Regalen und Touchscreen-Computer. Auf dem Drehstuhl nimmt heute Köhl Platz, er sei diese Woche »Messführer, also Chefe«, während Götz vom Fahrersitz die Ausstattung bewacht. Denn das teure Stück Technik, das von der Firma Eso aus Waldesch stammt und weltweit vertrieben wird, sei nicht selten Opfer gewalttätiger Attacken.
»Oben beim Grünen Weg haben zwei Besoffene in das Gerät getreten. Das war ziemlich früh morgens«, erzählt Götz. Daraufhin hätten die beiden Männer versucht zu flüchten, nicht ahnend, dass die Ordnungshüter in der Nähe lauerten. »Wir haben sie gestellt und die Personalien aufgenommen«, sagt Götz.
Der Aufbau dauert einige Minuten. Mit einer Wasserwaage bestimmt Götz die genaue Neigung des Sensors, dessen »vier sehende Augen« auf die Mitte der Fahrzeuge gerichtet werden. »Der Sensor ist das Herzstück der Anlage. Hier wird die Geschwindigkeit gemessen«, erklärt der Beamte. Per Funksignal werden die Daten an die Kamera übermittelt, Sekunden später folgt der grelle Blitz. Das Gerät muss manuell eingestellt werden und ist laut Köhl extrem effizient. Fehlmeldungen gibt es keine. Wenn ein Bild nicht scharf ist, speichert die Kamera es gar nicht erst.
Gesicht und Nummer müssen erkennbar sein
Schlupflöcher, um der ungeliebten Fotografie zu entwischen, gibt es trotzdem: Zwar könnten die Sensoren Fahrzeuge mit bis zu 299 km/h Geschwindigkeit erfassen, doch sei schon bei 150 km/h die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Bild verwischt ist. »Gesicht und Nummer müssen erkennbar sein, sonst werten wir Fotos gar nicht erst aus«, erzählt Köhl. Wer also drei Wochen nach dem Blitzen noch kein Knöllchen im Briefkasten gefunden hat, ist vermutlich glimpflich davongekommen. Ein Grund für ein unbrauchbares Foto können auch Passanten im Bild sein.
»Piiip« - »Jetzt hat’s geblitzt«, sagt Götz. Sein Kollege erläutert: »Das waren 61 km/h. Abzüglich 3 km/h Toleranz waren das 8 km/h zu viel - das macht 15 Euro.« Seinen persönlichen Blitzrekord verzeichnete Köhl am Burgfeld. In der 50er-Zone sei ein Pkw mit 125 km/h vorbeigesaust. 75 km/h zu schnell - das bedeutet: 680 Euro Geldbuße, vier Punkte, drei Monate Fahrverbot.