Bekommen die Beamten den Ärger der Geblitzen manchmal zu spüren? Obwohl die positive Resonanz überwiege, habe es schon unangenehme Situationen gegeben. »Abzocker« sei die gängige Anrede von verärgerten Geschwindigkeitssündern, die sich die Mühe machen anzuhalten. »Warum steht ihr hier um diese Uhrzeit?«, wird meist in aggressivem Ton gefragt. Dazu Köhl: »Erstens setzt die Uhrzeit das Verkehrsrecht nicht außer Kraft, und zweitens ist Abzocken nicht unser Ding. Wir sorgen für mehr Verkehrssicherheit.« Für den Fall, dass doch einmal jemand rabiat werden sollte, »haben wir immer den unmittelbaren Zwang, also Pfefferspray und Handschellen dabei«, sagt Götz. Glücklicherweise habe er diese noch nie einsetzen müssen.
Täglich kämen Anfragen von Anliegern, die darum bitten, ihre Gegend von Temposündern zu befreien. Götz: »Das können wir gar nicht alles unter einen Hut bringen.« Wenn die Beamten doch mal Zeit finden, ein Wohngebiet zu besuchen, würden oft diejenigen geblitzt, die sich zuvor bei ihnen beschwert hätten. »Das ist schon amüsant«, sagen die Verkehrswächter. »Meistens sind wir rund um Schulen und Kindergärten im Einsatz«, erzählt Götz. An diesen Orten seien sie gern gesehene Gäste. Die Kinder dürften in den Bus reingucken, eine Polizeimütze anprobieren oder die Handschellen begutachten. »Wir zeigen viel Bürgernähe«, sagt Köhl. Ein offenes Ohr zu haben, gerade für ältere Menschen - das gehöre zum öffentlichen Dienst dazu.
Für einen guten Scherz ist das Zweier-Team jederzeit zu haben. Ihren Einsatz in einer 30er-Zone habe zum Beispiel eine Gruppe Jugendlicher als Herausforderung auf zwei Rädern betrachtet. In Kostümen seien sie immer wieder vorbeigeradelt, jedes Mal ein bisschen schneller. »Irgendwann haben wir gemerkt, dass sie das mit Absicht machen, und haben sie angefeuert: ›Ihr müsst euch noch anstrengen, 36, 38, noch 2 km/h schneller‹, riefen wir den jungen Leuten zu.« Tatsächlich hätten zwei Radler es geschafft, die 39-km/h-Grenze zu überschreiten. Köhl lacht: »Die Fotos haben wir ihnen danach vorbeigebracht, die haben sich gefreut.«
»Nichts Besonders passiert«
Die Bilanz der dreistündigen Blitzaktion in Fauerbach: 353 Durchfahrende in Richtung Ossenheim, 223 in Richtung Friedberg, elf Geschwindigkeits-Überschreitungen mit einem Höchstwert von 67 km/h. »Nichts Besonderes passiert«, resümiert Götz.
Nächste Woche sind die Ferien vorbei. Mit dem Schulbeginn geht’s zurück an die üblichen Einsatzorte. Zusammen mit der Polizei planen die Verkehrswächter eine Aktion, in der Geblitzte angehalten und auch für andere Verkehrswidrigkeiten wie Telefonieren am Steuer oder Fahren ohne Gurt zur Rechenschaft gezogen werden.