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Mit Alu-Hut gegen den Quer-Denken-Wahnsinn

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Artikel vom 02.11.2015 - 19.00 Uhr

Mit Alu-Hut gegen den Quer-Denken-Wahnsinn

Friedberg (jw). Sind Verschwörungstheorien am Ende nur so zu ertragen: Mit einem Alu-Hut auf dem Kopf, der vor kosmischen Strahlen und wirren Gedanken schützt? Rund 200 Wetterauer haben am Wochenende friedlich, humorvoll und mit ernsten Worten gegen den »Quer-Denken-Kongress« in der Friedberger Stadthalle demonstriert.

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Rund 200 Demonstranten gehen gegen die Quer-Denker auf die Straße.
© Jürgen Wagner
Das sei richtig, dass die Presse draußen bleibe, sagt ein Mann aus Aschaffenburg. Und Rechtsextreme seien auch keine da. Aber was ist mit dem Organisator Dr. Michael Vogt, der die »Abschaffung des Parteienstaates« fordert? Ist das nicht verfassungsfeindlich? »Nein«, meint ein Mann aus Dresden. »Sehe ich anders.« Zuckt mit der Schulter und geht.

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Vor der Friedberger Stadthalle marschieren am Samstagmorgen keine paramilitärischen Einheiten auf, und es ist auch niemand mit dem Ufo angereist. Die Teilnehmer sehen auch ganz normal aus, lassen sich aber nicht in die Karten blicken. Die Quer-Denker bleiben lieber unter sich. Und nur die wenigstens von ihnen kriegen gegen halb Elf mit, dass vor der Stadthalle demonstriert wird. »Drinnen hört man davon nichts«, sagt ein Security-Mann.

Die Demonstranten sind lauter. Mit Trillerpfeifen und Punk-Musik ziehen sie vom Bahnhof zur Stadthalle. Andreas Balser von der Antifa-BI, die das »Bündnis gegen geistige Brandstiftung« initiiert hat, ist zufrieden mit dem Zuspruch. »200 Leute? Mehr haben wir nicht erwartet.« Alles ist friedlich, nur ab und zu skandiert ein schwarzes Blöckchen »Hoch! die! anti-nationale! Solidarität!« Friedberg im Ausnahmezuständchen.

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Mitglieder der Partei »Die Partei« nehmen’s satirisch, setzen Alu-Hüte auf und machen verschwörerische Zeichen.
© Jürgen Wagner
Auf dem Europaplatz und vor der Stadthalle werden Reden gehalten. Als Demokrat dürfe man »nicht einfach zuschauen, wenn rechtsradikales Gedankengut nach Friedberg kommt und versucht wird, es in die Gesellschaft einzuschmuggeln«, sagt Sozialdezernent Helmut Betschel (Grüne). »Da leisten wir Widerstand.« Jan Steffen von der satirischen Partei »Die Partei« verteilt den neuesten Schrei der Esoterik-Szene: Alu-Hüte gegen »wirres Denken«. Vermutlich schützen sie auch gegen die Kondensstreifen am Himmel, die in Wirklichkeit Gift enthalten, das die Weltregierung zur Gedankenkontrolle versprüht. Ernst oder Satire? Man weiß es nicht so genau, vermutlich beides.

In der Stadthalle versammle sich ein »gefährlicher Mix aus rechtsextremer Ideologie, klassischem Rechtspopulismus und weltfremden Verschwörungstheorien«, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl. Der Organisator verkläre Rudolf Hess als Kämpfer für den Frieden und hetze offen gegen die parlamentarische Demokratie. Nicht weniger harmlos sei, dass beim Kongress »allerlei unnützes Zeug als vermeintliche Heilbringer verkauft werden«. Andreas Balser tritt dem Vorwurf entgegen, das Bündnis übertreibe. Er verweist auf Vogts Internetseite, wo ein Video mit dem Titel »Das Merkel-Regime muss gestürzt werden!« verbreitet wird. »So reden keine Demokraten.« Die Antifa verteidigt Merkel. Das gibt es auch nicht alle Tage.



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Artikel vom 02.11.2015 - 19.00 Uhr
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