Metzgermeister wartet seit 14 Jahren auf die neue Straße
Friedberg
(har/jw). Frank Herold wartet. Aber es tut sich nichts. Seit 14 Jahren lebt der Fauerbacher Metzgermeister im Ungewissen. Muss er große Teile seiner Metzgerei abreißen lassen?
Frank Herold mit den Bauplänen, die er vor vier Jahren in Auftrag gegeben hat. (Foto: har)
Soll er im Gewerbegebiet West ein neues Schlachthaus bauen? Antworten gibt es erst, wenn die Planungen für die Ortsumgehung Fauerbach beschlossen sind. »Es tut sich nichts«, sagt Herold. Wann und ob die Pläne für die 1,05 Kilometer lange Neubaustrecke überhaupt umgesetzt werden, würde Herold gerne wissen. »Ich bin bereit umzubauen. Aber keiner sagt mir etwas.«
Kommt die neue Straße, die den Ortskern vom Autoverkehr entlasten soll, müssten das Haupthaus der 1900 von Herolds Urgroßvater gegründeten Metzgerei und die dahinter liegende Schlachterei abgerissen werden. Beide Gebäude müssten dem geplanten Kreisel an der Ecke Fritz-Reuter-Straße, Fauerbacher Straße und Am Kindergarten weichen. Nur der Anbau, in dem sich der Verkaufsraum befindet, wäre nicht betroffen.
Könnte, müsste, würde – seit Jahren geht das so. 1998 wurde mit den ersten Planungen begonnen, die Stadt verhängte für das Gebäudeensemble eine Veränderungssperre. Damals hatte Herold einen Bauantrag eingereicht und Pläne für einen Umbau vorgelegt. »Sämtliche Kosten für Architekten und Statiker waren umsonst«, sagt der Handwerksmeister. Jahrelang tat sich dann nichts, bis vor vier Jahren. Da habe das mit der Planung befasste Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) in Schotten (seit 1. Januar einer der Standorte des neu benannten Straßen- und Verkehrsmanagements »Hessen Mobil«) von Herold eine aktuelle Planung verlangt, um die Kosten ermitteln zu können.
Herold suchte ein Architekturbüro, dass sich mit der Planung von Metzgereien beschäftigt. Wieder trat er in Vorkasse, ein Stuttgarter Büro erstellte einen neuen Plan, »denn ich kann ja nach einem Abriss den Verkaufspavillon nicht einfach so stehen lassen«. Herold plant außerdem zusätzliche Parkplätze im Hof. »Immerhin habe ich vom ASV diese Kosten erstattet bekommen«, erzählt der Metzgermeister. Vor drei Jahren musste er noch einmal erheblich in seine Schlachterei investieren, um seit Anfang 2010 gültige neue Verordnungen zu erfüllen.
Schon 2008 hatte Herold ein Angebot der Stadt erhalten, im Gewerbegebiet West ein neues Schlachthaus zu bauen. Die Grundstücksofferte wurde im letzten Jahr erneuert. »Aber solange die Sache in der Schwebe ist, macht das Ganze doch keinen Sinn«, sagt Herold, den die Ungewissheit sichtlich nervt. Einen Hoffnungsschimmer hatte er, als die Pläne endlich offen gelegt wurden. In der Mehrzweckhalle in Bruchenbrücken traf Herold einen Straßenbau-Ingenieur vom ASV. »Der hat versprochen, vorbeizukommen und sich alles vor Ort zu betrachten. Darauf warte ich noch heute. Ich habe seitdem nichts mehr von der Straßenbaubehörde gehört.« Und deshalb muss Frank Herold weiter warten, wie schon die letzten 14 Jahre. Es klingt frustriert, wenn der 50-jährige sagt: »Ich bin ja wirklich bereit zu investieren. Aber ich werde auch nicht jünger.« Und ohne die Gewissheit, dass die Straße auch tatsächlich gebaut wird und seine Gebäude abgerissen werden müssen, kann Herold nicht den nächsten Schritt machen.
»Anhörungsverfahren nicht abgeschlossen«
Wie »Hessen Mobil« mitteilt, konnte das Anhörungsverfahren innerhalb des laufenden Planfeststellungsverfahrens noch nicht abgeschlossen werden. Aufgrund der eingebrachten Einwendungen müssten die Entwässerungsplanung überarbeitet und die Verkehrszahlen fortgeschrieben werden. »Ferner sind in Grunderwerbsangelegenheiten noch Verhandlungen fortzuführen, um private Betroffenheiten zu bewältigen.« Die Änderung der Planunterlagen ist Voraussetzung dafür, dass das Regierungspräsidium Darmstadt das Anhörungsverfahren abschließen kann.