Gefährliche Lücke - aber Bahn sieht keinen Handlungsbedarf
Friedberg (ütz). Der Fall beschäftigt Anwohner und Passanten schon seit etwa zwei Jahren und war nach besorgten Anrufen bei der WZ auch schon mehrfach Gegenstand von Betrachtungen im »Friedberger Guckkasten«: Im unteren Haingraben knickt der Bürgersteig kurz hinter der Hanauer Straße nach links Richtung Kleine Unterführung ab und führt entlang der Gleise.
Vom Bürgersteig auf die Gleise? - kein Problem. Aber die Bahn glaubt nicht, dass es sich um einen Gefahrenpunkt handelt und sieht keinen Bedarf, die Lücke zu schließen. (Foto: Nici Merz)
Als die Bahn vor zwei Jahren den Bewuchs roden ließ, offenbarten sich Reste eines Zauns, der allerdings bis auf den Boden niedergetreten und mithin als solcher nicht mehr zu bezeichnen ist. Dadurch nun tat sich eine Lücke zwischen Bürgersteig und einem der Gleise auf, das gleich neben dem Gehweg verläuft und ohne Probleme betreten werden kann - eine Gefahr für spielende Kinder, wie viele Anrufer fanden. Einer regte sich auf: »Es muss wohl erst was Schreckliches passieren, bevor die Bahn tätig wird.«
Im »Guckkasten« wies die WZ mehrfach auf die Gefahrenstelle hin, und die Reaktion der Bahn war gleich Null. Unlängst freilich erbarmte sich einer der Pressesprecher, als es in einem Gespräch mit der WZ zwar um ein anderes Thema ging, dabei aber auch die inkriminierte Lücke zur Sprache kam. Er ging in seinem Haus dem Thema nach und erfuhr Erstaunliches: Die Bahn sieht keinen Handlungsbedarf.
»Wir werden den Zaun nicht ersetzen, dazu gibt es keine Veranlassung«, sagte der Sprecher. Denn es handele sich nicht um eine »gefährliche Stelle«. Die Bahn betreibe ein Netz von 34 000 Kilometern Gleisen in Deutschland, und der größte Teil davon sei nicht eingezäunt; das sei auch politisch gar nicht gewollt. Man mache Ausnahmen, beispielsweise wenn ein Kindergarten in der Nähe ist, aber das sei hier nicht der Fall.
Es sei ferner gar nicht klar, wer vor langer Zeit den Zaun aufgestellt hat. Dies könne die Bahn, aber auch die Stadt gewesen sein.
Nach heutigen Erkenntnissen jedenfalls würde von der Bahn dort kein Zaun installiert, und das werde demnach auch jetzt nicht mehr geschehen. Man habe diesbezüglich schon mehrere Anfragen von der Stadt und von Bürgern erhalten und in diesem Sinne geantwortet.
Was spielende Kinder anbelangt, so seien - wie im Straßenverkehr - die Eltern gefordert, sie auf Gefahren an Bahnanlagen hinzuweisen. Außerdem kläre die Bundespolizei in Schulen diesbezüglich auf. Und schließlich werde die Lücke nicht ewig bleiben: »Das Grünzeug wächs ja wieder nach.«