Friedberg (ütz). Die abgeknickte Wetterfahne des Adolfsturms hält die Verwaltung der staatlichen Schlösser und Garten (Bad Homburg) in Atem. »Unsere Leute telefonieren sich die Finger wund, um eine Firma mit einem Kranwagen zu finden, der klein genug ist, um an den Turm heranfahren zu können, und hoch genug, um an die Spitze zu kommen«, berichtete der Direktor der Verwaltung, Karl Weber.
Der Adolfsturm mit abgeknickter Spitze: Wegen der engen Bögen und der beengten Platzverhältnisse am Turm ist es schwierig, einen Kran zu finden, der in 60 Meter Höhe reicht.
Auch andere Variationen wurden gestern in die Gedankenspiele eingezogen, so beispielsweise der Einsatz eines Hubschraubers, das Stellen eines Gerüsts ab dem Umgang oder gar Industriekletterer. Absehbar war indes am Spätnachmittag, dass die drei Familien, die in Häusern unterhalb des Turms wohnen und von der Friedberger Feuerwehr am Sonntagnachmittag evakuiert wurden, zumindest eine weitere Nacht bei Bekannten beziehungsweise im Hotel würden verbringen müssen.
Gestern Vormittag fand zunächst eine Ortsbesichtigung von Vertretern der Stadt mit einem Mitarbeiter der Schlösser-Verwaltung statt. Wie Direktor Weber erklärte, sei die Wetterfahne abgebrochen und liege auf dem von den vier Türmen gesäumten Umgang. Das Problem sei vor allem, dass man nicht genau wisse, wie schwer die abgeknickte Stange mit der vergoldeten Kugel ist, die noch an der Spitze hängt. Im Friedberger Ordnungsamt geht man davon aus, dass sie zwei bis drei Zentner wiegt, teilte dessen Leiter Jürgen Schlerf mit. Das enorme Gewicht mache es schwierig zu beurteilen, so Weber, ob die Spitze nur mit Muskelkraft abgenommen werden kann. Das Ziel sei es zunächst, die Stange zu sichern, abzuschneiden und zu bergen.
»Immerhin geht es um eine Höhe von 60 Metern«, sagte Weber. Daher werde auch erwogen, einen Hubschrauber oder Industriekletterer einzusetzen, falls man keinen geeigneten Kranwagen finden könne. Überlegung bei den Kletterern: Wie könnte man sie und die zentnerschwere Wetterfahnenstange ab dem Umgang bis zur zwölf Meter hohen Turmspitze sichern - zumal sich ganz oben auch einige der Steine gelockert haben und ebenfalls abgetragen werden müssen.
Ein Gerüst ab dem Umgang zu stellen und die Stange auf diese Weise herunterzunehmen, »wäre normalerweise kein Thema«, erklärte Weber. Allerdings bestehe hier ein erhebliches Sicherheitsrisiko, denn es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Stange doch noch herausbricht und in diesem Fall das Gerüst - und möglicherweise auch Leute darauf - in die Tiefe reißt. Weber: »Es ist ja durchaus möglich, dass sich die Stange noch weiter löst. Es ist ein unerfreulicher, unsicherer Zustand.«
Von dem Schadensfall sei die Schlösser-Verwaltung überrascht worden, erklärte Weber: »Wir haben durch das Sturmtief Xynthia am Sonntag zahlreiche andere Schäden an unseren Liegenschaften bekommen, aber nicht an einer Wetterfahne, die sich ja normalerweise in den Wind dreht.« Angesichts der bis dato erfolglosen Suche nach einem Kranwagen habe man den Bewohnern mitgeteilt, dass sie eine weitere Nacht auswärts verbringen müssten. Die Evakuierung werde im Einvernehmen mit der Stadt aufgehoben, sobald die Stange und die losen Steine entfernt sind.
Wie Stadtbrandinspektor Michael Stotz berichtete, wurde die Friedberger Feuerwehr gegen 15 Uhr via Leitstelle Wetterau alarmiert. In Absprache mit Bürgermeister Michael Keller, der ebenfalls vor Ort war, wurden die drei Familien evakuiert. Zwei von ihnen kamen bei Bekannten oder Nachbarn unter, eine wurde im Hotel an der Stadthalle einquartiert. Es war für die Friedberger Feuerwehr einer von rund 30 Einsätzen mit umgestürzten Bäumen, heruntergewehten Dachziegeln und abgerissenen Rollläden und Fensterläden.
Der Bereich unterhalb des Adolfsturms ist weiter mit Gittern abgesperrt; auch das Gas bleibt abgestellt, bis die Gefahr auf der Turmspitze beseitigt ist, teilte Keller mit. (Foto: nic)