Friedberg (ütz). So wie Kira Knechtel geht es derzeit vielen Autofahrern: Die 24-jährige Studentin aus Ossenheim setzte sich am Dienstag in ihr Auto, drehte den Schlüssel und es passierte – nichts. Die Diagnose war einfach: Batterie leer.
Glück gehabt: Die Batterie war leer, das Auto startete nicht. Dann kommt die WZ-Fotografin vorbei, hält an, und dank Starthilfekabel kann Kira Knechtel wieder fahren. (Foto: nic)
Die eisigen Temperaturen bringen derzeit die Stromspender reihenweise zum Erliegen, vor allem, wenn sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Auch die Dieselfahrer müssen bibbern: Bei ihren Fahrzeugen besteht die Gefahr, dass der Kraftstoff ausflockt und das Auto zwar startet, dann aber auf der Fahrt stehenbleibt. Die Folge von alledem: Pannendienste wie ADAC und Werkstätten kommen nicht mehr nach.
Kira Knechtel hatte noch Glück im Unglück. Nachdem sie schon 20 Minuten mit Warnblinkanlage am Ossenheimer Ortseingang in der Florstädter Straße vergeblich darauf gehofft hatte, dass einer der zahlreichen Autofahrer anhält, fuhr WZ-Fotografin Nici Merz vorbei. Sie sah die junge Frau mit dem Starthilfekabel da stehen, stoppte, und wenig später war der Wagen der Ossenheimerin wieder fahrbereit. Andere Batterie-Geschädigte müssen wesentlich länger warten. »Bis zu fünf Stunden kann es dauern, bis unsere Leute vor Ort sind«, berichtet der Teamleiter Straßenwacht des ADAC Hessen-Thüringen in Frankfurt, Thomas Sauter.
2785 Pannenhilfen am Tag
Wie auch die Autowerkstätten hat der ADAC-Pannendienst seit dem Kälteeinbruch Hochkonjunktur. Vor allem sind es Batterien, die bei den eisigen Temperaturen ihren Geist aufgeben. Auf seiner Internetseite meldet der ADAC, dass seine Pannenhelfer am 1. Februar in Deutschland zu 22 721 Einsätzen ausrückten, allein in Hessen waren es 2038 – »Rekordeinsatz«. Tags darauf zählte der ADAC schon 2785 Pannenhilfen. Dies bedeute eine Verdoppelung gegenüber normalem Betrieb.
Der von Sauter betreute Bereich geht vom Frankfurter Raum bis in die Wetterau, wobei Friedberg die Grenze bildet. Am Dienstagmittag hatte er in diesem Bereich 61 Mann im Einsatz; 173 Hilfeleistungen waren gemeldet. »Wir verarzten derzeit 1,9 Fahrzeuge pro Stunde«, so Sauter, »normalerweise sind es 1,3.« Die Pannenhelfer der »Gelben Engel« – etliche von ihnen wohnen im Wetteraukreis und fahren von zu Hause zu ihren Einsatzorten – machten Überstunden oder würden aus ihrer Freizeit geholt.
Dieselfahrzeuge bekommen Probleme
Gestern war es besonders kalt, und prompt verzeichnete Sauter einen deutlichen Anstieg von Dieselfahrzeugen, die während der Fahrt liegenblieben. »Ab Oktober wird zwar den Tankstellen Winterdiesel geliefert, der ist eigentlich bis minus 20 Grad stabil«, berichtet er. Aber mitunter befinde sich noch Sommerdiesel in den Tanks, sodass eine Mischung entstehe. Je nach Beschaffenheit des Fahrzeugs könne der Kraftstoff in den Leitungen – zum Beispiel durch den Fahrtwind – herunterkühlen und vor allem, wenn die Kraftstofffilter schon älter sind, diese verstopfen. Der Einbau neuer Filter stehe daher derzeit in den Werkstätten hoch im Kurs. Aber, so Sauter: »Manche Autohäuser haben schon keine mehr.«