Friedberg-Ockstadt (har). Mit vielen Veranstaltungen wird im Kirschendorf das Jubiläum »100 Jahre St.-Jakobus-Kirche« gefeiert. Dazu gehört auch die Reihe »Lust auf Heimat«, die im vergangenen Jahr mit einem Dorfrundgang eröffnet wurde. Am Samstagabend fand sie mit »Feste und Bräuche im Kirchenjahr« eine besondere Fortsetzung. Es war eine gelungene Mischung aus Erzählcafé und gutem Essen, aufgelockert mit gemeinsamem Singen und so mancher Überraschung.
Den Besuchern mundet der Hauptgang mit Heringen oder Grüner Soße.
Dafür hatten im Vorfeld viele Helferinnen und Helfer gesorgt, allen voran Uli Henritzi und Stefan Ewald, die durch den Abend im voll besetzten Jugendheim führten.
Pfarrer Bernd Weckwerth sagte in seiner Begrüßung, Ockstadt habe einen Grund zum Feiern, denn die Kirche mit ihren Bräuchen und Gewohnheiten habe einen großen Anteil an der Heimat. In den folgenden knapp fünf Stunden sorgten sechs »Ockstädter Urgesteine aus den Jahrgängen 22 bis 41«, so Henritzi, mit vielen Anekdoten aus ihrer Kindheit und Jugendzeit für Unterhaltung. Es wurde eine fröhliche Reise durch das Kirchenjahr, die in der Adventszeit begann und aus Zeitgründen schon am Erntedankfest endete.
Hermann Kosch, der jüngste in der Runde und Kenner und Forscher der Ockstädter Kirchen- und Heimatgeschichte, las aus den Aufzeichnungen von Pfarrer Dr. Aloys Wald aus dem Jahr 1910 vor und gab so einen Einblick über das viel strengere kirchliche Leben in Ockstadt vor 100 Jahren.
Zahlreiche Messen und Andachten
Allein die Aufzählung der Messen und Andachten am ersten Weihnachtsfeiertag brachte die Besucher ins Staunen. Um 5 Uhr wurde die erste heilige Messe gehalten, gefolgt von zwei Hirtenmessen, dem Hochamt, einer Vesper, der kleinen Beichte und dem Rosenkranzgebet am Abend. Die Frage eines Besuchers, warum es in Ockstadt bis heute keine Mitternachtsmesse gebe, beantwortete Ewalda Klein auf ihre Art: »In de Nacht, da schlafe mir«. Auch ihre Bemerkung, dass in der Adventszeit nicht geheiratet werden durfte, »außer man musste«, sorgte für Lachsalven. Mit Gedichten leitete sie die Redeblöcke ein, und immer wieder schaffte es die Verfasserin der bekannten Ockstädter Theaterstücke, den Saal zum Lachen zu bringen.
Dem stand Rita Kipp als älteste Teilnehmerin nicht nach. So erzählte sie, dass sie einige Wochen nach Weihnachten ihre Geschenke wieder abgeben musste, denn »die lagen ja beim nächsten Weihnachten wieder unterm Baum«. Ein besonderes Ereignis war für die »Rita von de Müll«, die aus einem alten Müllerbetrieb kam, das Backen der Kuchen für die Kerb, wo die Mutter zunächst 20 Pfund Mehl siebte, und dies »im Wohnzimmer zwischen zwei Stühlen«.