Friedberg (buc). Nur wenigen Künstlern gelingt es, aus ihrer Berufung einen existenzsichernden Beruf zu machen. Einer hat es auf seine Weise geschafft: der studierte Gitarrenmusiker Michael Eberhardt. Auf seine Weise heißt: Er hat nicht nach den höchsten Sternen gegriffen und sich doch den Traum erfüllt, mit und für die Musik zu leben. Vor 25 Jahren gründete er mit Gleichgesinnten die Musikschule Friedberg. Die feiert somit in diesem Jahr Jubiläum, und der Initiator ist weiterhin ihr Chef.
Musikschulleiter Michael Eberhardt, selbst Gitarrenlehrer, begleitet die Einrichtung seit ihrer Gründung vor 25 Jahren. (Fotos: Bucerius)
Eberhardt hatte eine Marktlücke entdeckt. Damals unterrichtete er in der Bad Vilbeler Musikschule Gitarre. Er wohnte aber in der Kreisstadt, und dort gab es ein vergleichbares Angebot nicht. Die Bad Nauheimer Musikschule lag zwar gleich nebenan. Aber im Grunde wollte er seine eigenen Ideen verwirklichen, erzählt er.
Die notwendigen sieben Musikliebhaber, die zur Gründung eines Vereins notwendig sind, fanden sich schnell. Zu ihnen gehörten die beiden Blindenschullehrer Reinhard Huth und Ursula Rehmann. Im März 1985 gründeten sie den Trägerverein und wählten den Ober-Mörler Pfarrer Detlef Bothe zum Vorsitzenden und Eberhardt zum Stellvertreter und kommissarischen Schulleiter. Unterstützung kamen von der Stadt, allen voran von Bürgermeister Ludwig Fuhr. 9500 Mark gab es als Anschubfinanzierung. Der Wetteraukreis stellte zwei Räume in der Gemeinsamen Musterschule zur Verfügung, los ging es mit zwölf freiberuflichen Lehrern und 73 Schülern, die über Flyer und Mundpropaganda geworben wurden. Heute sind bei der Musikschule sieben Lehrer fest angestellt, dazu kommen freischaffende Musikpädagogen sowie 1400 Schülerinnen und Schüler.
Die steigende Schülerzahl führte dazu, dass die Musikschule unter Raumknappheit litt. Zunächst verteilte sich der Unterricht auf diverse Schulen in Friedberg. Schnell reifte bei Eberhardt der Plan, dass die Musikschule ein eigenes Gebäude benötigt. Am Ende hat sein Kampf rund zwei Jahrzehnte in Anspruch genommen. Zehn Jahre nach seinen ersten Ansätzen, für ein eigenes Gebäude zu kämpfen, zog die Verwaltung in das lange Jahre leerstehende Alte Rathaus an der Kaiserstraße. Weitere zehn Jahre später war das Alte Rathaus so weit hergerichtet, dass auch Unterrichtsräume zur Verfügung standen.
In dem Vierteljahrhundert seit Gründung der Musikschule hat sich einiges gewandelt - anderes ist beständig geblieben. Beständig beliebt als Musikinstrument Nummer eins ist das Klavier, gefolgt von Streichinstrumenten und Gitarre. Verändert hat sich die Altersstruktur der Musikschüler. Die Schüler sind jünger geworden. Anders als noch vor 25 Jahren führt man heute schon Kinder im Grundschulalter an Blasinstrumente wie Oboe oder Klarinette heran. Lange habe man Eltern zu dieser Instrumentenwahl erst geraten, wenn die Sprösslinge das elfte Lebensjahr erreicht hatten. Da in Zusammenarbeit von Instrumentenbauern und Medizinern mittlerweile kindgemäße Blasinstrumente entwickelt wurden, könnten heute bereits Sechsjährige diese Instrumente lernen, sagt Eberhardt.