Zum sinkenden Altersdurchschnitt trägt zudem bei, dass die Musikschulen immer mehr für die Allerkleinsten Musikunterricht anbieten. Diesem Trend folgen auch die Friedberger. Bereits für Babys gibt es Angebote wie »Baby Musik« (3 bis 16 Monate) und »Minimäuse« (16 Monate bis 3 Jahre). Diese Kurse seien durch die veränderten familiären und gesellschaftlichen Strukturen bedingt, erläutert Eberhardt. Früher hätten die Großeltern mit den Kindern Lieder gesungen. Heute seien Oma und Opa nicht mehr so wie früher in den Haushalt ihrer Kinder und Enkelkinder integriert. Oftmals müssten junge Eltern die alten Kinder- und Spiellieder selbst erlernen. Vom Kleinkinderunterricht profitieren somit sowohl die Kinder als auch deren Eltern.
Anders als früher stehe aber nicht mehr nur das Erlernen eines Instruments im Vordergrund des Unterrichts, betont Eberhardt. Die Lehrer legten immer mehr Wert auf musisch-ästhetische Bildung. So werden im Unterricht auch Musikgeschichte und die Wirkung von Musik auf Sinne und Körper behandelt.
Viel verändert habe sich im Verhältnis zwischen Schulen und Musikschulen. »Früher haben wir nur die Räume der Schulen genutzt«, erinnert sich Eberhardt. Die Musikschule habe damals eher die Anmutung und das Selbstverständnis eines Konservatoriums gehabt. Aus der berührungsfreien Koexistenz zweier Einrichtungen mit öffentlichem Bildungsauftrag entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, beide Seiten haben sich geöffnet. Das sei noch wichtiger geworden, seit die Schulzeit an den Gymnasien um ein Jahr verkürzt wurde (Stichwort: G8). Den Schülern fehle dadurch vielfach die Zeit zum Üben, bedauert er. Deshalb arbeite man derzeit mit den Schulen an Plänen, um Schülern zu ermöglichen, in der Schule mit ihrem Musikinstrument zu üben. Beim Kultusministerium haben Eberhardt und seine Musikschulkollegen beantragt, dass Musikschulunterricht als regulärer Unterricht anerkannt wird. Da in den vergangenen Jahren der kulturelle Unterricht wie Musik und Kunst zugunsten von naturwissenschaftlichen Fächern vernachlässigt worden sei, bestehe hier Nachholbedarf.
Internationale Partnerschaften
Das Musikschulteam, allen voran Eberhardt und der Vorsitzende des Trägervereins, Peter Wenzel Sadlo, wollen die Musikschule weiter öffnen. Die Partnerschaft zu Musikschulen im Ausland soll ausgebaut werden. Ebenso lang wie die Friedberger Musikschule besteht die Partnerschaft mit der Musikschule in Villier-sur-Marne in Frankreich. Intensiver soll auch der Austausch mit der spanischen Musikschule der Stadt Palafrugell werden. Viel Energie investiert Eberhardt auch in das »JeKi«-Projekt. Die Abkürzung steht für »Jedem Kind ein Instrument« und wird vom Kultusministerium und dem Landesverband Deutscher Musikschulen vorangetrieben. Als Ergänzung zum Fach Musik können Schüler in ausgewählten Grundschulen ein Instrument erlernen. Geleitet wird der Unterricht gemeinsam von Grundschul- und Musikschullehrern. Seit Beginn des Schuljahres 2008/09 betreut die Friedberger Musikschule eine Grundschulklasse der Gemeinsamen Musterschule.
Im Jubiläumsjahr ist eine Fülle von kulturellen Veranstaltungen rund um die Musik geplant. Erster Höhepunkt ist das große öffentliche Jubiläumsfest am 6. Juni während des Altstadtfests. Im Herbst wird es feierlich: Am 5. November steht ein großer Festakt zum 25-jährigen Bestehen auf dem Programm.