Friedberg-Bruchenbrücken (gk). »Eine emotionale Debatte« - so charakterisierte die Vorsitzende des Bauausschusses, Rosa Maria Bey, die Aussprache im Bürgerhaus Bruchenbrücken am Mittwochabend zum Thema Wasserversorgung des Golfplatzes in Ockstadt. Nachdem der Ortsbeirat Ockstadt die Magistratsvorlage zur Belieferung des Golfclubs mit Wasser aus dem städtischen Netz abgelehnt hatte, behandelte nun der Bauausschuss das Thema.
Der Golfplatz in Ockstadt.
Was nach langer, zweistündiger Diskussion, die geprägt war von Vergangenheitsbewältigung, herauskam, war mit knapper Mehrheit von 5:4 Stimmen ein grundsätzliches Ja zu einer Wasserlieferung. Allerdings wurde dem Magistrat aufgetragen, mit dem Golfplatzbetreiber einen Vertrag auszuhandeln und den städtischen Gremien den Entwurf noch vor der Sommerpause zur Genehmigung vorzulegen.
Bürgermeister Michael Keller sprach von einem sensiblen Thema. Der Magistrat könne das Ockstädter Nein zur Wasserlieferung durch die Stadt an den Golfplatzbetreiber nicht einfach ignorieren. Am Montag habe es daher ein Gespräch im Magistrat gegeben mit dem Vorschlag, dem Golfplatzbetreiber für zwei Jahre Trinkwasser bereitzustellen. In dieser Zeit solle er für er daran arbeiten, eine Eigenversorgung sicherzustellen, zum Beispiel durch die Erschließung von Wasserquellen im Umfeld des Golfplatzes. Im Gespräch mit der WZ ergänzte Keller, dass im vergangenen Jahr wegen des nassen Sommers überhaupt kein Wasser für den Golfplatz benötigt wurde. Auch gegenwärtig quelle der Platz geradezu vor Wasser über, und vom Taunus her staue sich Wasser vor der Autobahn.
Der technische Leiter der Stadtwerke, Klaus Detlef Ihl, bezeichnete in der Sitzung die bei heißer Witterung notwendig werdende Zusatzlieferung von Trinkwasser aus dem Vogelsberg und der Ovag-Leitung aus Ober-Mörlen grundsätzlich als unproblematisch. Eine Mischung führe zu keinen Leitungsschäden und beeinträchtige auch nicht die Gesundheit der privaten Nutzer in Ockstadt. Die Wasserversorgung der Ockstädter Bevölkerung genieße absolute Priorität, und aus dem Ockstädter Brunnen werde kein Wasser für den Golfplatz entnommen. Die genannte Zahl von 30 000 Kubikmetern für den Golfplatz pro Jahr sei kein Durchschnittswert, sondern beziehe sich nur auf Spitzenzeiten.
Gegen die Wasserlieferung sprach sich Marion Götz von der SPD aus. Horst Weitzel von den Grünen übte die schärfste Kritik. Die Genehmigung des Platzes im Jahr 1997 sei nur mit der Maßgabe erfolgt, dass der Eigentümer genügend Wasser aus eigenen Beständen zur Beregnung des Platzes bereitstellen könne. Er habe jedoch damals schon wissen müssen, dass dies allein durch den Bau von Speicherteichen oder grundsätzlich nicht möglich sei. Es sei deshalb »ein Skandal«, dass die Stadt dem Betreiber jetzt beispringen wolle.
Wenn jemand einen Antrag stelle, müsse er auch eine anständige Antwort bekommen, erwiderte Keller. Dies müsse auch für den Golfclub gelten.
Winfried Ertl von der UWG erinnerte daran, dass das Wasser nicht verschenkt werde, sondern bezahlt werden müsse. Außerdem werde es der Natur wieder zugeführt. Der Golfclub mit seinen etwa 30 Beschäftigten sei einem mittelständischen Betrieb vergleichbar und über die Grenzen Hessens hinaus bekannt. Schließlich erhielten auch Sportvereine Wasser zur Platzberegnung.
Nach über zweistündiger Debatte wurde schließlich der Beschluss gefasst, dass der Vertrag aus dem Jahr 2000 geändert wird. Darin war festgehalten, dass der Golfplatzbetreiber kein Wasser von der Stadt erhält. Nunmehr soll die Verwendung von Trinkwasser aus dem städtischen Netz grundsätzlich gestattet werden, wobei dahinter allerdings ein großes Aber steht. In den Verhandlungen soll der Magistrat mit dem Golfplatzbetreiber die rechtlichen und auch technischen Fragen klären. Dabei soll festgehalten werden, dass die Wasserversorgung Ockstadts bei heißen Sommern immer Vorrang vor dem Platz haben muss und maximal 30 000 Kubikmeter pro Jahr geliefert werden. Eine zeitliche Befristung von zwei Jahren, wie vom Magistrat vorgeschlagen, war nicht mehr Gegenstand der Abstimmung. Für den Auftrag an den Magistrat stimmten die drei CDU-Ausschussmitglieder, der FDP-Abgeordnete und der SPD-Stadtverordnete Peter Müller. Dagegen waren seine drei SPD-Kollegen und Horst Weitzel. In der kommenden Woche steht das Thema noch im Haupt- und Finanzausschuss zur Behandlung an. Endgültig darüber zu entscheiden hat dann die Stadtverordnetenversammlung dann in ihrer Sitzung am 25. März.
... und alles ist oke! Wie im Großen so im Kleinen. Bei der Bundesregierung sind es Grundgesetzänderungen, in Friedberg sind es rückwirkende Vertragsanpassungen! Hauptsache die Kasse stimmt (oder ähnliches)! Wie werden denn die ca. 30 Arbeitnehmer bezahlt? Sind das evtl. 1-Euro-Jobs? Und woher sind diese 850 Mitglieder? Aus Friedberg? Werden demnächst die Wetterauer Hartz-4 Empfänger statt zum "Nordern Walking" zum "Golfen" qualifiziert? Nunja, Alibifunktion! War schon Karl Marx bekannt, dass die "deutsche Demokratie" lediglich eine Absprache unter Kapitalisten ist!
(17.03.2010 08:05)
tweety
uns geht's wohl zu gut?
...soll der Platz doch eine Regenwassersammalanlage bauen. Trinkwasser für Golfplätze - das ist spätrömische Dekadenz.
(16.03.2010 13:31)
rolf vrobel
5:4
Könnte es sein, dass es sich bei dem Stadtverordneten und Mitglied des Bauausschusses Peter Müller um den früheren Vize-Präsidenten des Golfclubs handelt?
(12.03.2010 19:52)
Sportler
Stadtentwicklung
Die Frage, ob man eine große, überregionale Golfanlage fördern soll, stellt sich für eine moderne Kommune nicht wirklich. Natürlich muss eine Gemeinde alles tun, um einen Sportplatz zu erhalten, der vielen Bürgern die Freizeit verschönert. Wenn es stimmt, dass die Stadtwerke ohne Problem das Wasser verkaufen können, dann gibt es keinen sachlichen Grund, das zu verhindern. Bisher habe ich jedenfalls keinen gehört.
(12.03.2010 19:14)
areuter
Wo ist das Problem?
Eines vorweg : Ich bin selbst Mitglied im Golfclub und insofern subjektiv und voreingenommen! Ich frage mich allerdings, wo das Problem ist? Wer hat denn darunter zu leiden, wenn der Golfplatz bewässert wird? Ich habe das Gefühl, das die ganze Debatte nur Polittheater ist. Wer die Wiese von früher kennt und weiß, dass dort die Amerikaner ihren Dreck entsorgt haben, wenn sie aus dem Wald kamen, kann nur eine Verbesserung erkennen. Warum sonst finden auch viele Nichtgolfer den Weg dorthin? Nix für ungut und weiter viel Spaß beim Politgerangel.
(12.03.2010 14:53)
golfy
Ganz so einfach ist es nicht
Die Ortsbeiräte sind nur Alibi-Gremien der Kommunalpolitik. Sie haben nur eine Beratungsfunktion gegenüber des Magistrates. Sie können zwar Beschlüsse fassen, denen aber nicht gefolgt werden muss. Der Ortsbeirat Ockstadt hätte in der "Wassersache" nur angehört werden müssen. Zu einer Abstimmung oder gar Beschlussfassung hätte es gar nicht kommen dürfen. Übrigens; wenn denn die Wasserversorgung des Golfplatzes so wichtg wäre wie dies jetzt vielfältig dargestellt wird, hätten zu der Sitzung des Ortsbeirates statt vier interessierter Bürger vieleicht vierzig kommen sollen. Also von so großem Interesse ist das Thema wohl nicht. Warum auch? Der Golfplatz möchte geradezu lächerliche 30.000 cbm Wasser zur Bergung. Und das ist die absolute Höchstgrenze die wahrscheinlich nie erreicht wird. Der Golfplatzbetreiber muss das Wasser ja, wie jeder Bürger, bezahlen und wird allergrößtes Interesse haben so wenig wie möglich zu verbrauchen. Diese Diskussion über das zu verwendente Trinkwasser ist schon in vielen Beiträgen und Leserbriefen fast peinlich zu nennen. Zu Zeiten als die Amerikaner noch in Friedberg waren wurden 200.000 cbm Wasser in der Kaserne verbraucht. Da wurden z.B. schmutzige Fahrzeuge und Panzer mit Trinkwasser gewaschen und niemand regte sich darüber auf... Und wenn sich ein Pharmakonzern in Friedberg ansiedeln will der Millionen von Litern Wasser für die Herstellung seiner Produkte braucht, höre ich keinen Protest. Dass das Beregnungswasser des Golfplatzes letztendlich der Flora und Fauna wieder zugute kommt - dies wird geflissentlich von bestimmten Kreisen verschwiegen. Man sollte endlich den Golfplatz akzeptieren als eine der schönsten Anlage Hessens und den golfspielenden Bürgerinnen und Bürgern, der Club hat immerhin ca. 850 Mitglieder, nicht neue Steine in den Weg legen. Letztendlich profitiert Ockstadt und Friedberg davon.
(12.03.2010 13:22)
bla
So einfach ist das -
wenn etwas nicht passt, wird es passend gemacht! Die "anständige" Antwort auf die Anfrage war "Nein". Dummerweise war diese Antwort nicht die gewünschte. Macht aber nichts, da wird dann demokratisch der alte Vertrag geändert (oder angepasst) und schon ist ein Ortsbeiratsbeschluss ohne Konsequenzen und weitere Abstimmungen erforderlich. Bleibt halt zu überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, solche Genehmigungen in Zukunft ohne Beteiligung von Ortsbeiräten im stillen Kämmerlein zu erteilen. Da verhindert sicher "emotionale" Debatten.
Wie im Großen so im Kleinen.
Bei der Bundesregierung sind es Grundgesetzänderungen, in Friedberg sind es rückwirkende Vertragsanpassungen!
Hauptsache die Kasse stimmt (oder ähnliches)!
Wie werden denn die ca. 30 Arbeitnehmer bezahlt? Sind das evtl. 1-Euro-Jobs?
Und woher sind diese 850 Mitglieder? Aus Friedberg?
Werden demnächst die Wetterauer Hartz-4 Empfänger statt zum "Nordern Walking" zum "Golfen" qualifiziert?
Nunja, Alibifunktion! War schon Karl Marx bekannt, dass die "deutsche Demokratie" lediglich eine Absprache unter Kapitalisten ist!