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Atemberaubende Kung-Fu-Show der Shaolin-Mönche

Artikel vom 03.02.2012 - 17.17 Uhr

Atemberaubende Kung-Fu-Show der Shaolin-Mönche

Friedberg (gk).13 Kung-Fu-Artisten zeigten am Mittwochabend einem ungläubig staunenden Publikum in der Stadthalle, wozu eine aus langjährigem mentalen und körperlichen Training erwachsene Kunst der Körperbeherrschung fähig ist. Es war eine höchst eindrucksvolle Show der Shaolin-Mönche.

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Freischwebend: Der festgesaugte Topf hält den Mönch.
Echte Holzknüppel – die Zuschauer in der ersten Reihe durften sich davon überzeugen – zersplittern auf kahlrasierten Köpfen. Ein rücklings auf drei scharfen Schwertklingen liegender »Krieger« trägt mit seinen Bauchmuskeln ein Fakirbrett, auf das sich ein zweiter bäuchlings legt. Auf seinem Rücken wird eine kleine, etwa 5 Zentimeter dicke Betonplatte gelegt, die ein dritter Kung-Fu-Artist mit einem Holzknüppel entzwei schlägt. Ausrufe des Erstaunens und Entsetzens sind aus den Reihen des Publikums zu vernehmen. Nein – diese fast zweistündige Vorführung ist nichts für schwache Nerven. Alle Aktivitäten werden von lauten Ausrufen begleitet – wohl, um sich auf die bevorstehende Tortur mental einzustimmen.

Dass Kung-Fu viel mehr ist als imposante Schwertschwingerei mit akrobatischen Einlagen – wie man es aus den 70er Jahre-»Eastern« mit David Carradine als Hauptdarsteller kennt –, erfuhr das Publikum von einer sonoren Stimme aus dem off. Um 500 n. Chr. wurde auf dem Shaolin-Berg in Zentralchina ein buddhistisches Kloster von dem indischen Mönch Bodhidharma gegründet. An diesem, dem spirituellen Leben in Armut und Friedfertigkeit geweihten Ort entstand im Lauf des sechsten Jahrhunderts die Kampfkunst des Kung-Fu (und Tai-Chi). Historisch bezeugt ist, dass im Jahr 728 das Shaolin-Kloster 13 kämpfende Mönche entsandte, um das Reich der Mitte gegen die anstürmenden Mongolen mitzuverteidigen.

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Kämpfer und die eindrucksvolle Kulisse. (Fotos: Kollmer)
In der Zeit zwischen 1350 und 1650 verfügte das Kloster über eine Armee von rund 2500 Kämpfern und wurde von den Kaisern der regierenden Ming-Dynastie gefördert. Zerstört wurde es erst während des chinesischen Bürgerkriegs im Jahr 1928. In den 1980er Jahren hat der Shaolin-Orden in China und in einigen westlichen Ländern eine Reihe von Niederlassungen gegründet. Hier wird die aus dem Geist des Zen-Buddhismus entstandene Kunst, die einzig der Selbstverteidigung dient, ausgeübt und gelehrt – wie ein Blick ins Internet zeigt.

Zurück nach Friedberg. Nach der wohlverdienten Pause waren die Darbietungen – zur allgemeinen Erleichterung – weniger martialisch. Jetzt konnten die Kung-Fu-Kämpfer ihr ebenso atemraubendes artistisches Können demonstrieren: dreifache Saltos vor- und rückwärts, Übereinander-Springen, sich auf den harten Bühnenboden fallen lassen, wie vom Donner gerührt. Und all das, ohne die geringste sichtbare Verletzung oder Schmerzbekundung. Versteinerte Gesichter, stahlharte Muskeln, markerschütterndes Geschrei – einen friedlichen Eindruck hinterließen die »Mönche« nicht gerade.

Aber das gehört natürlich zur Show. Der alte Meister zeigte mit einem vollendeten Spagat und schlangenartigen Bein- und Armverknotungen die Biegsamkeit seiner Gelenke. Begleitet war er von zwei etwa zehnjährigen Schülern, die für ihre akrobatischen Einlagen besonders herzlichen Applaus erhielten.

Wie lernt man, seelenruhig auf den Spitzen seiner großen Zehen zu stehen und zu gehen? Wie schafft man es, lediglich durch Anspannen seiner Bauchmuskeln einen darübergestülpten Topf so »festzusaugen«, dass mehrere auf die Bühne gebetene Zuschauer ihn nicht abzuziehen vermochten? Wie fühlt es sich an, auf den scharfen Spitzen von sechs aufgestellten Schwertern zu liegen? Diese Kunst der Selbst- und Körperbeherrschung ist wohl wirklich nur mit Hilfe einer in zwei Jahrtausenden entstandenen Meditationstechnik zu erlernen.

Tosender Applaus verabschiedete die Kämpfer. Am 16. Februar werden sie im Bad Homburger Kurtheater, am 27. Februar in der Gießener Kongresshalle und am 3. März in der Höchster Jahrhunderthalle auftreten.

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Artikel vom 03.02.2012 - 17.17 Uhr
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