Frankfurt liegt nicht nur an einem Fluss. Frankfurt ist im Fluss. Wenn
es ein Leitmotiv gibt, das die Geschichte dieser Stadt bestimmt hat,
dann könnte es lauten: Nichts wird morgen so sein, wie es gestern war.
Frankfurt war immer eine Stadt des Handels, und damit auch der
Kommunikation und des Austauschs.
In der nach Berlin, Hamburg, München und Köln fünftgrößten Stadt Deutschlands leben heute rund 660.000 Menschen, aber nahezu jeder Dritte hat keinen deutschen Pass. 320.000 Menschen pendeln Tag für Tag aus der Rhein-Main-Region in die Kommune, die mit ihren knapp 590.000 Arbeitsplätzen fast so viele Beschäftigte wie Einwohner hat. Für unentwegte Bewegung sorgt schließlich auch der Flughafen, mit einem Aufkommen von 52,5 Millionen Passagieren pro Jahr einer der größten in Europa. Frankfurt ist immer im Aufbruch, es geht hier schnell zu, es lässt sich nicht in Selbstgewissheiten einrichten.
Gerne schmückt sich die Hochhausstadt mit Schlagworten wie "Mainhattan" oder "Mainmetropole". Seit in einem der Wolkenkratzer die Europäische Zentralbank ihr Quartier genommen hat, hat sich Frankfurt erst recht auf seine Rolle als eine der europäischen Schaltstellen eingerichtet – neben Brüssel, Straßburg und Luxemburg. Um so erstaunter ist manch internationaler Besucher bei der ersten Begegnung mit dieser Stadt: What a small town! Qu’elle est quand-même petite, cette ville! Raum ist in der kleinsten Weltstadt Deutschlands ein knappes Gut. Deshalb werden innere Reserven mobilisiert. Neue Wohnviertel sind in den Hafenanlagen entstanden, ein Teil der Altstadthäuser wird wieder aufgebaut, und auch die Hochhausriesen werden noch Zuwachs bekommen, architektonisch spektakulär mit dem Neubau der EZB am östlichen Mainufer. Auch die Geschäftsmeile Zeil erhält ein völlig neues Gesicht.
Schon seit dem Mittelalter hat sich die am Main gelegene ehemalige freie Reichsstadt, Kreuzpunkt europäischer Handelsstraßen und über Jahrhunderte Krönungsort der deutschen Kaiser, zu einem der bedeutenden europäischen Finanz- und Handelsplätze entwickelt. Die Namen großer Bankiers, wie die Rothschild oder Bethmann, sind eng mit der Geschichte der Messestadt verknüpft. Ohne Zweifel hat sich diese Tradition bis heute entschieden fortgesetzt: Mehr als 200 Banken, darunter die Deutsche Bundesbank und knapp 150 ausländische Banken, sowie die weltweit viertgrößte Aktien-Börse lenken von hier aus den Geldfluss.
Und doch ist die Bankenmetropole mit der kühlen Skyline kein steinerner Großstadt-Moloch, sondern eine urbane Oase, eine sattgrüne Stadt! Zahlreich sind die Parks und Grünanlagen mitten in der Stadt, und wer es exotischer mag, geht in den Palmengarten. Mit dem "Grüngürtel" legen sich Wiesen, Wälder, Hügel und Flussauen rund um die City. Und mit einem ihrer größten Trümpfe, der mit mediterranem Flair glänzenden Flaniermeile beidseits des Mains, lockt Frankfurt Touristen wie Einheimische. Hier am Fluss ist Frankfurt schon in den achtziger Jahren dem Bild der unwirtlichen Geldstadt mit einem beherzten und kapitalkräftigen Willen zur Kultur entgegentreten: Am "Museumsufer" sind zwischen Eisernem Steg und Friedensbrücke zum Teil in restaurierten Bürgervillen, zum Teil in anspruchsvollen architektonischen Neubauten in zehn Jahren dreizehn Museen neu entstanden oder ausgebaut worden, darunter das Deutsche Filmmuseum, das Deutsche Architekturmuseum, die Schirn Kunsthalle, das Museum für Angewandte Kunst und das Jüdische Museum. Dass "die Frankfurter nichts als das Geld (lieben)", diesem Verdikt Goethes, Frankfurts berühmtesten Sohn, ist die Stadt entschieden entgegengetreten. Im besten Fall versöhnt sich hier die Wirtschaft mit der Kultur.
Das intellektuelle Profil Frankfurts markieren seine renommierten Tageszeitungen und Verlage, und jedes Jahr lädt die Buchmesse hier auf einen riesigen Marktplatz der Ideen, Bücher und elektronischen Medien. Anlässlich der Bücherschau verleiht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seinen Friedenspreis in der Paulskirche – ein typisch Frankfurter Brückenschlag zwischen Handel und Geist. In der Stadt der Dichter und Denker bekommt nun auch der wissenschaftliche Nachwuchs eine standesgemäße Bleibe. Mit dem Poelzig-Bau hat die Universität ein grandioses Architekturdenkmal in Besitz genommen, auf dessen Gelände bis 2014 der "Campus Westend" entsteht – eine Jahrhundertchance für Frankfurts Alma Mater! So werden der 1200 Jahre währenden Erfolgsgeschichte dieser Stadt neue Zeilen, neue Kapitel hinzufügt: Im Wandel aber bleibt sich Frankfurt treu.