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Die Hebammen wollen nicht mehr

Artikel vom 14.08.2010 - 11.00 Uhr

Die Hebammen wollen nicht mehr

Frankfurt. Die Hebammen im Geburtshaus wollen nicht mehr. Die explodierenden Kosten für eine Berufshaftpflichtversicherung wachsen den Geburtshelferinnen über den Kopf.
»Im Moment ist es so, dass sich meine Kolleginnen die Geburtshilfe nur noch als teures Hobby leisten«, sagt Hebamme Britta Heile
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»Im Moment ist es so, dass sich meine Kolleginnen die Geburtshilfe nur noch als teures Hobby leisten«, sagt Hebamme Britta Heilemann, die hier anhand eines Modells den Ablauf einer Geburt demonstriert. (Foto: ddp)
»Im Moment ist es so, dass sich meine Kolleginnen hier die Geburtshilfe nur noch als teures Hobby leisten«, sagt Britta Heilemann. Wie viele andere freiberufliche Hebammen und Gynäkologen hat die Frankfurterin angesichts der gestiegenen Versicherungsbeiträge und der mauen Bezahlung aufgegeben.

Im Jahr 2007 zahlten Hebammen für ihre Berufshaftpflichtversicherung noch 1218 Euro jährlich. 2009 waren es bereits 2370 Euro. Seit dem 1. Juli müssen die Hebammen nun stattliche 3700 Euro zahlen, um sich gegen berufliche Risiken abzusichern. Dagegen steht eine Bezahlung, die laut Edith Wolber vom Deutschen Hebammenverband (DHV) »nach wie vor beschämend ist«. Gut zwei Monate im Jahr arbeiten die Geburtshelferinnen alleine, um die Kosten für die Versicherung zu erbringen.

Viele Hebammen machen da nicht mehr mit. Rund 400 der bundesweit 4000 Hebammen im DHV haben die Geburtshilfe zum 1. Juli aufgegeben. »Im Herbst werden noch weitere folgen«, ist sich DHV-Sprecherin Wolber sicher. Denn viele Hebammen seien derzeit nur noch deswegen in der Geburtshilfe tätig, weil sie werdenden Müttern die Entbindung zugesagt hätten.

Auch vielen Belegärzten in der Geburtshilfe ist die Berufshaftpflicht von jährlich rund 20 000 Euro zu teuer geworden. Viele freiberufliche Gynäkologen geben daher auf. Dadurch dürften nach Ansicht von Wolber vor allem die Geburtsstationen kleinerer Krankenhäuser Probleme bekommen. »Die flächendeckende Versorgung in ländlichen Gebieten ist bedroht und die Zahl der Kaiserschnitte wird zunehmen«, glaubt Wolber.

Dieser Ansicht ist auch Heilemann. Die 39-Jährige gibt mittlerweile nur noch Geburtsvorbereitungskurse und macht Wochenbettbesuche. Zudem hat sie sich auf Akupunktur für Schwangere spezialisiert. Die Entbindungen überlässt sie ihren neun Kolleginnen im Geburtshaus Frankfurt. »Es ist mir zu anstrengend geworden.« Die Geburtshilfe erfordere ein besonderes Maß an Flexibilität, viel Nachtarbeit und unregelmäßige Arbeitszeiten. Durch ihren Verzicht auf die Kernarbeit der Hebamme spart Heilemann zudem viel Geld. Statt 3700 zahlt sie nur rund 500 Euro Berufshaftpflicht im Jahr.



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