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Karnevalsvereine sind in Florstadt an der Macht

Artikel vom 15.11.2011 - 14.02 Uhr

Karnevalsvereine sind in Florstadt an der Macht

Florstadt (sl). Das Rathaus ist seit Samstag in Narrenhand. Für den verhinderten Bürgermeister Herbert Unger sprang zwar Stadtverordnetenvorsteher Bernd Kalbhenn in die Bresche – doch auch er und die Magistratsmitglieder konnten die Machtübernahme durch die drei Florstädter Karnevalsvereine nicht verhindern.

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Karen Frohneberg (Weiberfastnacht), Wilma Koch (Landfrauen), Benny Wildemann (Niddageister) und Gudrun Stamm (Sachsenhäuser) mit dem Kinderprinzenpaar Konstantin und Anna (v. l.) belächeln siegessicher die Verteidigungsversuche der Politiker.
»Bis Aschermittwoch sind wir der Herr im Haus. Und wie sieht’s danach wohl aus? Vielleicht habt ihr ja dann wieder Glück und dürft auf euer Plätz zurück«, stellte Benny Wildemann von den Niddageistern in Aussicht. Mit dem symbolischen Rathausschlüssel in der Hand prostete er der jubelnden Narrenschar zu, die vor dem Rathaus auf den gelungen Coup anstoßen konnte. Mit der Aussage »Ihr seid jetzt alle hier verbannt aus eurem so bequemen Amt. Unsere Kampagne kann jetzt starten – worauf sollen wir noch warten?« schwor er die Narrenschar auf den Beginn der fünften Jahreszeit ein.

Zuvor hatte sich ein wie immer amüsanter Dialog zwischen den Rathausverteidigern und der heranstürmenden Narrenschar abgespielt. Die hatten in diesem Jahr ein viertes Standbein bekommen, denn neben den Sachsenhäusern aus Stammheim, den Landfrauen aus Nieder-Mockstadt und den Niddageistern aus Nieder-Florstadt hatten die auch noch ihre Weiberfastnachts-Abteilung aufziehen lassen. Deren Frontfrau Karen Frohneberg lieferte sich gemeinsam mit Wilma Koch von den Landfrauen, Gudrun Stamm von den Sachsenhäusern und Benny Wildemann von den Niddageistern ein Rededuell mit Bernd Kalbhenn, der sich anfangs noch zuversichtlich und siegessicher präsentiert hatte: »Verteidigen werden wir den Rathaus-Eingang mit aller Macht, und wenn ihr es nicht lasst, hau’n wir euch in die Flucht, dass es nur so kracht«, ehe er sich über Wildemann und seine dreifach weibliche Gefolgschaft lächerlich machte. Wildemann zeigte sich unbeeindruckt vom neuen Gegner und dessen Provokationen: »Den Herbert sollst du heut ersetzen, dann werden wir das Messer gegen dich halt wetzen, Du weißt, warum wir heut hier stehen, wir wollen wieder nach dem Rechten seh’n. Wir haben uns gut ausgeruht und haben zum Regieren wieder frischen Mut«, trug Wildemann sein Begehren vor.

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Hinter dem Rat- und Bürgerhaus hat sich die Narrenschar formiert und schreitet mit Helaurufen der Niddageister, der Landfrauen und der Sachsenhäuser strammen Schrittes gegen das Rathaus voran. (Fotos: Lutz)


Kalbhenn dagegen machte deutlich, dass er höchstens das Stammheimer Kinderprinzenpaar Anna und Konstantin einlassen werde, »denn die könnte mir gebrauche, neue und junge Leut, um Florstadt sicher zu mache für die Zukunft – und ned nur heut«. Florstadts Sitzungspräsident dagegen warf den Politikern vor, immer häufiger zu versagen: »Du sollst uns nicht unterschätzen, während andere nur dauernd schwätzen, wollen wir die ganze Welt retten – und wir packen das: wollen wir wetten?« Und weil die ganze Eurowelt am Krepieren sei, solle das in Florstadt nicht passieren: »Wir bringen jetzt den Nidda-Taler raus. Florstadt wird im Euro-Kampf eindeutig siegen, während alle anderen am Boden liegen.« Kalbhenn konterte fein gereimt: »Ihr werdet euch wunnern, ihr Krakeeler, ihr seid doch noch Pennäler«. »Ja, fürwahr, ihr seid die Narren, spannt nen Haufe Leut vor euern Karren, doch trotzdem sag ich NEIN, ich lass Euch hier nicht rein.«

Wildemann drohte mir Garden, Elferräten und der Böllerkanone, und Wilma Koch von den Landfrauen legte nach: »Was der Bürgermeister ned packt, wird auch dir nicht gelingen – da kannst du Morgen ein Liedchen von singen.« In die gleiche Kerbe schlug Benny Wildemann: »Ich glaub, ihr müsst euch jetzt ergeben, sonst werden wir die Tür aus den Angeln heben«. Kalbhenn konterte gestärkt durch seine Stadträte: »Wir haben keine Angst vor euch und eurem närrischen Zeugs, lasst uns in Ruh, es hat keinen Zweck, sonst fege wir euch ratzfatz weg.«



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Artikel vom 15.11.2011 - 14.02 Uhr
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