Wetteraukreis (kai). Eine Rekordernte fuhren in diesem Jahr die 470 Wetterauer Zuckerrübenanbauern ein: Erstmals ernteten sie 78 Tonnen Rüben je Hektar, bei einem Zuckergehalt von 17,9 Prozent. In Zucker umgerechnet sind das je Hektar 12,4 Tonnen.
Rund 200 Landwirte kommen zum Wetterauer Zuckerrübentag nach Florstadt, um sich den Lob über die gute Ernte anzuhören und um sich gemeinsam gegen die geplante Abschaffung der Zuckermarktordnung in drei Jahren in Position zu bringen. (Fotos: Dauernheim)
»Hinter uns liegt ein außergewöhnlich gutes Jahr für Zuckerrüben«, sagte Herwig Marloff, Vorsitzender des Verbandes Wetterauer Zuckerrübenanbauer. »Es hat sich mal wieder gezeigt, dass die Wetterau prädestiniert für Zuckerrübenanbau ist«, lobte er gestern während des Wetterauer Zuckerrübentages in Florstadt. Nach der Rekordernte von 2009 folge damit nur zwei Jahre später die beste Ernte in der 130-jährigen Geschichte des Zuckerrübenanbaus in der Region.
Mit der aus Wetterauer Rüben erzeugten Zuckermenge von 58 000 Tonnen könnten etwa 30 Prozent der Hessen mit Zucker versorgt werden, rechnete Marloff vor. Eine Familie verbrauche durchschnittlich 30 Kilo Zucker im Jahr, das koste 113 Euro. »Das ist in anderen Ländern wie Belgien oder Norwegen viel teurer«, erklärte der Kreislandwirt. »Die hohe Erntemenge und noch dazu ein guter Preis, das tut uns Landwirten richtig gut«, bilanzierte er. Allerdings komme neues Unheil aus Brüssel: Agrarkommissar Dacian Ciolos wolle die Zuckermarktordnung in drei Jahren abschaffen. »Das ist eine Regelung, die funktioniert. Sie sorgt dafür, dass die Menschen mit preiswertem Zucker versorgt werden«, erklärte Marloff.
Herwig Marloff blickt auf ein Rekordjahr zurück.
»Die Nachfrage nach Zucker ist momentan größer als das Angebot«, erklärte Reinhold Köhler von der Südzucker AG. Der EU-Zuckermarkt sei sehr stark vom Weltmarkt abhängig, hier werde allerdings nur eine sehr geringe Zuckermenge (noch dazu meist aus Brasilien) gehandelt. Der Weltmarkt sei zu stark von dem südamerikanischen Land abhängig. »Nach der letzten Zuckermarktreform wurde die EU zum Zuckerimporteur«, gab Köhler zu bedenken. »Der Markt kann sich schnell ändern«, warnte er.
»Rübenertrag und Zuckergehalt steigen permanent an«, erklärte der Geschäftsführer des Verbandes Wetterauer Zuckerrübenanbauer, Manfred Menz. Der Zuckerrübenanbau bringe Kaufkraft in die Wetterau. Flossen vor der Reform 2006 noch 22 Millionen Euro Rübengelder, sind es jetzt rund 18 Millionen Euro. »Das ist gut für die Region, das ist Geld, das vor Ort wieder investiert wird.« Über eine »phantastische Ernte mit phantastischen Preisen« sprach Dr. Fred Zeller von der Süddeutschen Zuckerrübenverwertungsgenossenschaft, zu der rund 30 000 Zuckerrübenanbauer gehören, die wiederum den größten Anteilseigner an Südzucker bilden. »Dieses Rübenjahr bleibt uns lange in Erinnerung.« Der Zuckermarkt beginne sich nach der Reform, die einen enormen Rückgang der Anbaufläche in der Wetterau zur Folge hatte, zu konsolidieren, nun spreche Ciolos über die Aufgabe der Zuckermarktordnung. »Es ist schockieren zu hören, was der Agrarkommissar fordert, er ist scheinbar falsch informiert«, warnte Zeller. Positiv sei, dass das Europäische Parlament befürworte, die Zuckermarktordnung auch nach 2015 beizubehalten. Würde die Marktordnung fallen, rechnet Zeller mit enormen Einkommensverlusten für die Landwirte, mit Arbeitsplatzverlusten im ländlichen Raum und einem Rückgang der Zuckerproduktion. »Wirtschaftlich ist das sinnlos.« Er forderte jeden Landwirt auf, für den Erhalt der Zuckermarktordnung einzutreten, Politiker müssten davon überzeugt werden.
Einen hatten die Zuckerrübenanbauer schnell auf ihrer Seite: Florstadts Bürgermeister Herbert Unger. »Wenn es unserer Landwirtschaft gut geht, geht es auch den Kommunen im ländlichen Raum gut«, begrüßte er die fast 200 Landwirte im Florstädter Bürgerhaus.
Die Landwirte hoffen nun auf ein weiteres gutes Zuckerrübenjahr. Schon jetzt steht fest, dass sie die Anbaufläche wegen der guten Erträge verringern werden. Anbauberater Peter Fecke empfahl den Landwirten, ihre Flächen, auf denen Zuckerrüben wachsen sollen, auf Nematoden untersuchen zu lassen, um Ernteausfälle zu vermeiden. Das Saatgut für die 2012er Ernte wird zentral am Freitag, 9. März, zwischen 8 und 17 Uhr am Gut Wisselsheim ausgegeben.