»Wir gehen ein Stück Lebensweg mit jeder Familie mit«
Fernwald (siw). »Wir Menschen sind zum Helfen geboren und müssen oft auch Hilfe in Anspruch nehmen. Dementsprechend sollten wir uns verhalten«, so der Appell von Ewald Schlosser, des Vorsitzenden des Fördervereins Fernwald der Diakoniestation Fernwald-Pohlheim (Ambulanter Pflegedienst). Der Förderverein feierte das 30-jährige Bestehen am Sonntag in Steinbach mit einem Festgottesdienst in der Kirche und anschließendem Empfang im evangelischen Gemeindezentrum.
Der evangelische Frauenchor und die Kindergottesdienst-Kinder sangen gemeinsam »Möge die Straße uns zusammen führen«. (siw)
Sein Grußwort verband Schlosser mit einem Dank an alle, die zur Gestaltung des Festes beigetragen haben. Er informierte über das Leistungsspektrum der Diakoniestation und sagte: »Anhand der beispielhaft angesprochenen Dienstleistungen ist die Philosophie der Diakoniestation erkennbar, nämlich die menschenwürdige Behandlung und Begleitung von erkrankten Personen auch in der letzten Lebensphase sowie die Linderung der Belastungen von Angehörigen.«
Nicht alle Leistungen würden ganz oder teilweise durch die Kranken- und Pflegekassen vergütet. Hier springe der Förderverein ein und stelle in Absprache mit der Diakoniestation projektbezogene Gelder zur Verfügung. Besorgt zeigte sich Schlosser über den Rückgang der Mitgliederzahlen (von über 650 auf aktuell 511) und die Altersstruktur (84 Prozent der Mitglieder sind über 60 Jahre, 27 Prozent davon über 80 Jahre alt). »Wir wünschen uns mehr Mitglieder jüngeren und mittleren Alters.«
Rückschau auf die Anfänge hielt der Vorsitzende des Verbandsvorstandes Karl Heinz Schmitt und lobte: »In über 30 Jahren haben sie aus Nächstenliebe Großes geleistet.« Dafür gebühre besonders den langjährigen Vorstandsmitgliedern und den Männern der ersten Stunde viel Anerkennung und Dank.
Zu den Rahmenbedingungen für die 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegeteam und die 46 ehrenamtlichen Helferinnen (Bedarf steigend) sprach Pflegedienstleiterin Hannelore Görtz und übergab dann das Wort an einige Mitarbeiterinnen und einen Mitarbeiter, die aus ihrem Arbeitsalltag berichteten: »Der alte Mann tat mir leid. Ich war schon spät dran. Fünf Minuten darf eine Spritze dauern, um wirtschaftlich zu arbeiten.« Sehr bewegend erzählte eine weitere Mitarbeiterin vom Abschiednehmen von einem Verstorbenen in dessen Familienkreis. »Trotz aller Routine: In diesem Beruf gehen wir ein Stück Lebensweg mit jeder Familie mit.«
Pfarrer Ewald Steiner leitete den Gottesdienst. Pfarrer Armin Gissel als Behinderten-Seelsorger hielt die Predigt. »Liebe, Gefühle, Demut sind keine Weichspüler, die uns das Leben angenehm machen sollen, sondern ein Werkzeug, das uns Gott mitgegeben hat.« Das Wörterbuch der Gebrüder Grimm definiere das Wort »Demut« mit »Mut zum Dienen« sehr treffend. »Wenn wir die vielen Ehrenamtlichen nicht hätten, die wie selbstverständlich ihren Dienst mittun, könnten wir schon längst ein Schild mit der Aufschrift «geschlossen» aufstellen.«
Der evangelische Frauenchor sang »Von guten Mächten«. Beim Lied »Möge die Straße uns zusammen führen« wurden die Sängerinnen von den Kindergottesdienst-Kindern unterstützt. Die lustige Melodie von »Hey, Pippi Langstrumpf« hatten die Kinder umgetextet auf »Hey, Jesus liebt Dich, er lässt Dich nicht allein« - ein musikalisches Geburtstagsgeschenk für den Förderverein. Zur Erinnerung an das Jubiläum wurden beim Verlassen der Kirche Buttons verteilt.