Gießen/Fernwald (sha). Wer bisher meinte, dass ein Friseur nur die Haare seiner Kunden schneidet, sah sich nach dem Vortrag von Manfred Schmock am Montag in der »Ratssänke« der Fernwaldhalle eines Besseren belehrt. Auf Einladung der Friseurinnung Gießen erläuterte der langjährige Fachserviceleiter der Firma Wella, der selbst einen Friseursalon betreibt, vor mehr als 45 interessierten Berufskollegen aus Stadt und Landkreis mit welchen Strategien ein Handwerksunternehmen im harten Konkurrenzkampf bestehen kann.
Blumen für den Erfolg: Torsten Kuhn, Sarah Süßel und deren Vater Ralf Süßel, der in Lich den gleichnamigen Frisörsalon betreibt. (Foto: sha)
Angesichts der wachsenden Zahl von Friseurgeschäften sei es wichtig, »den eigenen Salon als Marke« zu etablieren. Von 2000 bis 2008 habe sich die Zahl der Salons bundesweit von 63 000 auf 75 000 erhöht, daneben gebe es 10 500 Filialen. Um Kunden zu halten und neue Kunden zu gewinnen, müssten Friseusen und Friseure kreative Ideen entwickeln und in ihren Geschäften »etwas Besonderes« bieten. So könnten etwa über günstige Angebote während einer ansonsten eher umsatzschwachen »Happy Hour« oder mit einer »Weihnachtsaktion« zusätzliche Kunden akquiriert werden.
Die Pflege der Stammkundschaft lasse sich nicht nur mit Rabatt- und Bonusheften pflegen, sondern auch durch den Versand von Glückwunschkarten zu besonderen Gelegenheiten. Die Gratulationen zur Geburt des Kindes könne mit dem Angebot für einen kostenlosen ersten Haarschnitt verknüpft werden. Dieser Gutschein sollte zudem ein Foto sowie eine Urkunde mit den »ersten Locken« des potenziellen neuen Kunden enthalten, um so den Friseurbesuch zu einem besonderen Ereignis zu machen.
Darüber hinaus empfahl der Fachmann seinen Kollegen, die eigenen Kunden zu speziellen Veranstaltungen in die Friseurgeschäfte einzuladen. »Langhaarpartys«, Schminkabende und »Stylingkurse« böten eine interessante Abwechslung zu dem, was die Kunden alltäglich beim Friseur erlebten. Eine im Salon verschenkte Blume als Dankeschön ergänze die herkömmlichen Rabatthefte auf sehr persönliche Weise.
Parallel zu den genannten Aktionen und Besonderheiten schlummerten in allen Friseurläden noch Reserven, die man nutzen müsse. Dies betreffe vor allem die Schnelligkeit der einzelnen Salonabläufe, aber auch die Spezialisierungen, mit denen interessante Angebote an die Kunden herangetragen werden könnten.
Bei der Auswahl des Personals riet Schmock den Friseusen und Friseuren, nicht nur auf die fachlichen, sondern auch auf die sozialen Kompetenzen zu achten, auf Kontaktfähigkeit, Auftreten und Sprache.
Neben dem Vortrag von Manfred Schmock stand am Montag auch noch eine besondere Auszeichnung auf dem Programm der Innung. Torsten Kuhn, seit April 2007 Obermeister, ehrte Sarah Süßel für den zweiten Platz, den sie am 27. September beim Praktischen Leistungswettbewerb (PLW) im thüringischen Rohr gewonnen hatte. Süßel hatte zuvor ihre Gesellenprüfung erfolgreich abgelegt. Die erfolgreichsten Absolventen dieser Prüfung dürfen alljährlich am PLW teilnehmen, der gemeinsam von den Innungen Hessens und Thüringens veranstaltet wird.