Fernwald (rüg). Auch wenn es schon im Kaiserreich sozialdemokratische Aktivitäten innerhalb der heutigen Gesamtgemeinde Fernwald gegeben haben dürfte: Die Gründung eines SPD-Ortsvereins erfolgte erst zu Beginn der Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg. Das Jahr 1920 wird als Gründungszeitpunkt angegeben, und somit feiert die Fernwalder SPD in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen.
90 Jahren Sozialdemokratie in Fernwald auf der Spur: (von links) Gerd Espanion, Daniel Balser und Manfred Riedl. (Foto: rüg)
Kein klassisches Jubiläum, aber dennoch ein runder Geburtstag, der in besonderer Weise gewürdigt werden soll. Vorsitzender Manfred Riedl, Beisitzer Gerd Espanion und Daniel Balser stellten im Gespräch mit der »Allgemeinen Zeitung« die Planungen für ein nicht alltägliches Projekt vor.
Erinnert werden soll an die wechselvolle Geschichte der Sozialdemokratie in Deutschland: »Bis zum heutigen Tage haben sich die älteste Partei Deutschlands - Gründung der SPD 1863 - und der 90 Jahre alte Ortsverein Fernwald stets für Gerechtigkeit, Frieden, nachhaltiges Wirtschaften und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur eingesetzt. Gründe genug, um die Historie der SPD in Fernwald einmal etwas genauer zu betrachten und anschaulich in einem speziellen Projekt darzustellen«, erklärten Riedl und Espanion den Hintergrund.
Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg sei geprägt gewesen durch die politisch und wirtschaftlich schwierigen Verhältnisse der Weimarer Republik, von der aus der Weg in die Diktatur der Nationalsozialisten mit Verfolgung und Parteiverbot und schließlich in den verheerenden Zweiten Weltkrieg mündete. Aber bereits kurz nach Kriegsende hätten sich auch in Fernwald Sozialdemokraten wieder zusammen gefunden, um notwendige Strukturen für ein demokratisches Deutschland aufzubauen. Diese wechselvolle Historie soll nun in einer Projektarbeit durch jüngere Menschen aufgearbeitet werden.
Für dieses Jubiläumsprojekt konnte eine Gruppe parteiloser Jugendlicher gewonnen werden, die von dem Studenten der Politik- und Sozialwissenschaft, Daniel Balser, geleitet wird. Der 21-Jährige ist selbst nicht SPD-Mitglied, aber nach eigener Aussage »der Partei nahe stehend«. Neben umfangreichen Recherchearbeiten und Interviews mit Zeitzeugen wird die Gruppe auch der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn einen Besuch abstatten. Die Stiftung gewährt Einblick in ihr bedeutendes Archiv, in dem sich zahlreiche Dokumente der SPD-Parteigeschichte befinden. Ein Besuch im Staatsarchiv in Darmstadt ist ebenfalls geplant.
Darüber hinaus hat der SPD-Ortsverein einen Aufruf in der Gemeinde gestartet, indem die Bürgerinnen und Bürger dazu eingeladen werden, Fotos und anderes Infomaterial aus vergangenen Zeiten zu Dokumentationszwecken leihweise zur Verfügung zu stellen. Über jedes weitere Engagement der Fernwalder Bevölkerung würde sich die Projektgruppe freuen. Die Forschung und Darstellung der Ergebnisse soll auf drei Ebenen stattfinden: Zum einen geht es um die nationalen und internationalen Ereignisse in diesen 90 Jahren, darüber hinaus um die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie und in einem dritten Themenkomplex natürlich konkret um die Historie der SPD in Fernwald. Erste Recherchen haben einen Partmitgliedsausweis zutage gefördert, der bezeichnenderweise im Jahr 1933 endet und erst mit dem Jahr 1946 weitergeführt wurde. Auch ein Album mit Zigarettenbildern (»Die Nachkriegszeit 1918 bis 1934) dürfte interessante historische Informationen liefern. Die Ergebnisse werden von der Projektgruppe am 14. November 2010 in der zentralen Jubiläumsveranstaltung im Bürgerhaus Albach präsentiert. Detaillierte Programminformationen werden rechtzeitig bekannt gegeben. Die Dokumentation kann anschließend von allen Bürgerinnen und Bürgern gegen eine geringe Schutzgebühr erworben werden.
Ansprechpartner sind Manfred Riedl (0 64 04/6 18 17), Gerd Espanion (01 72/6 82 81 02) und Daniel Balser (0 64 04/65 81 48).