Echzell (caj). Ein neues Land, ein neues Zuhause, Arbeit statt Schule - das alles und noch viel mehr erwartet die 19-jährige Abiturientin Katharina Telwa aus Echzell in weniger als zwei Wochen. Am 25. August beginnt ihr Abenteuer mit einer Zugreise in Richtung Osten.
In zwei Wochen geht’s los, dann fliegt Katharina Telwa nach Belarus, wo sie behinderte Kinder betreuen wird. (Foto: Cadd)
Mit dem Programm »Weltwärts« - das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für Leute bis 28 Jahre ins Leben gerufen wurde, die einen Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland leisten wollen - geht es für Katharina nach Belarus. Ein Jahr lang wird sie in der weißrussischen Hauptstadt Minsk in einer staatlichen Einrichtung behinderte Kinder und Jugendliche betreuen. Diese leiden teilweise unter den Folgeschäden der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.
»Ich habe Angst vor Heimweh«
Ein Jahr lang von der Familie getrennt, die Freunde nicht treffen und aus der gewohnten Umgebung raus - »ich habe ein bisschen Angst vor Heimweh«, gibt die Schulabgängerin zu. Als sie drei Monate alt war, zog ihre Familie von Dobrinka, einer deutsch-russischen Siedlung in Russland, nach Deutschland. Seit neun Jahren ist Katharina Echzellerin. Für das freiwillige soziale Jahr hat sie sich spontan entschieden. »Ich hatte keine Ahnung, was ich studieren will.« Dass es in ein russischsprachiges Land gehen soll, war aufgrund ihrer Wurzeln klar. »Bei uns zu Hause wird Russisch gesprochen, wir kochen manchmal Russisch - die Kultur ist schon präsent«, erzählt Katharina.
Durch ihre Sprachkenntnisse hat sie einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Freiwilligen. Ihr WG-Mitbewohner in Minsk wird ein Waliser sein - und die Briten sind bekanntlich nicht gerade multilingual. »Ich bin gelassen, weil ich weiß, dass ich die Leute verstehen werde«, sagt die Echzellerin.
Zwar habe der traurige Abschied von der Heimat nun begonnen, doch »die Vorfreude überwiegt«. In den letzten Wochen habe Katharina sich intensiv auf ihre Zeit in der weißrussischen Metropole vorbereitet. Besonders geholfen habe ihr ein Praktikum bei der Lebensgemeinschaft Bingenheim. Dort hat sie eine Woche lang sieben Kinder mit Behinderungen betreut. Dabei konnte sie sogar Tipps in Sachen Studium ergattern. »Sozialpädagogik - das hat mir eine Erzieherin dort geraten. Ich glaube das passt«, sagt Katharina und lächelt. Wenn das Jahr in der sozialen Einrichtung gut läuft, dann wisse sie, was sie studieren werde. »Wenn’s nicht klappt, geh’ ich in die Wirtschaft«, fügt sie selbstbewusst hinzu.
Beruhigt har Katharina auch das »Weltwärts«-Seminar in Bonn. Dort lernte sie eine Gruppe Freiwilliger kennen, die zu Projekten in die Ukraine, nach Moldawien oder nach Armenien reisen. Zwar war die Echzellerin die einzige Freiwillige der Gruppe in Belarus, doch habe sie mit den neu gewonnenen Freunden bereits Treffen sowie Reisen in den umliegenden Ländern geplant. Auch beim Zwischenseminar im Frühjahr, in Moldawien, werden sich die Jugendlichen wiedersehen. Zudem müssen die Freiwilligen alle drei Monate einen Bericht verfassen, über Erlebnisse und Lernprozesse. »Langweilig wird mir bestimmt nicht«, sagt Katharina.