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Siebzehn Stolpersteine, über die niemand fallen soll

Artikel vom 11.05.2010 - 13.00 Uhr

Siebzehn Stolpersteine, über die niemand fallen soll

Butzbach (en). Gunter Demnig stattete der Stadt gestern wieder einmal einen Besuch ab. Und wieder war es ein »Arbeitsbesuch«: Beginnend in der Wetzlarer Straße, baute der Kölner Künstler am Mittag zwei Stunden lang »Stolpersteine gegen das Vergessen« ins Pflaster ein. Mit ihnen erinnert er an jüdische Mitbürger und andere Verfolgte des Nazi-Regimes, die einst in Butzbach lebten und dann dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer fielen.
Stolpersteine, über die die Leute nicht fallen, die ihnen aber auffallen sollen: Gunter Demnig in der Wetzlarer Straße.	(Foto: N
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Stolpersteine, über die die Leute nicht fallen, die ihnen aber auffallen sollen: Gunter Demnig in der Wetzlarer Straße. (Foto: Nici Merz)
Zum ersten Mal in Butzbach arbeitete Demnig im Februar 2009, damals verlegte er 15 Steine in der Griedeler Straße. Für seine Idee reist er seit 1997 durch ganz Europa und hat schon mehr als 20 000 Erinnerungssteine selbst verlegt. Die Initiative in Butzbach geht auf einen Antrag der Grünen im Stadtparlament zurück.

Für 17 Opfer von Tyrannei, Barbarei, Rassenwahn und Menschenverachtung in der Zeit des Nationalsozialismus kam der Kölner gestern nach Butzbach: Für die jüdische Familie Bryt (Cejmach Uszer und Laja Bryt geb. Rabinowitz, ihre Tochter Dora) und für den Bibelforscher (Zeugen Jehovas) Georg Lutz baute er vier Steine vor dem Haus Wetzlarer Straße 19 ein, für die jüdische Familie Rosenblatt (Leopold und Paula Rosenblatt geb. Löwenstein und ihre Tochter Trude) und für den jüdischen Mitbürger Adolf Krämer vor dem (heute nicht mehr stehenden) Haus Wetzlarer Straße 31 (am Hallenbad), für die jüdische Familie Max Mayer (Max und Berta Mayer geb. Gottlieb und ihre Tochter Elisabeth) vor der Rossbrunnenstraße 15, für das jüdische Ehepaar Isidor und Jettchen Krämer geb. Herz und ihre Verwandten, die Witwe Berta Krämer geb. Hess und das Ehepaar Benni und Herta Tannenbaum geb. Krämer vor dem Haus Weiseler Straße 24 (gegen Kriegsende zerstört) sowie für den christlichen Gewerkschafter und Kaufmann Hubert Timmer am Haus Weidigstraße 5/Ecke Waldstraße. Hubert Timmer starb im Gefängnis Frankfurt-Preungesheim, alle anderen wurden in deutschen Konzentrations- oder Vernichtungslagern ermordet.

Nach der Stolpersteinverlegung eröffnete Bürgermeister Michael Merle den zweiten Teil der Gedenkveranstaltung im Museum. Er dankte dem Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz, den Butzbacher Schulen für den »Stolpersteinlauf« am 26. März, bei dem ein hoher Geldbetrag für das Stolpersteinprojekt zusammengekommen sei.

Museumsleiter Dr. Dieter Wolf ließ in seiner Präsentation mit dem Titel »Hinter jedem Namen steckt ein Menschenleben« die Schicksale der 17 NS-Opfer aus Butzbach Revue passieren, deren gestern gedacht wurde.

Für die in Butzbach und den Stadtteilen geplanten mehr als 100 Stolpersteine hat sich bereits eine Reihe von engagierten Privatleuten, Verbänden und Institutionen bereit erklärt, einen oder mehrere Steine zu stiften. Etliche Bürger und Gruppen streben Patenschaften für bestimmte Einzelsteine an.

Dazu gehört auch der verdi-Kreisvorstand: Er beschloss nach Auskunft des stellvertretenden Vorsitzenden Michael Fritz (Butzbach), den Stein für Hubert Timmer zu stiften. Wie kein anderer NS-Gegner in Butzbach sei Timmer über viele Jahre verleumdet und in aller Öffentlichkeit verhöhnt worden.

Wer sich ebenfalls engagieren möchte, kann sich im Museum näher informieren.

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Artikel vom 11.05.2010 - 13.00 Uhr
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