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Nach 116 Jahren: Gaststätte Sommerlad schließt

Artikel vom 30.12.2011 - 09.00 Uhr

Nach 116 Jahren: Gaststätte Sommerlad schließt

Butzbach (ceb). Am Freitag geht eine Ära zu Ende: Nach 116-jähriger Geschichte wird in der Gaststätte Sommerlad zum letzten Mal die Wirtshaus-Tür geöffnet. Ganz auf Hackbraten, Schlachtplatte und weitere Leckereien aus eigener Schlachtung verzichten müssen die Butzbacher aber nicht. Die zugehörige Metzgerei bleibt bestehen.

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Die Gaststätte Sommerlad hat heute ein letztes Mal geöffnet. Danach werden die Räume des Lokals wohl vermietet. (Fotos: Ebert)
Ab Samstag wird der Zapfhahn der Gaststätte stillstehen. »Die Zeiten haben sich geändert. Wer von den jungen Leuten geht denn noch in eine Gaststätte, um einen Strammen Max zu essen?« fragt Inhaber Michael Nicol. Zudem hätten die jüngsten Mitglieder der Familie andere berufliche Wege eingeschlagen, begründet er das Aus des Lokals.

»Es ist nicht leicht für mich, dass wir die Wirtschaft jetzt zumachen«, sagt Michael Nicols Mutter Hanni. Im nächsten Jahr wird sie 86 Jahre alt. Bereits als junges Mädchen half sie im Familienbetrieb mit, noch heute steht Hanni Nicol hinter der Verkaufstheke der Metzgerei. »Früher habe ich auch noch in der Gaststätte bedient. Wo was zu tun war, habe ich mitangepackt.« In all den Jahren habe sie viel erlebt, gute aber auch schwere Zeiten durchgemacht.

Nach dem Krieg folgt der Aufbau

Durch die Bombenangriffe auf Butzbach im Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der Gebäude in der Weiseler Straße zerstört. Auch die Sommerlads waren betroffen. Die Familie steckte ihre ganze Kraft in den Wiederaufbau. Man habe noch einmal von vorn beginnen müssen.

»Ich bin schon immer gefordert worden«, erzählt Hanni Nicol. Seit ihr Mann Hans vor 32 Jahren verstarb, liegt die Verantwortung für Gastwirtschaft und Metzgerei bei ihr. Die Geschäfte weiterzuführen sei für sie selbstverständlich gewesen. Aber nur dank der Familie und des guten Personals habe sie es letztlich auch geschafft. Große Hilfe sei stets ihr Sohn Michael gewesen. Als Metzger-Meister sorgte er dafür, dass die Teller der Gäste im Wirtshaus nicht leer blieben. Auch für die Wurst- und Fleischtheke der Metzgerei ist er verantwortlich.

Wirtschaft und Metzgerei gehörten schon immer zusammen. »Das ist das Besondere an uns«, sagt Michael Nicol. »Das Essen, das bei uns auf den Tisch kommt, gibt es nur in einer Kneipe mit angeschlossener Metzgerei.« Kochfleisch, Tartar, Schlachtplatte – auf den Speisekarten der übrigen Butzbacher Lokale seien solche Gerichte kaum noch zu finden. »Wir sind außerdem ein Lokal, bei dem der Kunde noch sicher weiß, wo das Fleisch, das er isst, herkommt.« Das Familienunternehmen habe immer schon auf regionale Lebensmittel gesetzt. »Es kommt für uns nicht in Frage, unsere Produkte woanders zu beziehen«, erklärt Nicol. Das in der Metzgerei verarbeitete Fleisch stamme ausschließlich von Bauernhöfen aus der Region, die Kartoffeln kämen von Erzeugern rund um Butzbach, und das Gemüse wachse im eigenen Garten. Selbst beim gezapften Bier werde keine Ausnahme gemacht: Seit 1895 liefere die Butzbacher, kurz darauf die Licher Brauerei.

Mittagstisch bleibt bestehen

Ganz müssen die Butzbacher auf die Hausmannskost aus dem Hause Sommerlad nicht verzichten: »Die heiße Theke und der Mittagstisch in der Metzgerei bleiben erhalten« sagt Michael Nicol.

Hanni Nicol will keineswegs in den Ruhestand gehen: »Ich stehe weiterhin hinter der Metzgerei-Theke. So lange ich noch kann, mach’ ich weiter.«

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Artikel vom 30.12.2011 - 09.00 Uhr
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