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»Denkt positiv, verwirklicht eure Träume«

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Artikel vom 22.12.2009 - 20.31 Uhr

»Denkt positiv, verwirklicht eure Träume«

Butzbach (bd). Für 50 Angehörige der Laufgruppe der Butzbacher JVA gab es kürzlich eine höchst interessante Abwechslung vom normalen Knastalltag. Auf Einladung des Fliedner-Vereins, der in diesem Jahr sein 60. Gründungsjubiläum feiert, war der deutsche Triathlet Andreas Niedrig (42) in die Anstalt gekommen.
Andreas Niedrig (2. von links) mit Fliednerverein-Geschäftsführer Ulrich Hinkel, dem Vorsitzenden Mirko Schulte und Anstaltspfar
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Andreas Niedrig (2. von links) mit Fliednerverein-Geschäftsführer Ulrich Hinkel, dem Vorsitzenden Mirko Schulte und Anstaltspfarrer Tobias Müller-Monning (von links). (Foto: Dörr)
Im Aufenthaltsraum, in dem sonst die Gefängnis-Band übt oder Gottesdienste gefeiert werden, erzählte der ehemalige Vizeweltmeister »frei von der Leber weg« aus seinem Leben.

Fliednervereinsvorsitzender Mirko Schulte, Geschäftsführer Ulrich Hinkel, JVA-Leiter Jörg-Peter Linke und Anstaltspfarrer Tobias Müller-Monning stellten den Gefangenen den drahtig wirkenden Triathleten vor: Hier spreche einer, der in seinem Leben sowohl die falsche Welt der Drogen als auch das harte Leben hinter Gittern und alles, was damit zusammenhänge, kennengelernt habe. In Niedrigs freimütigen Erzählungen, an die sich eine eifrige Frage-Antwort-Runde anschloss, gab es für die aufmerksam lauschenden Gefangen so manches »Aha«-Erlebnis.

Denn Triathlet Niedrig, der tief in eine Drogen-Karriere gerutscht war, aus der er erst im letzten Moment heraus kam, berichtete ohne Schönfärberei ehrlich und ohne Selbstmitleid von seinem bisherigen Lebensweg.

Aufgewachsen sei er mitten im Ruhrgebiet in einer »Durchschnittsfamilie«, seine Drogenkarriere habe in jungen Jahren in der Raucherecke der Schule begonnen. Bald seien Koks, Speed und LSD täglich in seinen Körper gelangt. Nach der neunten Klasse sei er von der Schule abgegangen, habe die Elektriker-Ausbildung »geschmissen«, sei als Zeitsoldat zur Bundeswehr gegangen.

In Sachen Drogen sei es ihm gegangen wie den meisten Abhängigen: »Sie glauben, nicht abhängig zu sein und bekommen überhaupt nicht mit, dass um sie herum alles zusammenbricht. Mit dem privaten Glück kam die Abkehr von der Droge, doch eine Heroinpfeife führte ihn wieder in den Abgrund - und viel tiefer als zuvor.

Niedrig lebte auf dem Schrottplatz und in abgestellten Eisenbahnwaggons. Er wurde immer häufiger bei Diebstählen erwischt, eine erste Therapie brach er sofort wieder ab, doch die zweite habe er eisern durchgehalten. Niedrig begann, sein Leben wirklich zu ändern, kam nach 14 Monaten wieder nach Hause und bekam die Chance, eine Umschulung zum Orthopädiemechaniker zu machen.



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Artikel vom 22.12.2009 - 20.31 Uhr
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