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Butzbacherin trifft Bundespräsidenten

Artikel vom 07.01.2012 - 18.30 Uhr

Butzbacherin trifft Bundespräsidenten

Butzbach-Griedel (sda). Bundespräsident Christian Wulff sorgt derzeit für Schlagzeilen – und zwar nicht für positive. Heike Susanne Müll freut sich trotzdem auf das Treffen mit ihm. Am Donnerstag, 12. Januar, wird die gebürtige Butzbacherin am Neujahrsempfang im Schloss Bellevue teilnehmen.

Heike Müll fährt ins Schloss Bellevue.
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Heike Müll fährt ins Schloss Bellevue.
Kurz vor Weihnachten hatte die 44-Jährige die Einladung erhalten, in der es heißt, sie habe sich um das »Wohl der Bürger verdient gemacht«.

Zählt Heike Susanne Müll ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten auf, so scheint die Liste kein Ende zu nehmen: Sie arbeitet als hessische Finanzrichterin und Sozialrichterin in Gießen, ist als Versichertenberaterin der Deutschen Rentenversicherung tätig, und sie hat die Stellen der Personalrätin und Verwaltungsrätin bei der Sparkasse Oberhessen inne. Außerdem hat sie ihren heimischen Keller in Griedel zu einem Büro umfunktioniert: Von dort aus unterstützt sie Menschen dabei, staatliche Anträge auszufüllen. »Ein Rentenantrag ist etwa 30 Seiten lang. Wenn man sich nicht auskennt, ist es sehr schwer, durchzublicken«, sagt Müll. Dort beginnt ihr Einsatz: Renten-, Schwerbehinderten- und Arbeitslosengeldanträge, die Butzbacherin hilft beim Ausfüllen.

Seit einem halben Jahr betreibt sie das Büro in Griedel, »inoffiziell mache ich das aber schon seit 20 Jahren«, erzählt sie. Ihre Motivation: »Ich war selbst zweimal sehr krank und habe erfahren, was es bedeutet, auf sich alleine gestellt zu sein.« Weil sie nicht wolle, dass Menschen wegen Krankheit oder Behinderung ausgegrenzt würden, habe sie sich immer mehr in die Materie hineingearbeitet.

»Dank ist wichtiger als Geld«

All das macht die 44-Jährige in ihrer Freizeit neben ihrem Beruf als Gesundheitsberaterin bei der Sparkasse. Geld verlangt sie nicht für ihr Engagement. »Die Dankbarkeit, die ich zurückbekomme, ist für mich viel wichtiger«, sagt sie. »Menschen kommen weinend in mein Büro, aber wenn sie gehen, haben sie neuen Mut gefasst«, berichtet Müll. Das sei viel mehr wert als ein Händeschütteln mit dem Bundespräsidenten. Aber als die Einladung einige Tage vor Weihnachten in ihrem Briefkasten lag, habe sie sich dennoch sehr gefreut. »Mein Mann hatte die Post geholt und mich gefragt, was ich angestellt hätte.« Denn der große Umschlag trug einen Stempel des Bundespräsidialamts.

»Wulff ist auch nur ein Mensch«

Wie der Bund auf ihre Tätigkeiten aufmerksam geworden ist, weiß Müll nicht genau. Ihre Vermutung: »Ich betreue sehr viele Menschen in Florstadt, wahrscheinlich steckt jemand aus dieser Gruppe dahinter.« Zwar rückt die Reise nach Berlin immer näher, aufgeregt ist die Butzbacherin aber nicht: »Auch der Bundespräsident ist nur ein Mensch«, sagt sie. Und dass Christian Wulff gerade sehr umstritten in seiner Rolle als Staatsoberhaupt ist, sei für Müll unwichtig: »Die Schlagzeilen um ihn kann ich gut ausblenden, da ich ja für meine Verdienste eingeladen wurde.«



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