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Wird ehemalige Synagoge Großen-Buseck Gedenkstätte?

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Artikel vom 11.01.2014 - 20.00 Uhr

Wird ehemalige Synagoge Großen-Buseck Gedenkstätte?

Buseck (rüg). Seit einigen Wochen steht das bis 1938 als Synagoge genutzte Haus Anger 10 in Großen-Buseck leer, die letzte Mieterin ist im Herbst vergangenen Jahres ausgezogen. Das denkmalgeschützte Gebäude könnte eine Gedenkstätte und ein Begegnungszentrum werden.

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Anger 10: Die ehemalige Synagoge in Großen-Buseck. Das denkmalgeschützte Gebäude könnte eine Gedenkstätte und ein Begegnungszentrum werden. (Foto: rüg)
Eine Beschwerde der fürstlichen Superintendenten und des fürstlichen Konsistoriums über die »Vierer und Ganerben« beim Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt ist der bislang älteste, mittlerweile 275 Jahre alte Beleg für das Vorhandensein eines jüdischen Gotteshauses in Großen-Buseck.

Die Reichspogromnacht vor gut 75 Jahren, am 9. November 1938, leitete auch im Busecker Tal das Ende des jüdischen Lebens ein. Der Gedenktag rückte das denkmalgeschützte Gebäude wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Um seinen Erhalt und die Einrichtung einer Gedenkstätte dort engagieren sich unter anderem die Arbeitsgruppe Anger 10 und der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) Buseck.

Die nachweisbaren Anfänge der Synagoge in Großen-Buseck reichen 275 Jahre zurück. Der teilweise erhaltene Schriftwechsel aus den Jahren 1739 bis 1742 dreht sich um die Unzufriedenheit der Beschwerdeführer mit den adligen Herren des Busecker Tals, die über eine eigene Gerichtsbarkeit verfügten und in ihrem Machtbereich viele jüdische Familien siedeln ließen und ihnen erlaubten, eine Synagoge zu bauen. Nun würden sich diese Herren auch noch »anmaßen«, eine weitere Synagoge in Beuern zu gestatten.

Erste Synagoge in Kaiserstraße

Zielperson der Kritik war Friedrich Ludwig zu Buseck, genannt Münch, der im Alter von 76 Jahren kurz vor Weihnachten 1750 in Winnerod verstarb. Über den Ausgang des Prozesses gibt es nach jetzigem Kenntnisstand keine Unterlagen oder Akten mehr.

Als gesichert gilt, dass die Großen-Busecker Juden ihre schon vor 1739 vorhandene Synagoge renovierten und die Beuerner eine solche bauten, »denn am 16. Februar 1751 nahm der Vorstand der Judenschaft hierfür einen Kredit von 115 FL (Gulden) auf. Dieser war erst 80 Jahre später, 1830, abgetragen«, berichtete die Arbeitsgruppe Anger 10 im Rahmen einer Ausstellung am Busecker Samstag Ende November 2013.

Die erste (nachweisbare) Großen-Busecker Synagoge stand im Hof des Anwesens Kaiserstraße 13, der sogenannten Judengasse, dessen Haupthaus an der Straße mit der Aufschrift »Lager und Verkauf der Genossenschaftsbank« 1988 für den Bau der jetzigen Volksbank abgerissen worden war.

Wie in allen größeren jüdischen Gemeinden war auch der Großen-Busecker Synagoge eine jüdische Schule mit Lehrerwohnung angegliedert. In der sogenannten »Jirreschul« lernten die Kinder ihre Religion kennen und ein wenig Lesen und Schreiben. Mit Edikt des Großherzogs Ludwigs II. von Hessen-Darmstadt wurde die Judenschule zur israelitischen Elementarschule. Sie unterstand dem Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde, die Elementarschule der christlichen Kinder dagegen dem örtlichen Pfarrer.

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Artikel vom 11.01.2014 - 20.00 Uhr
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