Buseck (rüg). Der Kindergarten-Neubau in Großen-Buseck stellte sich im Laufe der Podiumsdiskussion, zu der der »Gießener Anzeiger« für Donnerstagabend im Vorfeld der Bürgermeister-Direktwahl am 27. September ins Kulturzentrum am Schlosspark eingeladen hatte, als das am längsten diskutierte Thema heraus, an dem die unterschiedlichen Positionen der beiden Bewerber um den Bürgermeisterposten - Amtsinhaber Erhard Reinl (FWG) und Herausforderer Norbert Weigelt (SPD) - deutlich wurden. Und so resümierte Moderator Dr. Andreas Emmerich am Ende: Die Kontrahenten hätten zwar zu fast keinem Thema eine übereinstimmende Meinung, übten jedoch einen fairen und sachlichen Umgang miteinander.
Sachlich diskutiert, aber wenig Übereinstimmung in den Positionen: Bürgermeister Erhard Reinl (links), SPD-Herausforderer Norbert Weigelt (rechts) und Moderator Dr. Andreas Emmerich (Mitte). (Foto: rüg)
Rund 160 interessierte Zuhörer waren ins Kulturzentrum gekommen, um sich ein Bild von den beiden Kandidaten zu machen, die nach 2003 schon zum zweiten Mal mit ihrer Bewerbung um das Amt des Busecker Verwaltungschefs aufeinander treffen. Vor sechs Jahren hatte Reinl deutlich mit knapp über 70 Prozent gewonnen und am 1. Januar 2004 seine zweite Amtszeit angetreten.
Ob es nach zwölf Jahren Zeit sei für »frischen Wind im Schloss«, wie es Weigelt fordere, wollte Emmerich wissen. Reinl sagte, er mache keinen Wind, sondern handele »sachlich orientiert und ausgewogen«, bemühe sich immer um einen Konsens zwischen allen Fraktionen, was in der Vergangenheit schon oft gelungen sei, »und darauf bin ich auch stolz«. Weigelt hielt dagegen: Seit der Gebietsreform habe es in der Busecker Gemeindeverwaltung ausschließlich von den Freien Wählern gestellte Bürgermeister gegeben. Diese lange gewachsenen Strukturen müssten aufgebrochen werden.
Stichwort »Neubau Georg-Diehl-Kindertagesstätte«: 2,2 Millionen Euro seien dafür vorgesehen. Sollte man die nicht besser mehr in die Pädagogik als in die Architektur stecken, spielte Emmerich auf das sogenannte »Bayreuther Modell« an. Reinl erinnerte daran, dass dieser Betrag zwar im Haushalt stehe, die Kosten aber noch nicht feststünden. Die Entwürfe lägen vor und müssten nun noch »auf Vordermann gebracht werden«, um sie dann in die politischen Gremien zu geben. Reinl unterstrich, dass der Kindergarten-Neubau auf 50 Jahre ausgerichtet sein müsse und daher nach den modernsten pädagogischen Erkenntnissen konzipiert werde. Das sei auch in der Vergangenheit immer so gewesen, beispielsweise in Trohe. Damals habe es keinen Neidgedanken gegeben.
Weigelt: Pädagogisches Konzept hat Vorrang
Mitbewerber Weigelt bezeichnete sich als einen »Kritiker des Plans nach dem Bayreuther Modell«. Dort habe die Kita vor Jahren schon 2,6 Millionen Euro gekostet. Konzipiert sei sie für schwer erziehbare Kinder, »eine Klientel, die wir in Buseck nicht haben«. Ebenso habe es in Bayreuth viele Spenden gegeben, auch dies sei in Buseck nicht zu erwarten. Weigelt gab zu bedenken, dass zuerst ein pädagogisches Konzept stehen müsse und dann das Haus darum herum konzipiert werde - »nicht umgekehrt«. Die Gremien müssten nun schnellstens mit den Plänen befasst werden. Außerdem sei zu beachten, dass während des laufenden Betriebes neu gebaut werde: »Ich rate von einem Umzug ins alte Feuerwehrhaus ab und bin eher für eine Containerlösung.«
FWG-Gemeindevorstandsmitglied Walter Steinbrecher wollte von Weigelt wissen, ob er das pädagogische Konzept des Bayreuther Kindergartens kenne und wie er sich den Neubau denn vorstelle. Weigelt erklärte, er habe sich intensiv mit Bayreuth auseinander gesetzt, »aber wir haben hier weder das pädagogische Problem wie dort, noch das Geld dafür«. Der SPD-Kandidat weiter: »Ich leite einen Kindergarten und habe ihn mitgebaut, ich weiß, wovon ich spreche.« In Buseck gebe es aber bislang keine Betreuung in Familiengruppen vom ersten bis zehnten Lebensjahr, sondern lediglich die Betreuung von drei bis zehn Jahren - anders als in Bayreuth. Weigelt erinnerte daran, dass ursprünglich einmal 1,3 Millionen Euro für den Neubau als ausreichend angesehen worden seien.