Büdingen (sax). Die Vielfalt der Gesteinsformationen um Büdingen beeindruckt Thomas Reischmann von der Abteilung geologische Grundlagen beim Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Lothar Keil hatte ihn eingeladen, um vor Ort sein Projekt der geologisch-historischen Perlenkette vorzustellen, die Sehenswürdigkeiten aus diesen Bereichen verbinden und für Besucher erschließen soll.
Wenn Thomas Reischmann eine geologische Form untersucht, hat er immer ein Hämmerchen dabei, um an die nicht verwitterten Teile heranzukommen.
Auch die Vermessung des Wilden Steins wurde bei dieser Gelegenheit besprochen. Die Forscher gehen davon aus, dass der Basaltschlot größer ist als die oberhalb der Stadt sichtbaren Basaltfelsen. Die Ausdehnung wäre an Störungen des Magnetfelds der Erde messbar, weil der Basalt gegenüber dem umgebenden Sandstein einen größeren Eisenanteil aufweist. Auch die elektrische Leitfähigkeit des Bodens wird dadurch beeinflusst. »Man sieht eine magnetische Anomalie, und die kann man interpretieren«, erläuterte Reischmann das Verfahren. »Wenn alles gut läuft, kann man sehen, wie groß der Körper ist.«
Die Ergebnisse solcher Untersuchungen seien nicht nur wissenschaftlich interessant, betonte er. Die konkurrierende Nutzung der Bodenschätze Wasser und Basalt mache gerade im Vogelsberg ein fundiertes Wissen über geologische Zusammenhänge notwendig. Reischmann nannte die missglückte Erdwärmebohrung vor dem Finanzministerium in Wiesbaden als spektakuläres Beispiel, wie durch Kenntnisse der geologischen Struktur Schaden hätte vermieden werden können. Anfang November hatten Arbeiter versehentlich eine Grundwasserblase in 130 Meter Tiefe angebohrt. Bis zu 6000 Liter Wasser pro Minute ergossen sich in den folgenden Tagen in einen angrenzenden Park.
Basaltkugeln an einer Felswand
Fast alle anderen Geotope, die Keil durch die Perlenkette verbinden will, sind im Unterschied zum Wilden Stein weitgehend unbekannt. Viele liegen versteckt im Wald. Ehemalige Steinbrüche erlauben oft den Einblick in die Erdgeschichte. So entdeckte Keil, der das Sandrosen-Museum in Büdingen betreibt, in einer Felswand Dutzende dicht an dicht gepackter Basaltkugeln. Mit etwas Bedauern kommentierte Reischmann: »Wenn man es gewusst hätte, hätte man es in den Vogelsbergführer mit aufnehmen können.«
In dem geologischen Führer durch das Vulkangebiet, den das HLUG herausgegeben hat, findet sich keine vergleichbare Formation. »Ich habe im Vogelsberg nur ein oder zwei Steinbrüche gesehen, in denen es etwas Ähnliches gibt«, erklärte Reischmann. Er deutet die ungewöhnliche Struktur als Verwitterungserscheinung innerhalb eines Lavastroms. Dass die Kugeln mit wachsendem Abstand vom Waldboden weniger würden und der Basalt stattdessen eine homogenere Struktur zeige, sei ein Zeichen hierfür.