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Gesundheitsreport: »Psychiatrien platzen aus allen Nähten«

Artikel vom 26.10.2011 - 12.00 Uhr

Gesundheitsreport: »Psychiatrien platzen aus allen Nähten«

Wetteraukreis (sda). Wie krank ist die Wetterau? Mit dieser Frage hat sich der Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) beschäftigt. Das Fazit: Zwar sei der Krankenstand der erwerbstätigen DAK-Mitglieder in den letzten zehn Jahren nicht gestiegen, aber im hessenweiten Vergleich seien die Wetterauer häufig krank.

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Wie krank ist die Wetterau? (v.l.) Leiter der Psychiatrie, Dr. Uwe Rapp, Claus Uebel, Pressesprecher der hessischen DAK, und Serviceleiter Günter Seidel bei der Pressekonferenz. (Foto: sda)
Zudem hätten Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen enorm zugenommen, vor allem junge Menschen seien betroffen.

Am Dienstag stellte der Friedberger DAK-Chef Günter Seidel die Ergebnisse im Marienhospital Büdingen vor. Auch Dr. Uwe Rapp, Chefarzt der Psychiatrie, äußerte sich zu auftretenden Problemen junger Arbeitnehmer.

Die Ergebnisse des Reports stammen aus rund 3000 telefonischen Umfragen der Krankenkasse aus dem Jahr 2010. Die Befragten waren zwischen 18 und 29 Jahre alt. Zudem bezog die Kasse Angaben zu Fehltagen aus den Krankmeldungen der Versicherten. Demnach seien in der Wetterau von 1000 bei der DAK versicherten Arbeitnehmern 39 krankgeschrieben. Innerhalb der 21 hessischen Landkreise nimmt die Wetterau somit Platz fünf bei den häufigsten Krankmeldungen ein.

Psychische Krankheiten nehmen zu

Die Gründe für das Fehlen am Arbeitsplatz seien vielschichtig: An erster Stelle stehen Probleme im Bewegungsapparat. Darunter fallen Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden oder Knieprobleme. Aber auch Erkrankungen wie Grippe oder Bronchitis sorgten im Vorjahr für regen Andrang in den Wetterauer Wartezimmern.

Beunruhigend sei, dass die Zahl der psychisch Erkrankten im Kreis um vier Prozent zugenommen habe, sagte der DAK-Chef. Durch Erkrankungen wie Depressionen fehlten die Betroffenen meistens für einen längeren Zeitraum am Arbeitsplatz. Einige der Befragten gaben an, sich an ihrem Arbeitsplatz unterfordert zu fühlen. Weitaus schwerwiegender sei jedoch das Gegenteil: eine Überforderung im Beruf. Denn die Hälfte aller Befragten habe ihren Arbeitsalltag als belastend empfunden. Durch Leistungsdruck, Konkurrenz und der ständigen Arbeitsplatzunsicherheit seien auch zunehmend Berufseinsteiger betroffen. Zwar beurteilten 75 Prozent aller jungen Arbeitnehmer ihre Gesundheit als gut , dennoch würden die unter 30-Jährigen häufiger krankgeschrieben als ihre älteren Kollegen, dafür aber meist kürzer, berichtete der DAK-Chef. Im deutschlandweiten Vergleich liege der Krankenstand dieser Gruppe jedoch deutlich unter dem Durchschnitt.

Auch Rapp bestätigte die Zunahme junger Patienten in der Psychiatrie: »Die Kliniken platzen aus allen Nähten.« Der Chefarzt habe beobachtet, dass das Bewusstsein für Depressionen zugenommen habe. »Vor allem durch den Selbstmord von Fußballtorhüter Robert Enke ist das Thema auch in den Medien ausführlich diskutiert worden«, sagte Rapp. Die Menschen seien aufgeschlossener gegenüber dem Thema geworden. »Viele kommen mit einem berufsbezogenen Auslöser zu uns«, erklärte der Psychiater. Da viele Arbeitgeber Personal einsparten, sei der Druck am Arbeitsplatz in den letzten Jahren stark gestiegen. Auch würden soziale Kompetenzen wie Eigenverantwortung oder Kommunikationsfähigkeit im Beruf immer stärker gefordert. Diese Voraussetzungen überforderten viele jungen Menschen. Probleme träten aber auch bei den über 28-Jährigen auf: Diese Leute hätten den Einstieg gemeistert, seien aber dann, oft in Führungspositionen, völlig überfordert, da sie nur noch für die Arbeit lebten und sich keine Freizeit mehr gönnten. Für seine Patienten hat Rapp einen Rat: »Anstatt 99 Prozent reicht es, wenn man 80 Prozent aus sich herausholt.«

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Artikel vom 26.10.2011 - 12.00 Uhr
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