Wetteraukreis/Büdingen
(sax). Einen ungewöhnlichen Ansatz wählte der Wetteraukreis für die Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht, mit der die systematische Verfolgung der Juden in Deutschland am 9. November 1938 einen ersten Höhepunkt fand.
Alex Steder (l.) von der Antifaschistischen Bildungsinitiative dankt dem Initiator der Ausstellung, Martin Guse.
Durch eine Ausstellung im Büdinger Heuson-Museum über die Kinder-Konzentrationslager Moringen und Uckermark wurde an einen weitgehend unbekannten Aspekt des nationalsozialistischen Terrors erinnert.
Die Kreistagsvorsitzende Stephanie Becker-Bösch betonte, dass der 9. November in vielerlei Hinsicht ein Schicksalstag in der deutschen Geschichte sei. Angefangen mit dem Ende der Monarchie und dem Beginn der Weimarer Republik 1918 über den gescheiterten Putschversuch Hitlers 1923 bis zur Pogromnacht 1938. Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Auflösung der DDR gebe es aber auch ein besonders erfreuliches Ereignis, das an diesem Datum stattgefunden habe. Der 9. November 1938 sei auch nach 73 Jahren noch ein wichtiger Anlass zur Erinnerung. An diesem Tag hätten die Nationalsozialisten endgültig ihre Maske fallen gelassen.
Verantwortung für das historische Erbe
»Wir sind nicht verantwortlich für die Taten unserer Eltern und Großeltern, wir tragen keine Schuld am Leiden der Ermordeten«, erklärte Becker-Bösch mit den Worten des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, »aber wir sind verantwortlich dafür, wie wir mit diesem historischen Erbe umgehen.« Die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis solle verhindern, dass sich solche Ereignisse wiederholten.
Deshalb unterstütze der Wetteraukreis Fahrten von Schulklassen und Jugendgruppen zu Gedenkstätten des nationalsozialistischen Terrors. Mehr als 1700 Schüler hätten 2011 die Möglichkeit erhalten, sich mit dem »Holocaust und der Barbarei des NS-Staates« auseinanderzusetzen. »Wer die Gaskammern in Auschwitz oder die Todeszellen in Osthofen gesehen hat, der hat etwas für sein ganzes Leben gelernt«, ist Becker-Bösch überzeugt.
Kreistagsvorsitzende Stephanie Becker-Bösch und Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl. (Fotos: Potengowski)
Auch Bürgermeister Erich Spamer bekannte, dass ihn der Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald zutiefst beeindruckt habe. »Für mich war und ist unfassbar, dass Menschen so grausam sein können.« Zum Umgang mit der Geschichte zitierte er den britischen Historiker Ian Kershaw, der trotz einer gewissen Hoffnungslosigkeit forderte, »in einer Zeit, in der Ignoranz und Mythen rassistische Intoleranz sowie faschistische Illusionen und Idiotien wiederaufleben lassen, lohnt es sich mehr denn je, sich diese Wahrheiten immer wieder in Erinnerung zu rufen.«