Hohenahr/Biebertal (so). Seit Jahren schon ist das einstige NATO-Tanklager zwischen Frankenbach und Erda im Wald ungenutzt. Lange vorbei die Zeit, als Tankzüge am Dünsberg vorbei Richtung Rodheim und Gießen talwärts donnerten. Der Kalte Krieg ist Geschichte, die Tanks sind leer, der Wald wächst und grünt - aber noch immer gibt es keine Nachfolgenutzung für das Areal. Der Bund als Eigentümer versucht, die Fläche zu vermarkten - dies natürlich im Dialog mit der Gemeinde Hohenahr.
Hinter diesen Toren schlummern 162 000 Quadratmeter Land plus Infrastruktur mit Erdtanks - und die Idee eines Solarparks (Foto: sha)
Aktuell gibt es da einen neuen Anlauf, vergangene Woche endete die Bieterfrist. Und es gibt einige Interessenten, bestätigt Frank-Michael Kreis von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, deren Regionaldirektion für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland im Koblenzer Schloss residiert. Doch ob einer der Bieter den Zuschlag erhält - und ob die potenziellen Käufer ihre Angebote aufrechterhalten, ist aufgrund aktueller Änderung von Vorzeichen in Berlin mit Fragezeichen versehen.
Die Idee ist, das Areal mit den freigestellten unverschatteten Flächen und gegebenenfalls noch zu rodenden Waldstücken in einen Photovoltaik-Park zu verwandeln. »Wir haben Interessenten - für diese und für anders gelagerte Nutzung«, so Kreis auf Anfrage.
Über Zahlen schweigt er sich zum jetzigen Zeitpunkt aus nachvollziehbaren Gründen aus. Denn es gibt noch immer die Möglichkeit, dass ein weiterer potenzieller Kunde auf den Plan tritt. Das ist so lange drin, bis sich der Bund als Verkäufer mit einem Käufer handelseinig ist. Geboten wird eine komplett eingezäunte Fläche von mehr als 16,2 Hektar. 3,3 Hektar davon sind bebaut und befestigt, der Rest ist Wald. Seit Mitte der 70er Jahre wurde das Gelände militärisch genutzt, zuletzt, bis 2006, von der Bundeswehr als Tanklager. Es finden sich dort eine Trafostation, Wach- und Betriebsgebäude, eine Druckerhöhungsstation, gar ein Kraftstoffproben-Raum, ein Pumpen- und Maschinenhaus sowie fünf unterirdische Kerosin-Tanks. Sämtliche Tanks und Leitungen wurden fachgerecht entleert, gereinigt und gelüftet, versichert der Bund als Verkäufer, und legt Prüfgutachten vor. Altlasten soll es ebenfalls keine geben. Im Flächenutzungsplan war es bislang »Sondergebiet für militärische Nutzung«, doch das entfällt nun. Die Gemeinde Hohenahr möchte Flächennutzungsplan und Bebauungsplan idealerweise im Dialog mit dem künftigen Nutzer gestalten.
Photovoltaik ist da das Zauberwort. Doch ob diese Lösung bis zum Sommer gelingt, ist fraglich. Einen Strich durch die sonnigen Pläne könnte Berlin machen: Aktuell wird die Förderung geändert - gravierend womöglich für solche großflächigen Vorhaben auf der grünen Wiese. Wenn da zum 30. Juni die Förderung runtergeschraubt wird oder gar entfällt, könnte es sein, das sich der eine oder andere Bieter die Sache nochmals überlegt - oder aber zumindest neu kalkuliert. Denn die Zeit ist knapp: Von jetzt bis 30. Juni, also binnen vier Monaten, Bebauungs-und Flächenutzungsplan ändern sowie eine Anlage planen und betriebsfertig installieren - das ist wahrlich ein ehrgeiziges Vorhaben.
Für 8. März sind von den Immobilienleuten des Bundes Besichtigungstermine mit Kaufwilligen vor Ort vereinbart; dann wird es zumindest erste Signale geben. Sollte es mit dem Solarstrom-Park nicht klappen, könnte die übrigens rundum eingezäunte Fläche auch einfach als Wald weggehen - dann allerdings zu einem ganz anderen Preis.
Die Gemeinde Hohenahr hat sich ein Vorkaufsrecht eintragen lassen, um unerwünschten Entwicklungen gegebenenfalls gegensteuern zu können, hat aber keine konkreten Abichten, davon Gebrach zu machen, bestätigte Erster Beigeordneter Edgar Rücker auf Nachfrage.