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"Kaisertreu" - Wilhelm II.-Ausstellung in Biebertal

Artikel vom 24.02.2010 - 17.00 Uhr

"Kaisertreu" - Wilhelm II.-Ausstellung in Biebertal

Biebertal (ws). Blickfang der Sonderausstellung »Kaisertreu - Kult und Kitsch um Kaiser Wilhelm II.«, die der Heimatverein Rodheim-Bieber jetzt im Heimatmuseum eröffnete, sind die drei Uniformen des Gießener »Hausregiments« Nr. 116, das direkt dem Kaiser unterstand.
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Der Vorsitzende des Heimatvereins Rodheim-Bieber, Helmut Failing, begrüßte zur Eröffnung die Besucher, darunter Bürgermeister Thomas Bender, den Parlamentsvorsitzenden Manfred Kuhl, den 1. Beigeordneten Peter Kleiner und die Vertreter der Gemeindegremien sowie einige Bürger, die Exponate zur Verfügung gestellt hatten. Er dankte Dr. Jutta Failing, die die Ausstellung initiierte und organisierte. Zugleich wurde auch die Dauerausstellung der von der Gemeinde Biebertal ersteigerten Exponate von Hof Schmitte im Obergeschoss eröffnet. Dank galt da Klaus Schmidt.

»In der Zeit nach den Befreiungskriegen und vor allem nach 1870/71 genoss der Soldat in der Mehrheit der Bevölkerung großes Ansehen. Dieses Ansehen wurde durch den Besitz von Reservistika (Soldaten-Andenken) wie Gläser, Tassen, Teller, Flaschen und Krügen zu Hause oder im Wirtshaus, auch durch die Kaiserbilder, dokumentiert. - Kaiser Wilhelm II. war 30 Jahre deutscher Kaiser und gilt als »Meister des PR-Geschäftes« bei der Vermarktung seiner Person und der kaiserlichen Familie. Er ließ sich mehrere tausend Male fotografieren und hatte ein übersteigertes Geltungsbedürfnis. Sein linker Arm war verkürzt. Dies wurde bei den Fotos aber immer entsprechend kaschiert. Vorbild des Kaisers Wilhelm II. war sein Großvater Wilhelm I., der ebenfalls am liebsten Uniform trug«, erläuterte Dr. Jutta Failing. Der Kaiser war ein »Medienstar« seiner Zeit, ein Meister der Illusion. Ob als schneidiger Kriegsherr mit Pickjelhaube, als umjubelter Herrscher bei der Denkmalsenthüllung oder als treusorgender Familienvater im Kreise seiner Lieben - alles inszenierte Motive. Wie ein Schauspieler wechselte der Kaiser ständig Bühne und Kostüm für seine Auftritte. Kein anderer Monarch oder Staatsmann seiner Zeit hat sich so gekonnt in Szene gesetzt.

Das Gießener »Hausregiment« Nr. 116 unterstand Wilheim II. direkt. Er bezeichnete die Gießener Truppe als »seine schönste in Deutschland«. Dr. Failing ging auch auf den »Hurra-Patriotismus« und die Realität des Krieges ein. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahmen Kriegsverherrlichung und Denken in militärischen Kategorien fast groteske Züge an. Der Glaube an die eigene Unbesiegbarkeit mit einem großen Kaiser an der Spitze wuchs in dieser Atmosphäre unerschütterlich. Und so zog man 1914 wieder in ein »munteres Gefecht«. Dr. Failing zitierte auch aus einem Brief des »116ers« Wilhelm Bohn an die »liebe Mutter«, Emily von Fritsch, geb. van der Hoop (1868-1918) von Hof Schmitte, die als Hilfskrankenschwester im Gießener Reservelazarett II (Licher Straße) tätig war. Dr. Failing regte an im neuen Baugebiet »Burgblick« eine Straße nach Emily von Fritsch zu benennen.

Zahlreiche Leihgaben, darunter Originaluniformen des Gießener »Hausregiments« 116, Reservistenandenken, Fotos, Kurioses, »Kaiserprodukte von der Rose über den Kaiserapfel, Kaiserschere, Bismarckhering, Zigaretten, Erbswurst, Kriegspropaganda, Postkarten, Satire, Schützengrabenfotos und andere Exponate sind zu sehen. Die Ausstellung zeigt auch Feldpostbriefe von Friedrich Lölls Sohn und die Todesanzeige für den einzigen Sohn des damaligen Rodheimer Pfarrers Vömel. Er fiel mit 19 Jahren. »Eine emotionale, aber sachliche Ausstellung. Sie ist in keinster Weise kriegs- und Kaiser-verherrlichend«, erläutert Dr. Jutta Failing ihre Intention.

Die Sonder-Ausstellung ist noch bis zum 2. Mai sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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Artikel vom 24.02.2010 - 17.00 Uhr
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