Stand-up-Comedy: Ohne Esprit und unter der Gürtellinie
Die meisten Gags zündeten leider nicht. Als es in der zweiten Hälfte ein wenig zu ruhig wurde, zog Tschiersch für einen Gag Guido Westerwelle aus dem Hut und — es blieb ruhig. Niemand lachte. So wird Stand-up-Kabarett eher zur Aufforderung an die Zuschauer: »Steht auf und geht«. Vermutlich war sich auch Tschiersch dieses Umstands bewusst, als er sich nach der Pause freute, dass die meisten auch die zweite Hälfte seiner Alterspubertät sehen wollten. Nur wenige Plätze waren tatsächlich verwaist.
Den roten Faden vermisste man über den gesamten Abend. Es fehlte der Esprit oder eine zündende Idee, die die verschiedenen kleinen und größeren Geschichten verbunden hätte. Vielleicht war die Gürtellinie jener rote Faden. Denn unter dieser bewegten sich viele seiner Pointen, ohne Pubertätsniveau zu überschreiten. Aber dann wäre man ja doch wieder beim Thema des Abends angekommen. Für einen Kabarettisten wie Tschiersch ist das allerdings zu wenig. Und jene, die Stand-up als Aufforderung interpretiert hatten, hatten am Ende nicht viel verpasst.