Stand-up-Comedy: Ohne Esprit und unter der Gürtellinie
Bad Vilbel. »Pubertät mit 50« hieß am Mittwoch das Stand-up-Kabarett-Programm von Jockel Tschiersch in der Alten Mühle. Dass sich die Midlifecrisis ähnlich anfühlen könnte, wie die Leiden junger Pubertierender, hatte man bisweilen schon geahnt. Tschiersch trat jedoch an, dies auch kabarettistisch unter Beweis zu stellen.
Er sächselt, er schwäbelt und reißt Witze, aber der Funke will bei Jockel Tschiersch nicht auf das Publikum überspringen. (Foto: aho)
Tschierschs Alter Ego, der Held »Fifty-plus«, geht zum Urologen, weil seine vielen nächtlichen Toilettenbesuche seinem Nachbarn in der darunter liegenden Wohnung auf die Nerven gehen. Nachdem er seine Kassenpatienten-Wartezeit abgesessen hat, muss er feststellen, dass der Urologe, Dr. Helge Schröder, eine 40-jährige toughe Ärztin ist, der er sein Innerstes öffnen soll. Zwar ist sie attraktiv, aber das geht dem Helden zu weit, sodass er feststellt, dass die nächtlichen Wanderungen weniger mit der Prostata als mit seiner neu erwachenden Pubertät zusammenhingen.
Als ihm dann noch die Sonderbeilage einer Frauenzeitschrift zum Thema »Pubertät« in die Hände fällt, sind Held und Programm endgültig nicht mehr zu retten. Denn nun entwickelt sich ein nicht ganz einsehbares Wechselspiel zwischen Zitaten aus der Sonderbeilage und Geschichten des Protagonisten. Mal schien es, als versuche er diese Beilage zu widerlegen, mal, sie zu bestätigen.
Von seiner Frau verlassen, sieht sich »Fifty-plus« in einer ähnlichen Lage wie mit 17. Er hat vielleicht keine Träume mehr, aber er hätte gern eine Frau. Zu seiner Geburtstagsfeier, zu der er 130 Freunde per E-Mail eingeladen hatte, kommen nur zwei, Boris und Hanna. Und die vergnügen sich so laut in der Küche, dass der Nachbar wieder vorstellig wird.
Zwischendurch parodierte Tschiersch den Tierfilmer und Fernsehmoderator Bernhard Grzimek oder »Mr. XY-ungelöst« Eduard Zimmermann, wohl die Helden seiner frühen TV-Erfahrungen. Gerade seine Stärke, die Parodie längst vergessener Prominenter, überzeugte nicht. Und die Dialekte - neben seiner Westallgäuer Mundart kann er gut sächseln, berlinern und schwäbeln - rissen nichts heraus.
Dann wiederum ahmte er eine unverständliche asiatische Blumenfrau oder ausländische Jugendliche nach, ohne dass die Notwendigkeit dieser »Unterschichten-Parodien« klar wurde. Auch sein Konflikt mit der herrischen »größten Filialleiterin aller Zeiten«, die im Duktus Josef Goebbels’ schimpfte, und der er ein persönliches »Stalingrad« wünschte, ging ins Leere.