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Kümmerstellen bieten Hilfe für Demenzkranke

Artikel vom 20.01.2012 - 11.05 Uhr

Kümmerstellen bieten Hilfe für Demenzkranke

Bad Vilbel (khn). Die Betreuungsgruppe Café Kleeblatt hat zusammen mit mehreren Partnern ein neues Demenz-Projekt auf den Weg gegeben: Passanten sollen orientierungslose Menschen zu sogenannten Kümmerstellen bringen, damit diese dort weiter betreut werden können.

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Vertreter von Polizei, Seniorenbüro, Diakoniestation, Café Kleeblatt und Kümmerstellen präsentieren die neue Initiative für Demenzkranke. (Foto: khn)
Blumen waren ihre große Leidenschaft. Die Bekannte von Altenpflegerin Lucia André liebte es, Sträuße zu gestalten und damit die Wohnung zu verschönern. »Eines Tages ging sie bei Minustemperaturen in Nachthemd und Pantoffeln raus, um mit einem Messerchen Blumen zu schneiden«, erzählt André. Weit entfernt sei sie schließlich von der Polizei aufgegabelt worden. Die brachte die orientierungslose Seniorin, die sich bei ihrem »Ausflug« auch noch verletzt hatte, in eine Klinik. Die Frau litt unter Demenz.

Vor einem Jahr sei die Idee entstanden, Kümmerstellen einzurichten, sagt Café-Kleeblatt-Vorsitzender Dr. Hans-Ulrich Callies. Er hat gestern zusammen mit Vertretern von Diakoniestation, Polizei und Seniorenbüro zu einem Pressegespräch in den AWO-Treff an der Wiesengasse eingeladen, um das neue Konzept vorzustellen. Hintergrund: »Menschen werden immer älter«, sagt Callies, »und damit gibt es auch immer mehr Demenzkranke.«

Vor allem in der Anfangsphase der Krankheit bewegten sich Betroffene noch immer im vertrauten Umfeld, würden aber von Zeit zu Zeit orientierungslos, betont er. Lucia André ergänzt, dass vielen Betroffenen ihre Demenzkrankheit nicht anzusehen sei. »Die Alltagskompetenzen wie Aufstehen, waschen und essen gehen verloren, aber es bleibt das Bedürfnis nach Selbstständigkeit.«

»Die Initiative muss zuerst vom Bürger kommen«, sagt Klaus Peter Steinruck, Vize-Vorsitzender von Café Kleeblatt. Der müsse genau hinschauen, ob eine Person hilflos oder orientierungslos wirke. »Sprechen Sie sie freundlich an und fragen nach ihrem Ziel.« Sollte dieses nicht deutlich artikuliert werden, sollte der Passant dem Betroffenen Hilfe anbieten und ihn zu einer der Kümmerstellen bringen (siehe Kasten ). »Dort sollen die Mitarbeiter die Demenzkranken beruhigen, ihnen ein Getränk anbieten und angemessen mit ihnen sprechen«, ergänzt Marianne Sahner-Völke vom Seniorenbüro. Danach könnten Verwandte, Bekannte, Betreuungspersonen und als letzte Möglichkeit die Polizei angerufen werden.

Die wiederum würde versuchen, die Personalien des Demenzkranken zu ermitteln. »Da hilft es uns schon, wenn beispielsweise Telefonnummer und Adresse auf einem Schildchen zu finden sind, das in der Kleidung eingenäht ist«, sagt Gunnar Schnierle von der Polizei. Er schätzt, dass die Beamten in Bad Vilbel einmal pro Monat sich um eine orientierungslose Demenzkranke kümmern müssten. Darüber hinaus können Angehörige und Betreuungspersonen freiwillig ein Formblatt ausfüllen, das die Polizei in Bad Vilbel in einer internen Datenbank speichert. Es soll ein Foto des Demenzkranken enthalten sowie Informationen über Erkennungsmerkmale, Wohnort, Telefonnummer, Mobilität, mögliche Gewaltbereitschaft, Demenzgrad und Medikamente. Freilich geschieht das Ausfüllen des Formblatts freiwillig.

Die Kümmerstellen-Initiatoren wollen vor allem Vilbeler sensibilisieren, genau hinzuschauen und eigeninitiativ Hilfe zu leisten. »Das müssen wir wieder lernen«, sagt André. Callies ergänzt: »Wir wollen die Menschen mobilisieren, die Augen offen zu halten. Wenn sie einen Demenzkranken zu einer Kümmerstelle gebracht haben, können sie sich wieder ihren Alltagsgeschäften widmen.« Auch Ines Poggenpohl, Inhaberin der Park-Apotheke und Teilnehmerin der Initiative, appelliert: »Ansprechen statt weggucken.« Man müsste immer bedenken, dass es die eigenen Angehörigen sein könnten, die Hilfe benötigen.

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Artikel vom 20.01.2012 - 11.05 Uhr
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