Bad Vilbel (khn). Die Vilbeler Kindertagesstätten haben am Mittwoch zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Die WZ hat die »Arche Noah« besucht, die mit einem integrativen Konzept arbeitet.
Alle machen mit: Singstunde in der Turnhalle mit Tanja Tahmassebi-Hack (r.).
Der kleine Junge lässt den Kopf hängen. Die großen Kulleraugen starren ins Leere. Ab und zu huscht ein verschwörerisches Lächeln übers Gesicht. Kinderleben kann so toll sein. Währenddessen hat Mama andere Sorgen und startet eine Charmeoffensive: »Wir wollen in der Kernstadt Eigentum kaufen«, sagt sie zu Ruth Homann, Leiterin der integrativen Kindertagesstätte »Arche Noah«. »Wir hören so viel Gutes von dieser Kita: Vater-Kind-Wochenenden, die Integration von behinderten Kindern.« Die junge Vilbelerin hat gestern die Gelegenheit genutzt, sich beim Tag der offenen Tür der 16 Vilbeler Kitas über deren Angebote zu informieren – und die Fühler auszustrecken, wann der Nachwuchs mit einem Platz in der Einrichtung rechnen kann.
Die von der Christuskirchengemeinde getragene Kita »Arche Noah« hat Hanglage. Was für guten Wein ein Muss ist, kann auch den 101 Kindern nicht schaden. »Im oberen Geschoss haben wir zwei normale Kindergartengruppen mit jeweils 23 Kindern«, sagt Homann. »Dazu kommt noch die integrative Gruppe mit fünfzehn Kindern, wovon fünf behindert sind.«
In der unteren Etage tummeln sich zwei alterserweiterte Gruppen mit jeweils 20 Kindern. Betreut werden sie von 13 Erzieherinnen und fünf Praktikantinnen. Eine Besonderheit: Eltern und Mitglieder des Kirchenvorstands helfen im Alltag mit, bieten zum Beispiel Projekte an. Auf den unterschiedlichen Ebenen finden sich mehrere kleine Spielplätze, Zimmer und Einrichtungen wie die Küche.
Homann nimmt sich viel Zeit, um der Mutter mit ihrem kleinen Jungen und dessen Großeltern die Räumlichkeiten zu zeigen. Die sind vor allem vom integrativen Ansatz angetan. »Meinem Mann und mir ist wichtig, dass unser Sohn schon früh Respekt lernt und merkt, dass er Rücksicht auf andere Menschen nehmen muss und tolerant ist«, sagt die blonde Frau. Homann nickt. »Das ist das Besondere an unserer Einrichtung: Jeder wird nach seinen Fähigkeiten gefördert. Jeder kann etwas Besonderes.«
Nicht nur dieser Ansatz ist es, der der »Arche Noah« lange Wartelisten beschert. Vor allem die Öffnungszeiten sind für Berufstätige verlockend. »Von 7 bis 17.30 Uhr sind wir da«, sagt Homann, »und an Brückentagen bieten wir einen Notdienst an.« Die junge Frau strahlt bis über beide Ohren. »Ich will im Dezember wieder anfangen zu arbeiten«, sagt sie, »da kommen mir die Öffnungszeiten gelegen.« Dass ihr Junge zu diesem Zeitpunkt schon in der Kita einen Platz findet, hält Homann für unrealistisch. »Peilen Sie August 2014 an«, sagt sie der Mutter.