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»Jede Zeit will eigene Antworten«

Artikel vom 23.01.2012 - 10.11 Uhr

»Jede Zeit will eigene Antworten«

Bad Vilbel (jas). Für Udo Landgrebe, Lucia André und Walter Lochmann begann der Sonntag mit Händeschütteln. Zum Neujahrsempfang der SPD begrüßten der Parteivorsitzende und seine beiden Stellvertreter Parteimitglieder sowie Vertreter von Vereinen und Verbänden.

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Blumen als Dankeschön für den Ehrengast: Das Vorstandstrio der Vilbeler SPD (v. l.) Walter Lochmann, Lucia André und Udo Landgrebe dankt Anita Schneider, Landrätin des Kreises Gießen, für deren Rede beim Neujahrsempfang. (Foto: Stavenow)
Sie alle waren ins Dortelweiler Forum gekommen, um gemeinsam mit der Parteispitze in das neue Jahr zu starten, langjährige Mitglieder zu ehren und den Ausführungen der Sozialdemokratin Anita Schneider zuzuhören. Die Landrätin des Kreises Gießen war als Gastrednerin gekommen und sprach über die Perspektiven einer sozialen, wirtschaftsstarken, solidarischen und erfolgreichen SPD-Kommunalpolitik. Musikalisch unterhielt die Gäste eine Combo der Stadtkapelle.

Ganz besonders freute sich Landgrebe nicht nur über die Zusage Schneiders, sondern auch darüber, dass Stadtverordnetenvorsteher Dr. Josef Maetz (CDU) zum Empfang gekommen war. »Seit Jahren bemühen wir uns um interkommunale Zusammenarbeit, auch bei Neujahrsempfängen«, sagte der SPD-Chef. Immer wieder sei er zu den politischen Gegnern gegangen. »Und ich finde es klasse, dass es jetzt auch umgekehrt möglich ist. Hoffentlich bleibt es nicht bei dem einen Mal.«

Ehrengast Schneider bescheinigte den Vilbeler Genossen, auf einem guten Weg zu sein. Nicht nur die Kommunalwahl-Ergebnisse zeigten das, sondern auch die Tatsache, dass »die SPD Bad Vilbel die Nähe zu den Menschen sucht«. Der Austausch und die Nähe zu den Bürgern seien wesentliche Punkte sozialdemokratischer Politik. »Mit unseren Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität als Basis können wir Herausforderungen meistern und trotz defizitärer Haushalte Fortschritt erreichen«, betonte Schneider. Sehr deutlich machte die Landrätin, dass die Voraussetzungen für eine aktive Kommunalpolitik derzeit schlecht seien und die kritische finanzielle Lage die kommunale Selbstverwaltung gefährde. »Aber Herausforderungen müssen angenommen werden, auch wenn die Voraussetzungen nicht immer die besten sind«, forderte sie auf. Beispielhaft nannte die ehemalige Referentin im Jugend- und Sozialdezernat der Stadt Frankfurt einige Schwerpunkte. »Wir müssen die Akzeptanz und das Vertrauen der Bürger in die Politik stärken und sie mehr einbinden.« Transparenz sei gerade in Zeiten, in denen aus finanziellen Gründen nicht alles umgesetzt werden könne, wichtig. Von Bedeutung sei außerdem, die Gleichwertigkeit innerhalb des Kreises zu erhalten und sowohl die Starken als auch die Schwachen mitzunehmen. Im Kreis Gießen sei dies zum Beispiel mit der Anbindung an ein schnelleres Internet gelungen. Weiterhin müsse man über die
Effizienz der Kreisverwaltung nachdenken und Schnittstellen optimieren. Um sich behaupten zu können, sei eine gute und moderne Infrastruktur notwendig. Wichtig sei es, Fachkräfte in der Region auszubilden und auch zu halten.

Präventive Sozialpolitik gefordert

»Wir brauchen eine stärkere Weichenstellung hin zu einer präventiven Sozialpolitik und können uns nicht nur als Reparaturbetrieb sehen«, machte die Landrätin deutlich. Die Schulsozialarbeit müsse an allen Schulen etabliert werden, der Ausbau von Familienzentren sollte Priorität haben. »Trotz wirtschaftlicher Widrigkeiten haben wir die Chance, Gestaltungsräume zu eröffnen«, sagte Schneider und schloss ihre Ausführungen mit den Worten Willy Brandts: »Besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will.«

Einige Fragen zum etwaigen Hessentag

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit – der Empfang der zahlreichen Gäste sowie die Ehrungen langjähriger Parteimitglieder hatten weit länger gedauert als erwartet – verzichtete Parteichef Landgrebe auf eigene Ausführungen am Rednerpult. Am Rande des Neujahrsempfangs allerdings machte der
Sozialdemokrat den Standpunkt seiner Partei zu den Schwerpunktthemen Hessentag, Kombibad und Feuerwehr deutlich. »Dem Hessentag gegenüber sind wir durchaus
positiv eingestellt. Allerdings haben wir einige Fragen, die vorher beantwortet werden müssen. Welche Kosten zum Beispiel sind zu erwarten?« Kritisch sehen es die Sozialdemokraten, das Areal Krebsschere als Veranstaltungsgelände bis 2015 freizuhalten und nicht mit Gewerbe zu besiedeln. »Das gäbe ein
arges wirtschaftliches Problem für die Stadt«, so Landgrebe. Außerdem müsste die Innenstadt als Festmeile komplett saniert werden. »Wie viel Geld wäre nötig? Und wo soll das Geld herkommen?« Von großer Bedeutung sei ein breiter Konsens aller Parteien und möglichst vieler Bürger. »Den Einstieg mit einer Bürgerversammlung finden wir prima«, sagte der SPD-Chef.

In Sachen Kombibad haben die Genossen genaue Vorstellungen: »Wir wollen keinen Wellness-Tempel à la Taunus-Therme, sondern ein familienfreundliches Kombibad mit einem angegliederten oder integrierten Wellness-Bereich.« Als Orientierung sei das Bad Homburger Seedammbad gut. »Das Bad muss für Vereine und Schulen attraktiv und für die Bürger erschwinglich bleiben.« Für eine Zustimmung der SPD sei »die Konzeption ausschlaggebend«. Einsetzen will sich die Partei außerdem für einen neuen Standort für die Heilsberger Wehr. »Die Wache im Kern des Ortsteils ist viel zu klein. Einen Standortwechsel auf die sogenannte »Zigeunerwiese« würden wir unterstützen«, betonte Landgrebe.

(Ein Bericht über die Ehrungen folgt).

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Artikel vom 23.01.2012 - 10.11 Uhr
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