Weiterer Schritt in Richtung Wellness-Zentrum im Sprudelhof
Bad Nauheim (bk). Einstimmig haben die Stadtverordneten am Dienstag den dritten von vielen weiteren Schritten in Richtung eines Wellness-Zentrums Sprudelhof zurückgelegt.
Schön anzusehen, kostet aber viel Geld: Für den Sprudelhof wird ein Nutzungskonzept gesucht. (Foto: Archiv)
Obwohl es aus den Reihen von 3 B, Grünen und von den beiden fraktionslosen Mandatsträgern Dr. Hans-Joachim Simon und Markus Theis einige kritische Töne zum Planungsverlauf und den möglichen wirtschaftlichen Folgen der Neubauvorhaben Therme und Hotel gab, votierte letztlich niemand gegen die Einleitung des Vergabeverfahrens. Jetzt wird per Ausschreibung ein Investor gesucht, der ein neues Thermalbad baut und betreibt. Die Stadt ist bereit, pro Jahr einen Zuschuss von maximal 1 Million Euro zu zahlen. Außerdem können sich Unternehmen melden, die bereit sind, auf eigene Rechnung ein Hotel zu errichten und zu führen.
Wie die Redner aller Fraktionen und des Magistrats deutlich machten, sei mit dem Startschuss für das Vergabeverfahren keine endgültige Entscheidung darüber gefallen, ob Therme und Hotel tatsächlich gebaut werden. Es gehe jetzt in erster Linie darum, ob sich ein Geldgeber finde, der zu den von der Stadt vorgegebenen Bedingungen das Thermalbad bauen und unter Einbindung der Badehäuser 2 und 3 als Wellness-Zentrum betreiben will. Sollte das nicht der Fall sein, könne die Stadt jederzeit aussteigen.
Nach der Gründung der Stiftung Sprudelhof durch Stadt und Land war 2009 zunächst ein Markterkundungsverfahren in Gang gesetzt worden, um das Interesse und die Ideen potenzieller Investoren auszuloten. Als zweiten Schritt hatte man Gutachten in Auftrag gegeben, um die Frage der Wirtschaftlichkeit eines Therme- und Hotel-Neubaus zu beantworten. Die Experten waren dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass für den Therme-Betrieb in den ersten Jahren ein städtischer Jahreszuschuss von rund 2,3 Millioen Euro erforderlich wäre. Auch ein Hotel zu errichten verursache Kosten, die ohne finanziellen Beitrag der Kommune nicht zu decken seien. »Ginge es nach diesen Analysen, könnten wir die Akte schließen«, hatte Bürgermeister Bernd Witzel kürzlich gegenüber der WZ die Inhalte der Expertisen kommentiert.
»Kein Freibrief für Magistrat«
In der Parlamensdebatte am Dienstagabend ging kaum ein Redner auf die Wirtschaftlichkeitsprognosen der Gutachter ein (siehe Kommentar in der Printausgabe vom Donnerstag). Lediglich die fraktionslosen Stadtverordneten Simon und Theis sowie Grünen-Fraktionschefin Brigitta Nell-Düvel meldeten angesichts der leeren Stadtkasse Zweifel an der Machbarkeit einer neuen Therme an. »Die Experten halten einen Jahreszuschuss von 2,3 Millionen für erforderlich, doch wir kommen einfach zu dem Schluss, das Gutachten ist Blödsinn, und suchen einen Investor, der mit einer Million zufrieden ist«, sagte Theis. Die Frage, ob sich Bad Nauheim zwei Bäder leisten kann, müsse gestellt werden, meinte Nell-Düvel, die zudem die Vorgehensweise bemängelte: »Lange Zeit hat sich bezüglich dieses Projekts nichts getan, und jetzt soll wieder einmal alles sehr schnell gehen.« Dieser Kritik schloss sich 3 B-Fraktionsvorsitzender Jürgen Burdak an. Er äußerte zudem die Befürchtung, nach der Einleitung des Vergabeverfahrens könnten die nächsten Schritte - ähnlich wie bei der Trinkkuranlage - am Parlament vorbeigehen. Er beantragte deshalb, dass nach der Zusammenstellung der Vergabeunterlagen für Therme und Hotel, die Stadtverordneten noch einmal beraten und beschließen müssen. Erst danach dürfe die Ausschreibung erfolgen. »Wir können dem Magistrat keinen Freibrief ausstellen, sondern müssen Einwirkungsmöglichkeiten behalten«, betonte Burdak, dessen Vorschlag eine Mehrheit fand.
Sowohl Bürgermeister Witzel als auch Erster Stadtrat Armin Häuser werteten die Einleitung des Vergabeverfahrens als bedeutende Entscheidung. Witzel sprach von einem »Riesenschritt«, Häuser von einem »Meilenstein« auf dem Weg zur Revitalisirung des Sprudelhofs. Nach Aussage des Bürgermeisters wird ein weiteres Jahr ins Land gehen, bis die Planung abgeschlossen und alle Beschlüsse gefasst sind. Eile sei geboten. Witzel: »Wie dürfen die Sache nicht zerreden, brauchen ein tragfähiges Konzept. Bis 2018 muss sich der Sprudelhof ohne Zuschüsse des Landes finanziell tragen.« Aus Sicht des Rathauschefs ist eine Sanierung der alten Therme, die rund 19 Millionen Euro kosten würde, keine Altenative zum Neubau, für den laut Gutachter 26 Millionen zu veranschlagen sind.