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Trotz Zaun: Erneut Randale im Kurpark

Artikel vom 19.08.2010 - 10.10 Uhr

Trotz Zaun: Erneut Randale im Kurpark

Bad Nauheim (bk). Neuen Zündstoff hat die Debatte um die Einzäunung des Kurparks in der Nacht zum gestrigen Mittwoch erhalten: Randalierer sind trotz Einfriedung auf das Gelände der Landesgartenschau (LGS) vorgedrungen und haben einen Schaden von rund 10 000 Euro angerichtet.
Infotafeln und andere Gegenstände sind in der Usa gelandet.	(Foto: is)
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Infotafeln und andere Gegenstände sind in der Usa gelandet. (Foto: is)
Das berichtete Hartmut Kind, Geschäftsführer der LGS GmbH, auf WZ-Anfrage. Kürzlich hatte Bürgermeister Bernd Witzel das Plus an Sicherheit gelobt, das mit der Einzäunung verbunden sei, die deshalb über das Ende der Gartenschau hinaus erhalten werden solle. Seit Beginn der Großveranstaltung im April sei es zu keinen nennenswerten Vorfällen im Kurpark gekommen. Jetzt muss der Rathauschef die gegenteilige Erfahrung machen. Witzel hatte am Dienstagabend im Haupt- und Finanzausschuss eines klar gestellt: »Parlamentsentscheidungen werden umgesetzt.« Die Stadtverordneten hatten beschlossen, den Zaun nach dem Ende der LGS wieder zu entfernen. Gestern ließ sich der Bürgermeister im Gespräch mit der WZ allerdings ein Hintertürchen offen. Schließlich können Parlamentsbeschlüsse revidiert werden. Er will eine »ergebnisoffene Vorlage« zum Thema Nachnutzung der beiden LGS-Areale in den Magistrat einbringen. Zum Thema Kurpark heißt das: Alle Fakten, die für oder gegen einen Erhalt des Zauns sprechen, sollen aufgelistet und abgewogen werden. Das letzte Wort haben die Gremien, in denen sich bislang eine klare Mehrheit für einen Abbau der Umzäunung abzuzeichnen scheint.

Sprechen die nächtlichen Vorfälle gegen oder für den Erhalt der Einfriedung? Aus Sicht von LGS-Geschäftsführer Kind ist die Antwort klar: »Ohne Zaun, der eindeutig abschreckt, hätten wir noch mehr Vandalismus zu beklagen.« Er votiert deshalb für den Erhalt der Einzäunung, deren Tore tagsüber geöffnet sein müsste, um einen freien Zugang ohne Eintritt gewährleisten zu können. Wie Beispiele aus anderen Städte bewiesen, werde eine solche Regelung von den Bewohnern angenommen. Vor Beginn der Landesgartenschau sei es zu zahlreichen Vorfällen mit enormen Sachschäden gekommen. Seitdem habe sich die Lage beruhigt – sieht man von der Nacht zum Mittwoch ab.

Nach den Schilderungen des Geschäftsführers sind die meisten Schäden auf dem Minigolfplatz und an der neuen Usabrücke in Höhe des Max-Planck-Instituts entstanden. »Dort sind die Täter offenbar eingedrungen, nachdem sie mit Werkzeug das Tor hochgehebelt hatten«, erklärte Kind. Auf dem Minigolfplatz hätten die Randalierer ein Waschbecken zerstört und die Unterlagen für die Schreibblöcke herausgerissen. Fest installierte Plakate seien zerfetzt, Infotafeln in die Usa geworfen worden. Diese Art der Sachbeschädigung sei zwar auch mit Zaun nicht auszuschließen, sich gegen Schäden zu versichern sei aber nur mit einer Schutzvorrichtung möglich – sei es Einfriedung, Videoüberwachung oder ständige Streifen. Für die praktikabelste Variante hält der Geschäftsführer den Zaun.

Kind ist darin einer Meinung mit Witzel. »Es ist Aufgabe und Recht eines Bürgermeisters, eigene Ideen zu wichtigen Themen zu entwickeln und der Öffentlichkeit vorzustellen«, sagte der Rathauschef gestern zu der deutlichen Kritik, die sein Vorschlag, den Zaun stehen zu lassen, bei einigen Parteien ausgelöst hatte. Gleichwohl bleibt Witzel bei seiner Ansicht, das städtische Eigentum per Einzäunung wirkungsvoll schützen zu wollen. Er sieht allerdings ein Problem: Der existierende Zaun, auch die »Nobelversion« entlang der Terrassen- und Parkstraße, würde von der Denkmalschutzbehörde als endgültige Lösung vermutlich nicht genehmigt. Deshalb müsse eine neue, dem historischen Landschaftspark angepasste Variante aufgestellt werden – mit den entsprechenden Kosten.

»Bauzaun« zerschnitten

Auch Ingrid Schmidt, als Vorsitzende des Erna-Ente-Vereins sehr oft und zu allen Tageszeiten im Kurpark unterwegs, hat gestern die neuen Vandalismusschäden begutachtet. Auch die Natur-infoschilder des Erna-Ente-Treffs seien betroffen, zudem hätten die Täter Papierkörbe und Aschenbecher in der Usa geworfen. Einige Dinge seien zu Bruch gegangen.

Nach ihren Erfahrungen gab es auch vor Beginn der LGS nur geringe Schäden – in der Periode, in der Sicherheitskräfte patrouillierten. Aus Sicht von Schmidt stellt sich die Frage, was wirkungsvoller und günstiger ist: Zaun oder regelmäßige Streifengänge. Schmidt zufolge sind Personen nach dem Schließen des Zauns mehrfach in den Kur- und den Goldsteinpark gegangen – für Ortskundige kein Problem. Der provisorische »Bauzaun«, der an einigen Stellen den Park begrenzt, sei manchmal zerschnitten worden. Meist handele sich allerdings um »weichen Vandalismus«. Nach Ansicht der Vereinsvorsitzenden sind die Täter in der Regel nicht gezielt auf Zerstörung aus: Sachen würden irgendwo hingeworfen und gingen eher zufällig kaputt.

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Artikel vom 19.08.2010 - 10.10 Uhr
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Leserkommentare
(19.08.2010 15:00)
stercus
Typisch
Ja das ist wieder Typisch Deutsch, alles schön einzäunen, Streife laufen oder Videoüberwachen.
Man könnte ja das übel bei der Wurzel packen, aber da hat man nur angst sich die Finger schmutzig zu machen. Die wirklichen Probleme in Deutschland traut sich ja kaum einer überhaupt auszusprechen.
Es sollten auch alle wissen das es kaum was bringt, bei der Streife wird gewartet bis sie weg ist, eine Videoüberwachung verlagert das Problem nur und ein Zaun interessiert keinen Randalierer wirklich, er provoziert höchsten. Mal abgesehen davon das ein Park mit Zaun weiß Gott nicht schön ist egal wie teuer er ist, Zaun bleibt Zaun.
Ich freue mich auf jeden Fall wenn diese LGS endlich mal vorbei ist und ich einfach nur mal kurz in Ruhe durch den Park spazieren kann und das ohne ein Haufen Geld auszugeben bloß weil ich mal eine halbe Stunde entspannen will. Und wenn ich das dann noch ohne störenden Zaun machen kann wäre es fast perfekt ;-)
(19.08.2010 12:41)
bla
Baut die Mauer wieder auf -
oder nehmt die Bretter vor den Köpfen weg!
Wenn das "Theater" um die LGS nicht von den steuerzahlenden Bürgern finanziert werden müsste, könnte es als "billige Lachnummer" durchgehen. Doch leider ist diese "Vorstellung" traurig und mit Kosten verbunden.
Einmal Hopp, dann Topp, dann wieder Hopp und dann eine neue Idee, und dann doch was anderes oder doch wieder Hopp.
Wer davon ausgeht, dass Zäune oder Mauern Randalierer abschrecken, der hat nicht mitbekommen, wie in Deutschland Aus- oder Eingrenzungen bei der Bevölkerung ankommen.
Schade, wenn Verantwortliche nicht über Tellerränder schauen können oder wollen.
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