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Therme-Neubau: Gutachten wecken Skepsis

Artikel vom 24.08.2010 - 16.10 Uhr

Therme-Neubau: Gutachten wecken Skepsis

Bad Nauheim (bk). Es soll das wahrscheinlich größte Investitionsprojekt in der Geschichte der Kurstadt werden: die Sanierung des Sprudelhofs plus Umwandlung in ein modernes Wellness-Zentrum. Doch die Pläne geraten mehr und mehr ins Wanken.
Wie das neue Nutzungskonzept für den Sprudelhof aussehen wird, ist auch nach Vorlage der neuen Gutachten offen. Klar ist: Mit de
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Wie das neue Nutzungskonzept für den Sprudelhof aussehen wird, ist auch nach Vorlage der neuen Gutachten offen. Klar ist: Mit der Sanierung der Badehäuser 5 bis 7 (rechts) könnte bald begonnen werden. (WZ-Archivfoto: nic)
Zweifel gab es in der Vergangenheit bereits an der Möglichkeit, einen Investor für ein neues Hotel zu finden. Mit Blick in die leere Stadtkasse scheint jetzt auch das Konzept für den Neubau einer Therme gefährdet. Grund: Drei neue Gutachten liegen vor, zwei davon beschäftigen sich mit der Wirtschaftlichkeitsprognose für Thermalbad und Beherbergungsbetrieb. Bezüglich der Therme lautet die ernüchternde Vorhersage, dass der Betrieb mittelfristig ohne einen jährlichen städtischen Zuschuss von rund 2,3 Millionen Euro nicht denkbar ist. »Ginge es nach diesen Analysen, könnten wir die Akte schließen«, sagt Bürgermeister Bernd Witzel im Gespräch mit der WZ, der die Gutachten vorliegen. Der Rathauschef und Erster Stadtrat Armin Häuser wollen allerdings keineswegs aufgeben, planen vielmehr in Kürze ein Ausschreibungsverfahren. Gesucht wird ein Investor, der die Therme mit jährlichen Fördermitteln der Stadt in Höhe von 1 Million Euro baut und betreibt.  

Auftraggeber der Gutachten - das dritte behandelt die Frage der Geothermie-Nutzung bei der Sprudelhof-Beheizung - war die Stiftung Sprudelhof, seit Ende 2008 Eigentümer des Jugendstil-Ensembles. Finanziert wurden die Untersuchungen zu gleichen Teilen vom Land und der Stadt, laut Häuser wurden rund 70 000 Euro ausgegeben. Von den Politikern mit Spannung erwartet wurde vor allem die Analyse zur Zukunft der Therme, die von der Hamburger Wenzel Consulting Aktiengesellschaft verfasst wurde. Die AG beauftragte wiederum das in Wien beheimatete Büro PKF Hotelexperts damit, die Realisierungs-chancen für ein Hotelprojekt zu ermitteln.

Das Erfreuliche vorweg: Die Firma Wenzel schätzt die Wettbewerbsfähigkeit einer neuen Therme unter Einbindung der Badehäuser 2 und 3 (Medical Wellness) als positiv ein und zieht einen Neubau der Sanierung des bestehenden Bades vor. Die Investition wird mit 25,6 Millionen Euro veranschlagt, wobei die Kosten des Abrisses der alten Therme, des Erwerbs des Grundstücks (bliebe im Eigentum der Stadt) und der Badehäuser (Besitzer: Stiftung Sprudelhof) nicht berücksichtigt sind. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Gutachter geht im dritten Betriebsjahr von 333 000 Besuchern aus, derzeit sind es nach Aussage des Bürgermeisters rund 200 000. Unter dem Strich würde sich für den privaten Investor ein Minus von 2,3 Millionen Euro ergeben, das die Stadt übernehmen müsste. Auch nach 15 Jahren ergäbe sich keine Kostendeckung, das Defizit läge dann bei 1,12 Millionen. Mit ähnlich hohen Fehlbeträgen rechnen die Gutachter allerdings bei Erhalt und Totalsanierung des bestehenden Thermalbads. »Das würde rund 19 Millionen Euro kosten«, sagt Witzel voraus.

Ein weiteres Problem, das die Wenzel AG schildert: Ein Weiterbetrieb der alten Therme während des Neubaus sei nicht möglich. Viele Stammkunden müssten sich ein anderes Bad suchen und gingen dem Standort Bad Nauheim vielleicht verloren. Vorgeschlagen wird, die Sanierung und Umgestaltung der Badehäuser 2 und 3 vorzuziehen, um in der Übergangsphase zumindest das Wellness-Angebot bereits unterbreiten zu können. Nach Fertigstellung des Neubaus sollte eine Positionierung des Zentrums im »Marktsegment Sport und Gesundheit« erfolgen, raten die Experten aus Hamburg.

Badehäuser-Einbindung »nicht darstellbar«

Die von den Autoren des 2009 vorgelegten Abschlussberichts zum Markterkundungsverfahren in Sachen Sprudelhof favorisierte Hotelvariante - Neubau auf dem Parkdeck plus Einbeziehung der Badehäuser 5 bis 7 - dürfte endgültig vom Tisch sein, wie der Bürgermeister einräumt. Auch die Realisierung dieser Pläne wäre laut PKF Hotelexperts nur mit einer Finanzspritze der Stadt möglich - beispielsweise durch das kostenlose Überlassen des 5800 großen Baugrundstücks (Parkdeck), dessen Wert mit 2,2 Millionen Euro beziffert wird. Witzels Kommentar: »Für das Hotel zahlt die Stadt keinen Euro.« Ohne kommunale Fördermittel ist die Einbindung der Badehäuser, die den Reiz eines solchen Hotelprojekts ausmachen könnten, »nicht darstellbar«, befinden die Gutachter. Somit bliebe nur die Möglichkeit eines reinen Neubaus. Dafür schätzen die Gutachter die Kosten auf gut 13,5 Millionen Euro.



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Artikel vom 24.08.2010 - 16.10 Uhr
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