Die Wiener Firma PKF hat sich bei ihrem Hotelgutachten ganz auf die Südseite des Sprudelhofs konzentriert, weil der Denkmalschutz in der Vergangenheit Bedenken gegen den Bau auf der Nordseite (im Kurpark) geäußert hatte. Diese Möglichkeit wollen aber weder Witzel noch Erster Stadtrat Häuser und Dr. Helmut Francke, SPD-Fraktionschef und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Sprudelhof, gänzlich ausschließen. Der Bürgermeister und Francke glauben, durch die engere Anbindung an die Therme eine bessere Wirtschaftlichkeit des Hotelbetriebs erreichen zu können.
»Es haben sich bereits zwei Interessenten für einen Therme-Neubau und ein potenzieller Hotel-Investor gemeldet«, bleibt Witzel zuversichtlich, beide Projekte ohne Überlastung der Stadtkasse realisieren zu können. Häuser ist skeptischer, will einem neuen Thermalbad klare Priorität einräumen. »Mit der geplanten Ausschreibung wird keine endgültige Entscheidung getroffen. Der Stadt bleibt ein Ausstiegsszenario, wenn die Angebote nicht die Erwartungen entsprechen«, sagt der Erste Stadtrat. Notfalls müsse die alte Therme saniert werden. Die Aussagen der Gutachter zur Wirtschaftlichkeit des Neubau-Konzepts hält Häuser nicht für stichhaltig. »Neue Thermen, die in anderen Städten betrieben werden, wurden bei der Bewertung nicht berücksichtigt«, betont Häuser.
Die städtischen Gremien werden sich in den nächsten Tagen erstmals mit dem Thema beschäftigen und sollen nach dem Willen Witzels das Vergabeverfahren einleiten. Interessierte Unternehmen sollen auf jeden Fall ein Angebot für den Thermalbad-Bau unterbreiten - »optional mit Hotel«, wie es in dem Entwurf einer Beschlussvorlage für den Magistrat heißt. Der Bürgermeister rechnet mit einem Abstimmungs- und Entscheidungsprozess, der etwa ein Jahr dauert. Frühestens 2012 könnte vermutlich mit dem Bau einer neuen Therme begonnen werden.
Nach dem Willen von Witzel und Häuser soll die Stiftung Sprudelhof umgehend mit der Sanierung der Badehäuser 5 bis 7 beginnen. Die Finanzierung übernimmt das Land, das insgesamt etwa 50 Millionen Euro in den Sprudelhof investieren will.
Ingenieure empfehlen: Mit Solewärme heizen
Bad Nauheim (bk). »Mit der Wärme der Thermalquellen können der
gesamte Sprudelhof und die Therme geheizt werden«, fasst Bürgermeister
Bernd Witzel das dritte Gutachten zusammen, das die Möglichkeiten der
Geothermie auslotet. In Auftrag gegeben wurde es bei der Gerber
Ingenieur-Gesellschaft (GIG) mit Sitz in Darmstadt.