Stoll-Gelände: Eigentor in der Nachspielzeit der Verlängerung
Bad Nauheim (jw). Nichts Neues in Sachen Stoll-Gelände. Nach der vorläufigen Notbremse von Bürgermeister Armin Häuser (CDU) hat sich die Aufregung gelegt, nur rund 20 Zuhörer wollten am Donnerstag die Debatte im Stadtparlament verfolgen.
Die Zuschauersitze leerten sich noch während der Aussprache, was bedauerlich war, da zumindest der Abstecher in die Fußball-Historie unterhaltsame Momente aufwies.
Eigentlich ist alles gesagt. Zumindest zum jetzigen Stand der Dinge. Die Entscheidung für die Fachmarktpläne wurde vertagt, eine öffentliche Ausschreibung wurde beschlossen, jetzt wäre auf dem Areal an der Schwalheimer Straße auch ein Mischgebiet für Wohnen und Gewerbe möglich. Zwar favorisiert die CDU weiterhin das Gedo-Modell und die Grünen vermutlich auch, aber die neue Situation sei ein »sportlicher Wettkampf«, meinte der Christdemokrat Armin Kreuter und machte damit ein rhetorisches Fass auf, das in der Folge gleich mehrfach überlief.
Um mit Kreuter zu sprechen: Gedo ist in der ersten Halbzeit der Verlängerung in Führung gegangen. Jetzt sei man in der zweiten Halbzeit, aber der Spielstand ändere sich dadurch nicht. Es sei denn, der neue Investor lege »eine hervorragende Leistung« ab. (Leider wurde an dieser Stelle versäumt, die Tor-Metapher einzubauen). Bis zum Sommer muss eine Entscheidung getroffen werden. Darüber besteht in den Reihen der Politiker weitgehend Einigkeit. Die »Spielanalyse« von Markus Philipp (UWG) sah freilich anders aus. Ob die zwei Investoren aus dem ersten Verfahren weiter dabei seien, stehe gar nicht fest. Steht es wirklich Unentschieden? Philipp: »Wir fangen wieder von vorne an.«
»Den Ball flach halten«
Jürgen Burdak (3 B) wiederum mahnte, man müsse »den Ball flach halten«. Das bisherige Vorgehen sei kein Ruhmesblatt für die Stadt. Der erste Fehler sei gewesen, dass die Angebote nicht vergleichbar gewesen seien. Johannes Krautwurst (SPD) plädierte noch einmal für den Mix aus Wohnen und Gewerbe und wählte ein Sprachbild aus dem Bodenturnen, um das Verhalten der CDU zu beschreiben: Deren »Spagat« müsse beendet werden, die Stadt brauche eine Entscheidung. Nein, entgegnete Bürgermeister Armin Häuser, das sei kein Spagat, außerdem könnten Verlängerungen auch ihr Gutes haben. Hier nun erinnerte sich der Bürgermeister an die Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko. Halbfinale, Italien gegen Deutschland, das Jahrhundertspiel. Erst in der Nachspielzeit gelingt dem Italien-Legionär Karl-Heinz Schnellinger der Ausgleichstreffer. Ein unvergesslicher Augenblick.
Dass Gerd Müller in der Verlängerung die Deutschen sogar noch in Führung schoss, hat der damals sechsjährige Armin Häuser entweder vor Begeisterung nicht mitbekommen oder er kam 42 Jahre später einfach nicht mehr dazu, diesen Spielzug zu analysieren. Der Zwischenruf von Parlamentsvorsteher Prof. Friedrich-Karl Feyerabend kam steil aus der Mitte des Raumes über den rechten Flügel und landete direkt im Netz: »Da hat Deutschland verloren.«
Die Vorgabe, bis zum Sommer eine Entscheidung herbeizuführen, sei »eine sportliche Vorgabe«, meinte Häuser, dessen Redebeitrag gleichwohl unterschiedliche Taktikausrichtungen in der CDU verdeutliche. Hier Häusers kontrollierte Offensive, dort Kreuters defensive Wir-bleiben-dabei-Haltung.
Das war schon eine STVV der besonderen Art! Die persönlichen Animositäten überwogen, Inhaltliches herauszufiltern fiel schwer. Es scheint besser zu sein, 2 Tage später die Essenz davon in der Zeitung zu lesen. Danke für die pointierte Berichterstattung.