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Positives Fazit, doch Kassen zahlen nicht mehr

Artikel vom 26.01.2012 - 11.00 Uhr

Positives Fazit, doch Kassen zahlen nicht mehr

Bad Nauheim (ihm). Die Telemedizin hat sich nach Ansicht von Bad Nauheimer Medizinern bewährt, was sich auch am Beispiel des Steinfurther Herzpatienten Horst Falk belegen lässt. Doch viele Krankenkassen sehen das offenbar anders: Sie haben die Verträge zur Kostenübernahme gekündigt.

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Horst Falk muss täglich den Blutzucker bestimmen und Insulin spritzen. Bis 2010 konnte er seine Zuckerwerte telefonisch ans SHL-Zentrum durchgeben.
Bad Nauheim (ihm). Ende 2011 strahlte der Nachrichtensender n-tv einen Beitrag zur Telemedizin aus: Ein Verfahren, bei dem Patienten Messwerte mittels Telekommunikation an ein Zentrum übermitteln. Zu Wort kamen Kardiologe Dr. Wolfgang Ricken (Kerckhoff-Klinik), der Bad Nauheimer Internist Dr. Lutz Ehnert und Patient Horst Falk (Steinfurth). Interessanter Bericht – mit Schönheitsfehler. Gedreht wurde schon 2010, kurz darauf kündigten viele Krankenkassen die Verträge. Aktuell ist das Thema gleichwohl: Mit ihrer E-Health-Initiative arbeitet die Bundesregierung an Lösungen für die flächendeckende Einführung von Tele-Monitoring. Ricken, Ehnert und Falk sehen nur Vorteile in dem innovativen Verfahren, das die Versorgung chronisch Kranker optimiere.

Als eine Arzthelferin neulich zu Horst Falk sagte, er habe »Rollvenen«, erwiderte er: »Lieber Rollvenen als Rollator.« Sein humorvolles Wesen ändert nichts daran, dass es ihm manchmal »bis oben steht«. Falk leidet an koronarer Herzerkrankung und Diabetes. »In der Kerckhoff-Klinik gehöre ich schon zum Inventar.« Versichert ist der Steinfurther bei der BKK Gesundheit. Bis Ende 2010 hatte die Kasse einen Vertrag mit der Kardiologie-Plattform Hessen (KPH) und dem Zentrum SHL-Telemedizin in Düsseldorf, einem der weltweit führenden Anbieter.

Eines Tages erhielt Falk einen Anruf. »SHL fragte im Namen der Krankenkasse, ob ich an der telemedizinischen Betreuung teilnehmen will«, erzählt der 77-Jährige. Er ließ sich alles erklären, sagte Ja und wurde unter anderem mit einem 12-Kanal-EKG- und einem Blutzuckermessgerät ausgerüstet. »12-Kanal-EKGs entsprechen den Geräten von Praxen, Kliniken und Noteinsatzfahrzeugen«, erläutert Kardiologe Ricken. Der Oberarzt ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von SHL-Telemedizin. Im Rahmen des Projekts war er beratend tätig. Weitere Kooperationspartner sind Hausärzte.

Messdaten werden übermittelt

Wie Ricken erklärt, betreue SHL weltweit Projekte zur Versorgung chronisch Kranker, die etwa an Herzinsuffizienz, Diabetes, Lungenerkrankungen, Schlaganfall oder psychischen Problemen leiden. »Bei unserem Projekt ging es um Herzkranke.« Der Patient übermittelt SHL regelmäßig seine Messdaten über eine Internetverbindung. »Er muss auch sagen, wie es ihm geht. Am anderen Ende der Telefonleitung sitzen Krankenpflegekräfte und Arzthelferinnen, die jahrelang im Herz-Kreislauf-Sektor gearbeitet haben.« Auch Fachärzte sind im Zentrum tätig und können Entscheidungen treffen. »Die angeschlossenen externen Mediziner – Haus-, Klinik- und Fachärzte – können auf die elektronische Patientenakte zugreifen«, sagt Ricken. Ihre Untersuchungsergebnisse gehen ebenfalls an die Einrichtung.

Wie Falk erzählt, gab er die EKG-Messdaten alle zwei bis drei Monate durch, die Zuckerwerte alle acht Tage. »Wenn was Besonderes war – Druck auf der Brust oder Schmerzen im linken Arm –, rief ich an«, berichtet er. Einmal habe ihm das Zentrum einen Krankenwagen rufen wollen. Nachdem er Nitro-Spray inhaliert hatte, war das doch nicht nötig. Tag und Nacht sei das Zentrum erreichbar gewesen. »Die Leute waren immer sehr freundlich.« 2010 bekam der Steinfurther einen Brief: Die Kasse zahle Telemedizin nicht mehr. »Das tat mir leid. Ich hätte gern weitergemacht.« Es habe stets einen Ansprechpartner gegeben, wenn Not am Mann war. Falk: »Es ging mir auf jeden Fall besser. Ich war beruhigter.«



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